tz-Interview mit Manfred Zapatka

"Einer Frau verfallen – das soll’s ja geben …"

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Manfred Zapatka.

München - Manfred Zapatka spielt ab Freitag im Residenztheater den Titelhelden in Shakespeares Antonius und Cleopatra. Im tz-Interview spricht er über seine Rolle.

Im TV kennt man ihn unter anderem aus Tatort-Folgen oder dem Großen Bellheim. Theatergänger wiederum haben Manfred Zapatka (72) aus der Dorn-Ära an den Kammerspielen in Erinnerung und freuen sich seit einigen Jahren, ihn öfter auf der Resi-Bühne zu sehen. Ab Freitag spielt Zapatka den Titelhelden in Shakespeares Antonius und Cleopatra.

Was haben die alten Römer mit uns zu tun?

Manfred Zapatka: Als wir zu proben anfingen, sagte Regisseur Thomas Dannemann: „So viele Männer in dem Stück, das ist eine Menge Testosteron.“ Klar, denn es ist ein Stück über den Krieg, den Bürgerkrieg. Das könnte auch im Kosovo, in Syrien oder was weiß ich wo spielen. Da wird geschlachtet, da werden Köpfe abgehauen, da fließt Blut, Blut, Blut. Und plötzlich merkt man ganz erschrocken: Hoppla, das gibt’s doch heute alles immer noch.

Kann der Mensch also nicht aus Fehlern lernen? 

Zapatka: Das ist ja das Absurde: die Gewalttätigkeit bleibt die gleiche wie vor Jahrtausenden, aber andererseits gibt es einen unglaublichen technischen Fortschritt. Auf jedem Handy hat man heute drahtlos die ganze Welt übers Internet verfügbar. Das wirkt manchmal fast wie Magie, weil wir es nicht verstehen. Ich misstraue ja dieser Elektronik, ich lasse mir alles, was wichtig ist, sofort von meiner Frau ausdrucken, das kommt mir sicherer vor.

Wie ist Antonius?

Zapatka: Ein Feldherr, der Kriege geführt hat und so nach oben kam. Aber obwohl er ganz oben ist, möchte er woanders sein. Er hat Macht, aber er weiß, er hätte viel weiter kommen können und ist in dem ägyptischen Schlamm, so kann man das nennen, irgendwie hängengeblieben. Denn er ist halt dieser Frau verfallen. Das soll’s ja geben.

Liebe und Machtstreben sind also unvereinbar? 

Zapatka: Wie sagt Antonius mal: „Im Osten sind die Betten weicher“ oder so ähnlich. Er ist bei Cleopatra häuslich geworden, im orientalischen Luxus, er schmeißt die Boten raus, die ihn warnen, und sagt, Rom kann mich mal. Während um ihn herum alles zusammenbricht. Er hat diesen 18-jährigen Octavian als Gegner unterschätzt, den späteren Kaiser Augustus. Das ist überhaupt der größte Verbrecher von allen, ein Intrigant und Betrüger, eine wirkliche Ratte. Aber ungeheuer ehrgeizig, so hat er es geschafft, dass ihn die Nachwelt bis heute verklärt.

Interview: Alexander Altmann

„Antonius und Cleopatra“, Residenztheater, Tel. 21 85 - 19 40.

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