Kopfschütteln und Spott

„Völliger Realitätsverlust“: SPD und Grüne wollen Ampeln in München auf „weibliche Bedürfnisse“ anpassen

Eine Frau sitzt am Steuer eines Autos und gestikuliert wütend.
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SPD und Grüne wollen, dass der Verkehr in München an „weibliche Bedürfnisse“ angepasst wird.

Mit einem Antrag im Stadtrat fordern SPD und Grüne eine „gendergerechte Stadtplanung“. Selbst bei Parteikollegen sorgt das für Kopfschütteln und Ablehnung.

Das Thema Gender-Gerechtigkeit erhitzt nicht erst seitdem der Online-Duden geschlechtsneutral werden soll* die Gemüter. Die einen sprechen von „Gender-Wahn*“ oder „Gender-Gaga*“, den anderen gehen die Bemühungen im Kampf um Gleichberechtigung von Mann und Frau immer noch nicht weit genug. Zu letzteren zählen offenbar auch die Stadtfraktionen der SPD/Volt sowie der Grünen-Rosa Liste in München.

Gemeinsam haben sie sich das Thema Mobilität in der Landeshauptstadt genauer angeschaut und fordern jetzt in einem Antrag im Stadtrat eine „gendergerechte Stadtplanung“, die sich mehr an den „weiblichen Bedürfnissen“ orientiert. In einer Pressemitteilung der SPD wird dies damit begründet, dass sich die Verkehrsplanung „in der Vergangenheit oft an dem Stereotyp Mann im Dienstwagen auf dem Weg zur Arbeit“ orientiert habe. Auf diese Fortbewegungsart seien Straßen, Parkplätze und Ampelphasen angepasst.

München: SPD und Grüne fordern „gendergerechte Stadtplanung“

„Frauen und Männer sind unterschiedlich unterwegs“, wird Julia Schmitt-Thiel von SPD/Volt in der Pressemitteilung zitiert. „Frauen sind viel öfter zu Fuß und mit Kindern unterwegs. Und ältere wie junge Frauen haben andere Sicherheitsbedürfnisse im öffentlichen Raum.“ In diesem Zusammenhang spricht die umweltpolitische Sprecherin der Stadtfraktion die Ampelschaltung an.

Demnach wünscht sich Julia Schmitt-Thiel, dass sich diese an allen Bürgern der Stadt orientiert - auch an jenen, die mit einem Kinderwagen, Laufrad oder Rollator unterwegs seien. „Ich will eine Verkehrswende für alle“, sagt sie. Dem pflichtet auch Sofie Langmeier, Stadträtin von Die Grünen-Rosa Liste, bei und sagt: „Zulange wurde fast ausschließlich für Menschen geplant, die einfach nur von A nach B wollen - und das sind überwiegend Männer!

Dies werde anhand der „typischen Bewegungsmuster“ deutlich. So würden Frauen beispielsweise wegen ihrer Kinder oder weil sie sich in schlecht beleuchteten „dunklen Ecken“ unsicher fühlten, häufiger Umwege machen. „Gender Planning heißt: All diese Bedarfe fließen in unsere Verkehrsplanung mit ein. Wir wollen eine umweltfreundliche und gendergerechte Mobilität, die so divers und vielfältig ist wie die Menschen dieser Stadt.“

Massive Kritik an Antrag von SPD und Grünen: „So zementiert ihr Rollenbilder“

Für die geforderte gendergerechte Verkehrsplanung in München kann sich jedoch offenbar nicht jeder so begeistern wie die Antragsteller aus den Fraktionen SPD/Volt und Grünen-Rosa Liste. So äußerte sich CSU-Stadtrat Hans Theiss auf Facebook äußerst kritisch gegenüber den Antrag: „Ist das Euer Ernst, liebe Grüne und SPD, oder ein verfrühter Aprilscherz? Ich dachte ja, wir hätten gerade andere Probleme, aber Ihr wollt gegenderten Verkehr in München?“

Insbesondere stört sich Hans Theiss an den „vielen überkommenen Stereotypen“, die seiner Meinung nach in dem Antrag zu finden seien: „Auf diese Art und Weise zementiert ihr doch die Rollenbilder, die ihr angeblich bekämpfen wollt.“ Auch CSU-Parteikollege und Auto-Club-Präsident Michael Haberland kommentiert den Antrag über Facebook mit Spott.

Er schreibt: „Tausende, zehntausende von Münchnern bangen um ihre Zukunft und Existenz und das vordringlichste Thema von Grünen und Roten im Münchner Rathaus ist Genderplanning in der Münchner Verkehrswende – das nennt sich dann wohl völliger Realitätsverlust. Völlig gaga!“

Kopfschütteln bei Parteikollegen: OB Reiter unglücklich über Antrag im Stadtrat

Selbst in den eigenen Parteireihen regt sich Widerstand gegen die Forderung auf gendergerechte Stadtplanung in München. So soll nach Informationen der Bild selbst OB Dieter Reiter alles andere als glücklich über den Antrag sein. „Der Grund für den Antrag ist ja gut, aber die Begründung, dass der Mann mit dem Dienstwagen zur Arbeit fährt, ist echt unglücklich“, wird ein Stadtrat von dem Medium zitiert. *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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