Gault Millau

Münchner ist „Koch des Jahres“ - sein Schwabinger Lokal sieht von außen recht unscheinbar aus

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Mit eisernem Willen hat er sich an die Spitze gekocht: Der „Gault Millau“ hat Tohru Nakamura vom Werneckhof in München zum „Koch des Jahres“ ernannt.

Es ist wie ein Ritterschlag: Der Gault Millau hat Tohru Nakamura vom Werneckhof in München zum „Koch des Jahres“ ernannt. Lob gab es auch für junge bayerische Talente und den Koch Christian Jürgens aus Rottach-Egern.

München – Von außen sieht der Werneckhof in München-Schwabing wie eine bodenständige altbayerische Wirtschaft aus: Doch wer durch die schwere Holztüre tritt, befindet sich in einem der besten Lokale Deutschlands: Am Herd steht seit 2013 Tohru Nakamura. In seiner neuesten Ausgabe hat ihn der Gourmetführer „Gault Millau“ wegen seiner „hohen kulinarischen Intelligenz“ zum „Koch des Jahres“ gekürt. Seine Küche öffne ein „Tor zu einer neuen kulinarischen Welt“, heißt es in der Begründung. „Seine Gäste erleben, wie er japanische Küche zu etwas ganz Neuem webt.“

Werneckhof in Schwabing: Nakamura schöpft „kulinarisch aus dem Vollen“

Als Kind einer deutschen Mutter und eines japanischen Vaters, die beide leidenschaftliche Hobbyköche sind, ist der 36-Jährige in beiden Welten zu Hause – „ich habe kulinarisch aus dem Vollen schöpfen können, schon von klein auf“. Seine Küche ist ein kulinarisches Abbild seines Elternhauses, die ihn einst aber lieber im diplomatischen Dienst gesehen hätten. Doch Tohru Nakamura setzte seinen Willen durch und wurde Koch. Japanische Einflüsse finden sich auf fast jedem seiner Teller wieder, beispielsweise wenn er eine klassisch auf der Haut gebratene Dorade Royal auf feinsten Koshihikari-Reis bettet.

Bei der Planung seiner Gerichte überlässt Tohru Nakamura nichts dem Zufall, er plant sie akribisch. „Ich mache mir wahnsinnig viele Gedanken.“ Deshalb fühle er sich „sehr geehrt“. Seine Lehrjahre absolvierte er zunächst bei Martin Fauster im Königshof. Nach bestandener Prüfung verließ Tohru Nakamura seine Heimatstadt München, um sich bei Joachim Wissler auf Schloss Bensberg auch in der Drei-Sterne-Gastronomie zu bewähren. 

Rottach-Egern: Überfahrt mit preisgekröntem Küchenchef

Zurück in München übernahm er die Küche im Werneckhof und kocht sich seitdem Jahr für Jahr an die Spitze: Nach dem ersten Guide Michelin-Stern vor sechs Jahren folgte nur drei Jahre später der zweite. Jetzt ist er „Koch des Jahres“ und erkochte 19 Punkte – damit gehört der 36-Jährige neben Jan Hartwig vom „Restaurant Atelier“ im Bayerischen Hof (19 Punkte) und Christian Jürgens von der Überfahrt in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) (19,5) zu den besten hierzulande. Letzterer fuhr das gleiche Ergebnis ein, wie im Jahr zuvor und gehört neuerlich zu den acht besten Köchen Deutschlands.

Seit neun Jahren auf Platz 1: Christian Jürgens von der „Überfahrt“ in Rottach-Egern erkochte 19,5 Punkte.

Großes Lob gibt es vom „Gault Millau“ für vier große „Junge Talente“ – junge Köche, die in dieser Testsaison erstmals Küchenchef wurden und aufgrund ihres Talents und Engagements das kulinarische Deutschland bereichern können. Darunter sind Christian Fleischmann (30) vom Cheval Blanc in Illschwang/Oberpfalz, Dominik Kreuzig (33) von der Bavarie in München, der „im High-Tech-Ambiente der BMW-Welt mit einem Revival der klassisch französisch geprägten Kochkunst beeindrucken kann“. Außerdem Joshua Leise (23) und Johannes Maria Kneip (24) vom Mural in München, die „bei ihrem Fine Dining im Street-Art-Museum auf klassische Aromenkombinationen in zeitgemäßer Stilistik setzen“. Das Quartett erkocht auf Anhieb 15 Punkte.

Potsdam: Günther Jauch ist „Gastronom des Jahres“

Unter den Ausgezeichneten befindet sich auch ein Quereinsteiger: Quizmaster Günther Jauch (hier geht‘s zum Interview), der erst im Sommer mit Sterne-Koch Tim Raue seine Villa Kellermann in Potsdam eröffnet hatte, darf sich über den Titel „Gastronom des Jahres“ freuen.

Jetzt auch noch Gastronom des Jahres: Quizmaster Günther Jauch mit seiner Villa Kellermann in Potsdam.

Die Tester bewerten in der Ausgabe 2020 insgesamt 173 Restaurants in Bayern. 144 Küchenchefs zeichnen sie mit einer oder mehreren Kochmützen aus. Darunter sind auch die neu eröffneten oder erstmals bewerteten Lokale Schwingshackl Esskultur in Bad Tölz (16 Punkte), Blauer Bock, Gabelspiel, Museum und Sparkling Bistro in München, Laurentius in Oberstaufen und Dorfwirt & Friends in Unterammergau (alle 14 Punkte) und die Schlossbrennerei in Tegernsee (13 Punkte).

Video: Sternekoch Marco Müller verrät, was man für einen Stern braucht

Der„Koch des Jahrhunderts“ hat sich bei einem Sturz in München verletzt. Aktuell wird der 78-jährige Eckart Witzigmann in einer Klinik behandelt.

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