In Schwabing

Juden in München beleidigt: Frau stellt sich – Gibt es jetzt eine Wende?

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An dieser Schwabinger Kreuzung wurde eine Rabbiner-Familie beleidigt und bespuckt. 

Fahndungserfolg im Fall der antisemitischen Angriffe auf eine Münchner Rabbiner-Familie: Eine erste Tatverdächtige hat die Beleidigungen zugegeben, bestreit aber sich antisemitisch geäußert zu haben. 

Update 8. August um 22.12 Uhr: Erster Erfolg bei den Ermittlungen nach den antisemitischen Beleidigungen in Schwabing: Eine 40-Jährige hat jetzt gegenüber der Polizei die Vorwürfe eingeräumt, sie habe aber sowohl antisemitische Beleidigungen als auch das Bespucken des 19-jährigen Sohns des Rabbiners bestritten. Bei der Frau handelt es sich um eine in Marokko geborene Krankenschwester, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.  

Die Frau hatte nach den Medienberichten über die Angriffe auf eine jüdische Familie von sich aus die Polizei aufgesucht. Von dem Mann, der ebenfalls die Worte „Scheiss Juden“ in den Mund genommen haben soll, fehlt jedoch weiter jede Spur. Zeugen werden weiterhin gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. 

Update 7. August um 12.20 Uhr: Schon wieder gibt es einen Vorfall im Zusammenhang mit Mitbürgern jüdischen Glaubens. Am Montagabend kamen ein 22-Jähriger und ein 47-Jähriger laut Polizei vom Abendgebet aus einer Synagoge zurück in ihr Wohnhaus in der Isarvorstadt. Im Treppenhaus bemerkten sie dann, dass mit Kugelschreiber ein Davidstern an die Wand gemalt worden war. Die Polizei entfernte das Graffiti. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung.  

Die Polizei sucht Zeugen:  Wer hat gegen 20.20 Uhr am Montag im Bereich der Herzog-Heinrich-Straße / Kapuzinerstraße und Lindwurmstraße etwas beobachtet? Hinweise an Telefon 089/2910-0.

Rabbiner-Familie in München schwer gedemütigt – neue Details und weiterer Vorfall schockieren

Update 6. August um 17.32 Uhr: Sie wurden gedemütigt und beleidigt auf offener Straße, nur wegen ihrer Religion. Am Samstag hat sich ein antisemitischer Vorfall mitten in München ereignet: Ein Rabbiner und seine zwei Söhne wurden beleidigt und bespuckt. Ist der Judenhass wieder zurück in München? Der Fall sorgt für Empörung.

Schwabing: Rabbiner-Familie aufs Übelste erniedrigt

Der in Schwabing wohnhafte, 53-jährige Rabbiner war gerade mit seinen 19-jährigen Zwillingen nach einem Synagogenbesuch in der Hohenzollernstraße unterwegs. Der Vater hat einen langen Bart, alle drei tragen eine Kippa. An der Ecke Wilhelmstraße schreit ein unbekannter Mann von der anderen Straßenseite herüber: „Scheiß Juden“. Eine Autofahrerin fühlt sich offenbar animiert und brüllt einem der Söhne ebenfalls zu: „Scheiß Jude!“. Als der junge Mann sie darauf anspricht, spuckt ihm die Frau durchs Beifahrerfenster ins Gesicht und flüchtet. Die Polizei ermittelt gegen beide Tatverdächtigen wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

„Das war sehr schlimm für den Sohn“, erzählt Marian Offman, SPD-Stadtrat und Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde unserer Zeitung. „Das hat ihn völlig fertig gemacht“. Die Familie sei verängstigt und wolle sich deshalb nicht äußern. Offman sagt: „Dieser Fall macht mich traurig. Das ist der erste Fall dieser Art in München seit Jahren.“

Mitglied der jüdischen Gemeinde entdeckt Schmierereien im Treppenhaus

Erst Ende Juli ist ein Rabbiner in Berlin beschimpft und bespuckt worden. Im Juni gab es einen ähnlichen Fall in Hamburg, einen Monat zuvor in Köln. Die Münchner Polizei kannte bislang keinen vergleichbaren Fall. Nach den Worten von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, erreichen antijüdische Übergriffe „quantitativ und qualitativ eine neue Dimension“. In den vergangenen Tagen sei in München ein weiterer Vorfall passiert: Ein anderes Mitglied der Kultusgemeinde habe am Montag im Treppenhaus seines Wohnhauses eine Davidstern-Schmiererei vorgefunden.

Als einen „Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft“ bewertet den Fall der Beauftragte der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle (CSU).

