Asül und Söder schenken ein

Maibockanstich: Das waren die besten Sprüche

+
Kabarettist Django Asül (l.) und Minister Markus Söder.

München - Kabarettist Django Asül und Minister Markus Söder haben sich am Mittwoch beim Maibockanstich fast ein Rede-Duell geliefert. Die tz war dabei.

Was ist der Unterschied zwischen Kabinett und Kabarett? Die Auflösung lieferte Finanzminster Markus Söder (CSU) bei seiner Begrüßungsrede gleich selbst: „Im Kabarett lachen alle über einen – im Kabinett lacht einer über alle anderen.“ Egal – im Hofbräuhaus gab’s am Mittwochabend für alle was zum Schmunzeln! 600 Gäste waren dabei, als Söder mit Hofbräu-Chef Michael Möller das erste Fass süffigen Maibock (gibt’s seit 400 Jahren) anzapfte und Kabarettist Django Asül den Großkopferten auch verbal einschenkte. Wie das Duo Söder und Asül ankam:

Christina Meyer, Beate Winterer

Kabarett

Gut, einen kleinen Vorteil hatte Django Asül: Sein Publikum war quasi schon warmgekocht – zumindest hatte sich Finanzminister Söder (siehe rechts) mal wieder alle Mühe gegeben, seine Gäste schon bei der Begrüßung vorzuwatschen. Für die Würze sorgte dann Asül mit einer ordentlich gepfefferten Rede. Von Freie-Wähler-Chef „Hubsi“ Aiwanger bis zu Bundeskanzlerin „Anschela“ Merkel: Er ließ keinen aus.

Der Niederbayer las mal wieder der kompletten Politikerriege die Leviten, haute sogar Putin und Obama mit verbalen Pointen gespickte Munition um die Ohren. Fast 40 Minuten lang servierte er den Großkopferten seine spritzige Standpauke, witzelte über die Russlandkrise („Steinmeier droht Putin mit Sanktionen! Das ist, wie wenn ein Playmobil-Manschgerl einen Kampfhund aufhalten soll“), betitelte Finanzminister Söder als „Fiskus-Ausgabe vom Hansi Hinterseer“ und feixte über den neuen OB: „Der Reiter wird jetzt SPD-Bürgermeister. Aber unter CSU-Führung. Das sind Marketing-Gags!“

Die Frotzeleien gingen nie unter die Gürtellinie, trotzdem haute er der Politprominenz von der Edathy-Affäre über die zähen Koalitionsverhandlungen bis zur Wohnungsnot in München einiges um die Ohren. Die wurden bei manchen Gästen übrigens ganz rot, etwa bei Hubert Aiwanger, als er ihn löcherte: „Hubert, wieso bist so staad in letzter Zeit? Manche glauben schon, dein Ziel war die absolute Mehrheit für die CSU.“

Am Ende waren einige Gäste gar nicht mehr sicher, wer denn an dem Abend nun der Kabarettist und wer der Politiker war. Aber eins steht fest: Das Duo Söder/Asül hat gehörig Bock auf den Mai gemacht!

Kabinett

Mit einer schlichten Begrüßungsrede hat der Auftritt von Markus Söder beim Maibockanstich längst nichts mehr zu tun. Am bayerischen Finanzminister ist ein Kabarettist verloren gegangen. Vor seinen derben Sprüchen ist niemand sicher. Im vergangenen Jahr brachte er seinen Kollegen Biere mit. Vom „Eiskalt geklopften Hallodri“ für Horst Seehofer bis zum Schlüpfer-Stürmer für Rainer Brüderle. Auch heuer hatte er wieder Geschenke im Gepäck: Zum 400-jährigen Maibock-Jubiläum verlieh er den Aloisius Award.

Der große Abräumer war – wie könnte es anders sein – sein Chef Horst Seehofer. Der „Super-Darsteller schlechthin“ gewann die Preise für den besten Hauptdarsteller, Nebendarsteller und Nachwuchskünstler für seine Paraderolle im Film Ich – Einfach unverbesserlich. Söder wollte den Ministerpräsidenten gleich noch nach Las Vegas schicken. „Die Stadt der Glücksritter und Spieler. Da würde er sich wohlfühlen.“

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner würdigte Söder mit dem Preis als beste Hauptdarstellerin in gleich zwei Filmen Ein Chef zum Verlieben (vor ihrer Rückkehr nach Bayern) und Desperate Housewife (jetzt). Als beste Nebenstarstellerin zeichnete er Kollegin Christine Haderthauer aus: „Nicht für die ganzen komischen Pferdefilme, die immer gemacht werden, sondern für ihre Rolle in der Staatskanzlei: Der Teufel trägt Prada.“

Fast-OB Dieter Reiter bekam schon vor der Vereidigung den ersten Gag vom fränkischen Hobby-Kabarettisten aufgetischt: „Der hat den Ude den ganzen Tag begleitet. Er wollte sichergehen, dass er wirklich aufhört.“

Das waren die besten Sprüche

Von Django Asül:

- Die CSU hat kein Problem mit Zuwanderung. Es muss ja nicht gleich Armutszuwanderung sein. Reichtumszuwanderer zum Beispiel sind herzlich willkommen!

- Da hat der Obama gesagt: „Freilich überwachen wir dein Handy. Damit es keiner klaut. Anschela, wir sind doch Partner auf Augenhöhe. Da ist es doch eine Frage der Ehre, dass wir auf dein Handy aufpassen. Wenn wir schon wissen, was drauf ist.“

- Jetzt ist Beate Merk Ministerin für Europaangelegenheiten. Oder wie es intern heißt: Ministerin für nix.

