Gruppe schlägt Alarm

„Frauenversteher“ sorgt für Sturm der Entrüstung - Wirbel um pikante Flirt-Studie in Münchner Clubs

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Flirt-Trainer Matthias Pöhm wird vor seinem Seminar in München heftig kritisiert.

Aufregung in München: Feministinnen machen gegen Pick-Up-Artist Matthias Pöhm mobil. Ihr Vorwurf: Das Seminar lehrt nicht flirten, sondern propagiert Gewalt gegen Frauen. 

  • Pick-Up-Artist Matthias Pöhm hält in München im Februar 2020 ein Flirt-Seminar „Männlich wirken - natürlich flirten“ ab.
  • Dabei sollen Teilnehmer erfolgreiches Flirten und Verführen erlernen. 
  • Die Münchner Frauenrechtsgruppierung „De Gfotzerten“ sieht in den Seminaren Anleitungen zur Nötigung und Unterdrückung von Frauen.

München - Große Aufregung in München um ein Flirt-Seminar, das der Pick-Up-Artist Matthias Pöhm Anfang 2020 halten will. Unter dem Motto „Männlich wirken - natürlich flirten“ sollen Männer, deren Erfolge beim Flirten sich eher in Grenzen halten, Methoden lernen, wie Mann unter Garantie bei jeder Frau erfolgreich landet. 

Gegenwind kommt von der feministischen Gruppe „De Gfotzerten“. Sie sehen keineswegs ein spaßiges Flirt-Training in dem Angebot des Schweizers, der auch als Rhetoriktrainer arbeitet. Vielmehr werfen die Kämpferinnen für Frauenrechte ihm wie seinen Gesinnungsgenossen vor, Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen zu propagieren.

München: “Frauenversteher“ analysierte Clubs und Bars - Kriterien wie „Hottie“- oder „Zickenfaktor“

Für seine Flirtseminare in München hatte Pöhm von vier jungen Männer aus der Münchner „Pick-Up-Szene“ zwanzig Münchner Clubs auf ihren Flirtfaktor hin bewerten lassen. Dabei wurden die Lokalitäten nach vielsagenden Kriterien beurteilt. 

Neben dem Frauenanteil unter den Gästen wurde etwa ein „Hottie-Faktor“ bewertet, der Anteil an möglichst attraktiven Frauen. Ebenso dann als Negativ-Punkt der „Zicken-Faktor“. Auch die Frage, ob Männerüberschuss herrschte, wurde berücksichtigt.  

Auch die „Zugänglichkeit“ der weiblichen Gäste und die Rückzugsmöglichkeiten in einem Club fassten die Szenegänger ins Auge. Selbst eine Grafik erstellten die Szenegänger, die jeweils die „geheimen Rückzugs-Pläne“ eines Lokals rot markiert zeigt, wo sich die Partnerin der Wahl „isolieren und knutschen“ lässt. Schließlich erhielt jede Lokalität noch eine Bewertung des „Aufreiß-Faktors“. 

„Da liegen neun Schnitzel am Buffet, aber 20 Leute wollen Essen“

Detailliert wird auf Pöhms Internetplattform jeder einzelne Club besprochen.  So wird etwa der Männerüberschuss eines Clubs wie folgt kommentiert: „Da liegen neun Schnitzel [Frauen] am Buffet, aber 20 Leute [Männer] wollen Essen.“ Ebenda seien „durchschnittlich 11,3“ „Hotties“ zu finden. Diese Sichtweise und Formulierung ruft jetzt heftigen Unwillen hervor. 

Ein unglücklicher Zufall verhinderte ihr Date: Nach einer Tinder-Panne suchte eine Frau in München nach dem 36-jährigen Carlo.

Video: Experten warnen vor neuem Flirt-Trend "Fishing" im Internet

München: „De Gfotzerten“ protestieren gegen Pick-up-Artist

Die Münchner Frauenrechtsgruppe „De Gfotzerten“ macht jetzt gegen die Münchner Pick-Up-Szene mobil. Und speziell gegen Pöhms Seminare, die das „Rüstzeug“ liefern. Die Feministinnen wollen ihre Darstellung dieser Form von Umgang mit Frauen ins öffentliche Bewusstsein tragen. 

In den Schulungen würden „frauenverachtende und niederträchtige Methoden“ vermittelt, kritisiert die Organisation in einem Statement auf ihrer Facebook-Seite. Diese dienten nur dazu, Frauen durch perfide Manipulation zu unterwerfen und gefügig zu machen: „Geübt wird auf den Straßen Münchens, an Bahnhöfen, in Einkaufszentren, in Clubs und Bars.“

Kritik vor Seminar in München: Pick-Up-Artists degradieren Frau zur „austauschbaren Ware“

„Die Frau wird zur austauschbaren Ware“, kritisieren die Frauenrechtlerinnen die Flirtmethoden, die Pöhm und seine Gesinnungsgenossen in den Seminaren lehren. Es seien konkrete Anleitungen zur Nötigung: „Nein heißt nein“ würde hier nicht gelten. 

Das „Schnitzel“ als Synonym für die anvisierte Partnerin zeige deutlich genug das Frauenbild, das in dieser Szene auch in München herrscht. Eine frauenverachtende Haltung werde zwar abgestritten. Dennoch gehe es bei allen Methoden darum, den Willen der Frau zu brechen.

Frauenversteher wehrt sich gegen Vorwürfe: „Zeige, wie man es gut macht“

Entschieden verwahrt sich indes Flirttrainer Pöhm gegen die Anschuldigungen. „Ich schule Kommunikation. Und Flirten ist Kommunikation.“ Den Vorwurf, in den Seminaren würde die Unterdrückung von Frauen propagiert, verneint er entschieden. Flirten sei eine Kommunikationssituation wie jede andere auch. „Sogar die schönste von allen“, sagt Pöhm. „Frauen mögen nicht die Männer nicht, die gut flirten, sondern die, die schlecht flirten. Ich zeige, wie man es gut macht.“ Es gehe darum, das Selbstwertgefühl von Männern zu steigern. 

Die Aussage, Frauen seien in den Kursen unerwünscht, sei schlicht falsch: „Wenn Frauen den Seminarpreis zahlen, sind sie sogar sehr erwünscht. Aber es ist ein Seminar, das für Männer angeboten wird, wie etwa ein Schwangerschaftsseminar nur für Frauen ist.“

München: Pick-up-Artist erklärt Schnitzel-Vergleich - „Glauben Sie, Frauen reden anders?“

Schließlich der „Schnitzel“-Vergleich. Das sei einfach eine Metapher für den Männerüberschuss gewesen. Im umgekehrten Fall würde der nach Pöhms Ansicht genauso ausfallen: „Wenn Frauen in eine Bar gehen, um jemanden kennenzulernen, glauben Sie denn, die reden anders?“ 

Es gebe schließlich auch Flirt-Seminare für Frauen. „Was die die Frauen dort lernen, ist aber wahrscheinlich nicht ‚männerverachtend‘ und keine ‚Manipulation‘. Da werden einfach andere Etiketten angeklebt und man glaubt, dadurch eine Wahrheit erschaffen zu haben“, moniert der Flirtexperte. 

stg

Gute Nachrichten für Münchner Singles: Eine Studie hat ergeben, dass die Flirtchancen auf einem Christkindlmarkt in der Landeshauptstadt besonders hoch sind.

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