Nimmt der Judenhass in München zu? 

Von 2017 auf 2018 hat sich die Zahl antisemitischer Übergriffe laut Polizei in der Landeshauptstadt von 51 auf 86 erhöht.

Auch der Jude Terry Swartzberg, Journalist und Initiator der Münchner Stolpersteine, bedauert den Vorfall. „Die Familie hat mein Mitgefühl“, sagt er unserer Zeitung. Gleichzeitig hält er nichts von Panikmache: „Ich denke, dass wir als Juden in Deutschland sicher leben.“

Nina Bautz / Stefanie Wegele

Unsere Erstmeldung vom 06.08.2019:

Rabbiner-Familie in München beschimpft und bespuckt - Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung

München - Erst in der vergangenen Woche sorgte der Angriff auf den Rabbiner Yehuda Teichtal in Berlin für Aufsehen. Nun wurde bekannt, dass es am Wochenende einen ähnlichen Fall in München gegeben habe: Drei Angehörige des jüdischen Glaubens sind in der bayerischen Landeshauptstadt bespuckt und beschimpft worden.

Zuerst hatte das ARD-Magazin „Report München“ berichtet. Die Münchner Polizei bestätigte den Angriff am Dienstag. Demnach wurden insgesamt drei Angehörige des jüdischen Glaubens, ein 53-Jähriger, sowie zwei 19-Jährige, angegriffen. Sie waren durch ihr äußeres Erscheinungsbild als Juden zu erkennen und hatten zuvor eine Synagoge besucht. Auf dem Bürgersteig im Bereich der Hohenzollernstraße / Wilhelmstraße seien sie zunächst von einem Mann von der gegenüberliegenden Straßenseite wegen ihres Glaubens beschimpft worden. 

Vorbeifahrende Frau beleidigt und bespuckt 19-Jährigen 

Eine vorbeifahrende Frau, die diese Beleidigung beobachtet hatte, beleidigte einen der beiden 19-Jährigen daraufhin ebenfalls wegen seines Glaubens aus ihrem Fahrzeug heraus. Als der Junge sich an die Beifahrerseite des Autos beugte, um die Frau auf die Beleidigung anzusprechen, wiederholte diese ihre Aussagen und spuckte ihm ins Gesicht. 

Beide Tatverdächtigen entfernten sich danach unerkannt. Die Polizei München wird nun gegen beide wegen Volksverhetzung und Beleidigung ermitteln. Um die Personen ausfindig zu machen, wurde zudem ein Zeugenaufruf herausgegeben.

  • Täter 1: Männlich, ca. 165 cm groß, ca. 45 Jahre alt, kräftige Figur, sprach Hochdeutsch.
  • Täter 2: Weiblich, ca. 35 Jahre alt, schlanke Figur, orientalischer Typ, schulterlange Haare.

Personen, die Hinweise liefern können, werden gebeten sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 45, Tel. 089/2910-0, oder mit jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

München: Rabbiner-Familie in Schwabing bespuckt und beschimpft - Knobloch wirkt nicht überrascht

Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, nannte den Angriff gegenüber dem ARD-Magazin „symptomatisch für die schwierige Situation vieler jüdischer Menschen in der heutigen Zeit“. 

Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) zeigte sich entsetzt über den Vorfall und bezeichnete ihn als „Angriff auf die ganze Münchner Stadtgesellschaft“. Er forderte die Bürger auf, bei auffälligem Handeln gegenüber Jüdinnen und Juden genau hinzuschauen und konsequent zu handeln: „Wir müssen deutlich machen, dass wir das Angehen von Jüdinnen und Juden bei uns nicht dulden.“ Im Bedarfsfall seien sofort die Polizei und die Sicherheitsbehörden zu verständigen. Bayern werde Übergriffe auf Menschen jüdischen Glaubens nicht dulden.

Knapp eine Woche zuvor war in Berlin der Rabbiner Yehuda Teichtal angegriffen worden. Auch er war beschimpft und bespuckt worden. Bundespräsident Walter Steinmeier hatte den Rabbiner danach besucht und die Tat öffentlich verurteilt. In der Allianz Arena wurde am Freitag ein Mann verhaftet. Dort spielte an dem Abend der FC Bayern gegen Berlin. Der Mann beschimpfte vorher einen Juden antisemitisch.

Ein Polizeibeamter in Köln soll eine antisemitische Botschaft via Whatsapp verbreitet haben - und könnte deshalb seinen Job verlieren. Ein Disziplinarverfahren ist auf dem Weg.

rjs/dpa

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