NACHRUF - Jean-Paul Belmondo ist mit 88 Jahren gestorben

Adieu, Bébel!

Jean-Paul Belmondo 1974 bei den Filmfestspielen in Cannes.
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Der Inbegriff stilvoller Lässigkeit: Jean-Paul Belmondo 1974 bei den Filmfestspielen in Cannes.

Jean-Paul Belmondo hat in seiner Rolle als Draufgänger und Gangster Filmgeschichte geschrieben. Nun ist der legendäre Schauspieler im Alter von 88 Jahren gestorben. Unser Nachruf.  

  • Jean-Paul Belmondo zählte zu den Legenden des europäischen Kinos.
  • Seine Durchbruch erlebte er 1960 in Godards „Außer Atem“.
  • Am Montag ist Belmondo, den seine Fans Bébel riefen, mit 88 Jahren gestorben.

Er sah aus wie ein kleiner Schläger. Latent gefährlich, dabei völlig entspannt, weil er wusste, dass er jeden im Raum in den Boden rammen konnte. Eine Spur prollig, aber mit gewinnendem Lächeln – so enterte der junge Jean-Paul Belmondo, Sohn italienischer Migranten, das französische Kino. Genau zur rechten Zeit: Junge Wilde hatten Ende der Fünfzigerjahre das Kommando übernommen und stellten mit ihrer Nouvelle Vague das Filmemachen auf den Kopf. Da kam so ein breitbeiniger Hallodri wie Belmondo gerade recht.

1960 spielte Belmondo mit Jean Seberg in Godards „Außer Atem“

1960 wird er mit „Außer Atem“ zum Inbegriff des lässigen Außenseiters, der selbst im Sterben cool bleibt und als letzte Worte „Du bist zum Kotzen“ hinterlässt. In der Folge dreht Belmondo wie besessen, in düsteren Thrillern spielt er oft den Getriebenen, der sich mit fatalistischem Lächeln seinem Schicksal stellt. „Die Millionen eines Gehetzten“ (1963) ist vielleicht das Paradebeispiel für Belmondos Kunst – und die Blüte des französischen Filmschaffens zu jener Zeit. Belmondo war, ohne das je zu beabsichtigen, der Anti-Alain-Delon. Nahbarer irgendwie – trotz seiner Coolness – und geerdeter. Das mag an seiner wunderbar zerbeulten Visage gelegen haben, die er sich als Jugendlicher erboxt hat und das Image des Rabauken beförderte.

Dabei stammte Belmondo aus einem intellektuellen Künstlerhaushalt, in dem die Größen der französischen Geisteswelt verkehrten. Das betont Rotzige, Proletarische war womöglich sein Versuch, sich von dieser Herkunft abzugrenzen, den eigenen Weg zu finden. Regelmäßig von Schulen verwiesen, kam er während eines Sanatoriumsaufenthaltes auf die Idee, Schauspieler zu werden: auch ein künstlerischer Beruf, aber näher dran am Volk.

Belmondo entdeckte die Actionkomödien für sich

Gerade rechtzeitig erkennt Belmondo Ende der Sechziger, dass sich die Nouvelle Vague totgelaufen hat, und entdeckt ein neues Genre für sich: die Actionkomödie. „Das Superhirn“ wird 1969 ein internationaler Sensationserfolg, Belmondo sattelt um und prügelt sich mit Wonne durch launige Filme, die ungemein gut ankommen, auch in Deutschland. Aus Belmondo wird Bébel, der knautschige Haudrauf, der sich furchtlos selbst in die aberwitzigsten Stunts wirft. Bald will ihn keine Versicherung mehr, also produziert Belmondo auf eigenes Risiko die Filme mit und hängt weiterhin an Hubschraubern oder kugelt Treppen hinunter. Mit zunehmendem Alter verlegt er sich fast ausschließlich aufs Komödienfach und beweist Selbstironie, wenn er mit Mut zur Peinlichkeit einen Mann spielt, der zu alt ist für die Frauen, denen er nachsteigt.

Belmondo zog sich 2001 aus der Öffentlichkeit zurück

Zwischendrin gibt es knallharte Thriller wie „Der Profi“ von 1981, einfach nur, um zu zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Als er sich ein paar Jahre später ziemlich schwer bei Dreharbeiten verletzt, lässt Bebel es dann aber doch gut sein mit dem Spielen harter Männer und entschließt sich – was einem physischen Typ wie ihm wahnsinnig schwergefallen sein muss –, nur noch Rollen anzunehmen, die seinem Alter entsprechen. Belmondo hat den Mut, vom Leinwand-Idol zum alten Mann zu werden, viele in seiner Preisklasse schaffen das nicht. Und wieder hat er Erfolg. Sein erstes Alterswerk, „Der Löwe“ unter der Regie von Claude Lelouch, wird 1988 ein Hit, und erstmals wird Belmondo auch als Charakterschauspieler gewürdigt. Wiederholen kann er diesen Erfolg nicht, 2001 zieht er sich nach einem Schlaganfall aus der Öffentlichkeit zurück.

Nun ist Belmondo, unser Bébel, mit 88 Jahren gestorben, und das tut weh. Er war nicht einfach nur ein Star, er war ein Typ. Jemand, der keinen Blödsinn erzählte, der diszipliniert seiner Arbeit nachging und Spaß an dem hatte, was er tat. Adieu, Bébel, tu manque tellement.

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