„Menschenverachtend“

Münchner filmt Chaos-Szenen in der Ausländerbehörde: Thema landet bei OB Reiter

Im KVR München kam es zu unwirklichen Szenen: Etwa 250 ausländische Studenten standen an der Ausländerbehörde Schlange -  jetzt erreicht das Thema eine neue Dimension.

  • Im Münchner Kreisverwaltungsreferat kam es am Dienstag (3. März) zu unwirklichen Szenen.
  • Ein Münchner filmte hunderte Studenten, die ihre Aufenthaltserlaubnis verlängern wollten.
  • Seit Monaten soll eine Terminvereinbarung nicht möglich sein - jetzt ist das Thema auch im Rathaus gelandet. 

Update vom 6. März, 14.15 Uhr: Die chaotischen Zustände im Münchner Kreisverwaltungsreferat hat nun auch die Stadt München erreicht. Wie aus einem Antrag der FDP zu entnehmen ist, haben die Liberalen eine Anfrage an den Oberbürgermeister Dieter Reiter geschickt, um sich über die Verhältnisse um die Thematik zu informieren. Grund der Anfrage war der Bericht unserer Zeitung. Wie sich die Thematik weiterentwickelt, lesen Sie bei Neuigkeiten hier.

KVR entschuldigt sich bei Leser

Update vom 4. März, 07.17 Uhr: Wie unser Leser Maximilian E. berichtet, hat sich das KVR (Kreisverwaltungsreferat) bei ihm und seiner Freundin für den Vorfall noch am gestrigen Abend entschuldigt. Das Amt bot der Weißrussin einen Termin an. 

Das Kreisverwaltungsreferat hatte sich auf Anfrage unserer Redaktion zunächst nicht geäußert. Im Laufe des Nachmittags (3. März) erklärte sich dann die Pressestelle. Demnach habe es einen großen „Parteiverkehrsdrang“ gegeben. Aufgrund zahlreicher unbesetzter Stellen hätten die Kunden nicht bearbeitet werden können. „Es wurden zeitnah 90 Wartenummern vergeben sowie rund 50 Notfälle mit einem Termin versorgt. Alle weiteren Kundinnen und Kunden wurden auf die Situation hingewiesen und haben von Fall zu Fall noch eine kurze Beratung sowie Merkblätter erhalten.“

München: Chaotische Szenen im Kreisverwaltungsreferat

Erstmeldung vom 3. März 2020

München - Am Dienstagmorgen (3. März) kam es im Kreisverwaltungsreferat an der Ruppertstraße in Nähe der U-Bahn Poccistraße in München zu chaotischen Szenen. Ein Leser informierte unsere Redaktion über die zugetragenen Ereignisse, die ihn sehr schockiert hatten. Wie in dem eingeschickten Video zu sehen ist, hatte sich eine Schlange von bis zu 250 Menschen gebildet - das KVR reagierte auf den Ansturm mit einer drastischen Maßnahme, die auf großes Unverständnis stieß.

München: Chaotische Szenen im KVR - 250 Personen stehen Schlange - und werden weggeschickt

Wie tz.de-Leser Maximilian E. unserer Zeitung berichtet, spielten sich die chaotischen Szenen auf der Ausländerbehörde im Kreisverwaltungsreferat in München ab. Demnach ging er heute mit seiner Freundin in das Amt, um ihren Aufenthaltstitel in Deutschland zu verlängern. Nach mehrmaligen gescheiterten Versuchen, online oder telefonisch einen Termin zu bekommen (wie es das Amt auf -seiner- Website fordert) entschied sich das Paar deshalb auf eigene Faust in das KVR zu gehen, um auf diesem Weg den Aufenthaltstitel für die junge Frau aus Weißrussland zu verlängern. Auch Anfragen per Mail oder Telefon hatten bis dahin nicht zum Erfolg geführt. Demnach geht es im Moment vielen Studenten in München ähnlich. Etwa 250 Personen hatten sich aus demselben Grund in einer riesigen Schlange im Amt versammelt. Sie alle brauchen eine Verlängerung ihres Aufenthaltstitels, um in München bleiben zu können und kamen am Dienstagmorgen zusammen, da nur dann und am Donnerstag die Behörde geöffnet hat.

Ausländerbehörde in München: Chaotische Szenen in der Poccistraße

Wie Maximilian E. weiter berichtet, geht es für die wartenden Studenten um Existenzen. Viele seien mittlerweile illegal in Deutschland, da Termine einfach nicht zustande kommen könnten und Aufenthalte abgelaufen sein. „Als wir im KVR die Mitarbeiter auf die dramatischen Schicksale angesprochen haben, reagierten sie mit Desinteresse und Gleichgültigkeit“, schildert E. die Szenen. Im Bürgerbüro, in dem der Münchner angerufen hatte, um die fatale Situation zu schildern, reagierte man mit Entsetzen auf die Problematik. „Die sind völlig überfordert“, so eine Mitarbeiterin gegenüber E. Am Info-Point, der schließlich geschlossen wurde, wurde nochmals auf die Termin-Vereinbarung hingewiesen, die lediglich online oder telefonisch möglich sei. Für E. ein Ding der Unmöglichkeit - hatte man doch monatelang nichts Anderes versucht.

Chaotische Szenen in München: Massen stehen im KVR Schlange

Die Szenen, die sich dann vor Ort abspielen, zeigen ein fast unwirkliches Bild, wie unser Leser berichtet: „Wir konnten unseren Augen kaum trauen, am Info-Point hatte sich eine Schlange von über 250 Studenten gebildet, die alle seit Wochen/Monaten einen Termin benötigen.“ Demnach warteten die beteiligten Studenten eine Zeit lang in der Schlange, bis das KVR schließlich mit einem drastischen Schritt vorging, wie unser Leser beschreibt: „Was dann nach einer Stunde geschah, ist menschenverachtend.“ 

250 Studenten im KVR: Unwirkliche Szenen am Dienstagvormittag in München

Wie unser Leser weiter berichtet, schloss das KVR um 9.30 Uhr den Info-Point und schickte alle wartenden Personen nach Hause. Demnach mussten alle Personen das Amt verlassen. Da die Situation in der Ausländerbehörde nach Informationen des Lesers derart katastrophal sind, lassen sich bis einschließlich kommenden Juli keine Termine für die Verlängerung des Aufenthaltstitels vereinbaren. 

Ausländische Studenten in München stehen im KVR an: Chaotische Szenen

„Es geht um Menschen, die eine Tätigkeit hier haben, teilweise kurz vor dem Abschluss stehen und jetzt wegen einer überforderten Behörde vor dem nichts stehen“, moniert unser Leser die Situation. Für Maximilian E., der sich selbst als „Ur-Münchner“ bezeichnet, ist die Situation unerträglich. Er kann nicht verstehen, dass eine Stadt wie München auf diese Art und Weise mit den Schicksalen junger Menschen umgehe. 

Auf Nachfrage unserer Redaktion gab es noch keine Reaktion vom KVR. 

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In München ist es in einer U-Bahn der Linie 6 an der Haltestelle Dietlindenstraße zu einer Messerattacke gekommen*. Ein Großaufgebot der Polizei war vor Ort.

Wenige Tage nach einem tragischen Vorfall am Pasinger Bahnhof ist ein obdachloser Mann seinen schweren Verletzungen erlegen*.

Das Coronavirus beherrscht seit Wochen die Schlagzeilen - auch in München. „Der Verrückte Eismacher“ hat jetzt mit viel Ironie reagiert - mit einer irren Idee.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © fkn

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