- Was will man auch erwarten von Oettinger? Ich meine: Der Mann wurde von seinen Eltern nach einem Billigbier benannt!

- Beim Fall Edathy ist die bayerische Justiz gleich hellhörig geworden. Da hat es geheißen: Schaut euch mal die Bilder an. Nicht dass da was vom Gurlitt dabei ist.

- Wobei den Fall Gurlitt eh keiner so richtig kapiert hat. Ich auch nicht. Wenn mich wer gefragt hat, was Gurlitt ist, hab ich immer geantwortet: Das ist wie Mollath, nur mit Bildern.

- Die SPD wollte in zwei Punkten nicht nachgeben: Sie pochte auf Steuererhöhungen und auf die Gleichstellung von Homosexuellen. Merkel wollte die Gespräche schon final abbrechen. Dann aber kam der Dobrindt und hat gesagt: Machen wir einen Kompromiss: Höhere Steuern für Schwule.

- Man braucht ein Bauernopfer. Wen trifft’s? Den Landwirtschaftsminister.

Von Markus Söder:

- 400 Jahre Maibock: Da gibt’s immer wieder viele neue G’sichter, viele alte und auch welche, die beim ersten Maibock dabei gewesen sein könnten, so sehen sie aus … Herr Ude.

- Der Ministerpräsident würde gern mal eine Maibock-Rede selbst halten. Da kam es zu der Anfrage, ob ich nicht einmal mit ihm tauschen will. Tauschen mit dem MP? Jetzt schon?

- Parteifreunde sagen schon, Ludwig Hartmann sei der neue Söder der Grünen, was Machtanspruch und Ehrlichkeit angeht. Wenn das stimmt: Viel Spaß, Frau Bause!

- Um strukturschwache Räume zu fördern, wird der neue Konzertsaal in Wunsiedel gebaut. Und wir verlagern die Mathematiker der TU München nach Miesbach, weil es dort die kreativsten Rechner gibt. Der Monopteros kommt in meinen Garten. Das ist nämlich ein echt strukturschwacher Raum.

Maibockanstich 2014 im Hofbräuhaus

Bilder: Maibockanstich 2014 im Hofbräuhaus

So kamen Söder und Django an

Derbe Sprüche

Die Rede von Söder war gut. Er hat ein paar derbe Sprüche gebracht, aber die dürfen dabei sein. Falls es mit dem Posten des Ministerpräsidenten nichts wird, sollte Söder Kabarettist werden. Ich sehe ihn als fränkischen Django Asül. Dessen Predigt hat mir ebenfalls gefallen. Sie ging mehr in die Tiefe. Natürlich war mein Dialekt wieder Thema. Der ist ja auch mein Markenzeichen.

Hubert Aiwanger, Parteichef der Freien Wähler

Die Christine verträgt das

Respekt vor Markus Söder! So was muss man können. Ich fand es bissig und humorvoll, auch den Teil über Christine Haderthauer. Ich weiß, die Christine verträgt das! Django Asül war in seiner Rede sehr feinsinnig, man musste oft erst nachdenken – das finde ich gut. Er hat seine Rede sehr gut ausgearbeitet.

Ilse Aigner (CSU), Bayerische Wirtschaftsministerin

Seit Jahren Django-Fan

Zwei hervorragende Reden! Ich bin seit Jahren Fan von Django Asül. Er hat heute die Situation in München sehr treffend beschrieben. Markus Söders Sprüche fand ich im letzten Jahr härter. Heute hat er ein paar feine Witze gebracht. Das traut man ihm gar nicht zu. Normalerweise hat er fünf Keulen im Gepäck.

Josef Schmid, Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat

Söder mit Selbstkritik

Ich kann gar nicht sagen, welche Rede mir besser gefallen hat. Beide waren super. Mein Herz schlägt eigentlich für den Niederbayern Django Asül. Mit dem, was er über mich gesagt hat, kann ich leben. Viel schlimmer wäre es, gar nicht erwähnt zu werden. Markus Söder rechne ich an, dass er auch ordentlich Selbstkritik geübt hat.

Florian Pronold (SPD), Staatssekretär im Bundesumweltministerium 

Gespannt auf nächstes Mal

Söder ist wahrscheinlich fast ein besserer Kabarettist als Finanzminister! Auch Asül war richtig gut, hat die richtige Verteilung zwischen Lob und Schelte gefunden. Ich bin schon aufs nächste Mal gespannt, wenn er sich auf mein erstes Jahr bezieht.

Dieter Reiter (SPD), Neu-OB

Sehr witzig

Markus Söder und Django Asül haben beide hochamüsante und gescheite Reden gehalten. Diese Art von Humor spricht mich sehr an. Das kabarettistische Talent unseres Finanzministers überrascht mich nicht mehr. Ich kenne ihn ja aus dem Kabinett. Dass ich nicht erwähnt wurde, macht mir nichts aus. Im Gegenteil: Ich bin sehr zufrieden damit.

Marcel Huber (CSU), Bayerischer Umweltminister

So gefällt mir der Minister

Als Kabarettist kommt mir Markus Söder viel sympathischer vor als im Landtag. Dass er mir einen Preis für die beste Maske und Frisur verliehen hat, fasse ich als Kompliment auf. Django Asül hat es etwas schwerer, weil Söder vorher die Pointen abräumt. Ich fand ihn trotzdem super. Er hat keinen geschont, war gschert, aber nicht gemein.

Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Nach Rückzug von Michael Käfer: Nächste Überraschung im P1
Nach Rückzug von Michael Käfer: Nächste Überraschung im P1
Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei
Mehr Luft, mehr Platz: So wird die neue Ochsenbraterei
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt
Mann droht mit Bomben: Großeinsatz in München und Ingolstadt

Kommentare