Nach der negativen Abstimmung in Graubünden

Olympia-Befürworter sehen sich im Aufwind

München - Die Menschen im Schweizer Kanton Graubünden habe gegen eine Olympia-Bewerbung für 2022 votiert - und die Erfolgschancen einer möglichen Bewerbung Münchens so deutlich erhöht. Die Befürworter sind optimistisch, schlechten Aussichten des Bürgerbegehrens zu Trotz.

Die Bürger im Schweizer Kanton Graubünden haben sich gegen eine Olympia-Bewerbung für 2022 ausgesprochen München (dpa) - Nach dem Aus für die Schweizer Konkurrenz bekommen die Münchner Olympia-Hoffnungen einen neuen Schub. Stadtsprecher Stefan Hauf sprach von einem „kräftigen Rückenwind“ für eine mögliche Kandidatur der bayerischen Landeshauptstadt um die Winterspiele 2022. Arno Hartung, stellvertretender Geschäftsführer der Olympiapark GmbH, sieht eine „zusätzliche Motivation, eine Bewerbung aktiv anzugehen“. Bei regelmäßigen Treffen in München wird das ambitionierte Vorhaben der Isar-Metropole bereits seit Monaten sanft vorangetrieben.

Zwei Konkurrenten sind aus dem Rennen

Die Olympia-Pläne des Schweizer Kantons Graubünden, der als harter Rivale Münchens hätte auftreten können, waren bei einem Bürgerbegehren am Sonntag von einer Mehrheit der Wähler abgelehnt worden. Dadurch habe sich die Konkurrenzsituation „erheblich entspannt“, gestand selbst der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper. Am Vorgehen des DOSB wird sich jedoch nichts ändern. Die Spitzenfunktionäre wollen die Bundestagswahl, Landtagswahl und Vergabe der Sommerspiele 2022 am 7. September in Buenos Aires abzuwarten, bevor eine endgültige Entscheidung über eine erneute Kandidatur getroffen wird.

„Wenn wir uns jetzt bewerben, gehe ich zu 95 Prozent davon aus, dass wir die Winterspiele auch bekommen“, sagte der Münchner Stadtrat Mario Schmidbauer (CSU), der sich mit seiner Bürgerinitiative für einen erneuten Versuch stark macht, „mit Annecy und Graubünden wollen sich unsere schärfsten Konkurrenten nicht bewerben“. Zudem wisse das Internationale Olympische Komitee (IOC) aus der knapp gescheiterten Kandidatur für 2018 um Münchens Stärken.

In erster Linie seien nun die Stadt, der Freistaat und der DOSB gefragt, sagte Hartung. „Wir haben immer gesagt, dass sich München erneut bewerben sollte“, betonte er. Schmidbauer forderte allen voran Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und DOSB-Präsident Thomas Bach zu klaren Bekenntnissen auf: „Wenn jetzt die Verantwortlichen, Herr Ude und Herr Bach, nicht einlenken, um eine Bewerbung auf den Weg zu bringen, hängt das nur am politischen Kalkül der beiden Personen.“

Bürgerbegehren droht das Scheitern

Mit einem eigenen Bürgerbegehren wollte die Initiative um Schmidbauer selbst den Druck auf die Politik erhöhen. Doch sein Projekt droht zu scheitern. Selbst knapp sieben Wochen nach Ablauf der selbst gesetzten Frist haben Schmidbauer & Co. nur etwa ein Drittel der benötigten Stimmen gesammelt. 12 000 Unterschriften sind bisher eingegangen - viel zu wenig, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Dafür wären Stimmen von mindestens drei Prozent der Gemeindebürger nötig - also rund 30 000.

Schmidbauer räumte ein, sich ein besseres Zwischenergebnis gewünscht zu haben. Olympia-Müdigkeit machte er bei den Münchnern aber nicht aus. „Überall, wo wir tätig waren, haben wir eine positive Resonanz bekommen. Aber wir sind finanziell zu mager ausgestattet. Wir bräuchten mehr Personal, um Infostände aufstellen zu können und noch mehr Stimmen zu sammeln.“ Zudem hätten Unternehmen ihre Zusagen, die Initiative mit Geldern zu unterstützen, wieder zurückgezogen.

Noch hat sich keine Stadt beworben

Für 2022 gibt es bislang noch keine offiziellen Bewerber. Krakau in Polen, Barcelona in Spanien, Lwiw in der Ukraine und Oslo in Norwegen haben neben München mehr oder minder deutlich ihr Interesse an der Gastgeberrolle signalisiert. Die bayerische Landeshauptstadt war zuletzt mit ihrer Kandidatur für die Winterspiele 2018 knapp gescheitert.

Einfluss auf die Entscheidung dürfte auch ein Bürgerentscheid haben, den Oberbürgermeister Ude via einfaches Ratsbegehren für den 10. November plant - kurz vor der Abgabe einer Absichtserklärung und ersten Gebühr. „Dabei wird es bleiben. Gerade Graubünden zeigt, dass man sich Zustimmung erarbeiten muss“, sagte Hauf. Schmidbauer kritisierte den Termin als „viel zu spät“. „Ich kann nicht eine Entscheidung herbeiführen, wenn ich vier Tage später schon die Bewerbung abgegeben muss“, meinte Schmidbauer. Auch deshalb will er weitermachen und für das eigene Bürgerbegehren um Stimmen werben - der schlechten Erfolgsaussichten zum Trotz.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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