Zum Tod des Sängers und Lyrikers

Wolfgang Niedecken: So erinnert er sich an Leonard Cohen

+
Wolfgang Niedecken.

München - Leonard Cohen ist tot. Der kanadische Sänger und Lyriker ist 82-jährig gestorben. Bei uns erinnert sich ein glühender Fan: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (65).

Herr Niedecken, Sie sind ein glühender Verfechter Bob Dylans. Wie sieht es mit Leonard Cohen aus?

Wolfgang Niedecken: Er zählt zu meinen drei ganz großen Helden – Cohen, Dylan und Neil Young. Cohen kommt von der Lyrik und hat irgendwann angefangen, seine Gedichte in Liedform zu gießen. Er merkte: Das läuft ganz gut – das hat er von Dylan gelernt.

Seit wann lieben Sie Cohen?

Niedecken: Ich habe alle Platten, er hat mich immer begleitet. Songs of Love and Hate oder Songs from a Room sind Meilensteine. Das letzte Album habe ich mir gerade erst gekauft. Auch das zählt zum Großen.

Spüren Sie da schon den Tod?

Niedecken: Es ist ein Abschied, ja. Aber ich habe auch damit gerechnet.

Ein Lieblingssatz von ihm?

Niedecken: Eine Textzeile aus Anthem: „There is a crack in everything / That’s how the light gets in.“ In allem ist ein Bruch, aber durch ihn kommt das Licht. Ein unglaublicher Satz.

Spürt man diesen Bruch und dieses Licht auch in seiner Musik?

Leonard Cohen.

Niedecken: Ja. Er war melancholisch, aber hat das Leben sehr bewusst genossen – gut, je älter er wurde, desto zurückgezogener lebte er. Und dass er überhaupt wieder auf die Bühne ging, verdanken wir der Tatsache, dass ihn sein Management über den Tisch gezogen hat und er keine Kohle mehr hatte.

Glück für uns.

Niedecken: Ich habe ihn vor vier Jahren in der Arena in Oberhausen erlebt. Wie ein Mann es in diesem Business schafft, seine Würde zu wahren, unfassbar. Die tiefe, leise Stimme, wie er die riesige Halle im Griff hatte …

Was fasziniert Sie in drei Worten an Cohens Werk?

Niedecken: Seine Kargheit. Minimalismus. Seine Stimme, einfache Akkorde, nix mit übertriebenem Bodennebel oder akustische Deko.

Neben wem soll er jetzt auf der Wolke sitzen?

Niedecken: Vielleicht neben dem ersten Großen, der uns heuer verlassen hat: David Bowie. Ich habe meine Zweifel, ob die sich verstehen würden. Aber Mäuschen spielen, das wäre was.

Auch interessant

Meistgelesen

Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Plácido Domingo: Zu jung für die Rolle
Plácido Domingo: Zu jung für die Rolle
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache
Constanze Lindner: Kein Neid in Münchens Kabarett – im Gegensatz zum Schauspiel
Constanze Lindner: Kein Neid in Münchens Kabarett – im Gegensatz zum Schauspiel

Kommentare