Klare Ansage im Westend

Unbekannte verschandeln Wand mit Hass-Botschaft - kurz darauf hängt dort eine bemerkenswerte Antwort

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Mit dieser Schmähschrift sah sich ein Pfarrer im Westend konfrontiert.

Mit einem Aushang sucht ein Pfarrer aus München nach einem unbekannten Sprayer. Der hatte zuvor die Kirche „verschönert“.

  • Ein Sprayer hat sich mit einer Schmähschrift an einer Kirchenmauer im Westend verewigt.
  • Der Pfarrer der betroffenen Gemeinde will nun mit dem Unbekannten in Kontakt treten.
  • Neben der Hass-Botschaft hat der Seelsorger eine „Kontaktanzeige“ angebracht.

München - „Auch die Sprayer sollen Gottes Segen bekommen“, sagt Bernd Berger. Seit März 2019 ist der gebürtige Lübecker Pfarrer der Auferstehungskirche im Westend. Und dieser Tage hätte er allen Grund, sauer auf Sprayer zu sein.

Ein unbekannter „Künstler“ hat sich direkt neben dem Schaukasten der evangelisch-lutherischen Gemeinde ausgetobt. Mit Sprühfarbe hat er eine unmissverständliche Botschaft auf dem roten Backstein hinterlassen: “Fuck the church“.

München: Pfarrer sieht Hass-Botschaft an seiner Kirche - und reagiert bemerkenswert

Berger war am vergangenen Mittwoch (22. Januar 2020) auf das Graffito aufmerksam geworden. „Ich wollte das nicht unkommentiert lassen“, erklärt der Pfarrer. Kurzerhand befestigte er an der Kirchenwand eine eigene Botschaft. “Why? Talk with me“ (zu deutsch: „Warum? Rede mit mir“), fordert Berger den unbekannten Sprayer auf. Dazu hinterließ der Seelsorger seinen Namen und seine Handynummer.

Die Reaktion des Pfarrers ließ nicht lange auf sich warten.

„Mir war wichtig, in meiner Antwort nicht griesgrämig zu erscheinen“, erklärt Berger sein Angebot zum Dialog. „Ich würde gerne mit ihm über Gott und die Welt sprechen. War der Spruch einfach nur hingerotzt oder hat er etwas, was ihn bedrückt“, sinniert der Pfarrer über den unbekannten Urheber. Der hat sich bislang noch nicht gemeldet. „Dafür müsste er ja auch zu seinem Vergehen stehen“, schmunzelt Berger.

Pfarrer aus München will sich mit Sprayer austauschen

Bernd Berger, Pfarrer der Auferstehungskirche im Westend.

Berger sieht die Schmähschrift an seiner Kirche in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. „Was hier passiert ist, ist ja völlig harmlos im Vergleich zu dem, was regelmäßig im Netz passiert“, stellt Berger klar. Anonyme Anfeindungen gegen Politiker und andere Funktionsträger treiben den Seelsorger seit einiger Zeit um. 

Exemplarisch nennt er den Fall Renate Künast. Die Grünen-Politikerin war in sozialen Netzwerken von mehreren Nutzern übel beleidigt worden. Ihrer folgenden Klage gab das Landgericht Berlin nur in Teilen statt - für Berger ein Unding: „Dass es möglich ist, so etwas anonym zu verbreiten, ist wirklich eine Schande.“

lks

Angie ist ihrem Herzen gefolgt. Gemeinsam mit Ehemann Paulo betreibt die gebürtige Münchnerin auf Sansibar eine Ferienanlage - kein leichter Job.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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