Trauer bei den Befürwortern

Die Nein-Sager feiern den nächsten Sieg

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Riesen-Jubel bei den Gegnern: Die NOlympia-Aktivisten feierten ihren überraschenden 4:0-Erfolg im Stemmerhof

München - Nach der dritten Startbahn haben sie jetzt auch die Winterspiele 2022 verhindert: Die Nein-Sager feiern den nächsten Sieg. Bei den Olympia-Befürwortern herrscht dagegen Trauer.

"NOlympia, NOlympia, NOlympia“: Es ist ein Triumphzug in Etappen, als nach und nach die drei Spitzen der Gegenbewegung gegen die Münchner Olympia-Bewerbung im Sendlinger Stemmerhof zur Wahlparty eintrudeln. Als erster betritt Grünen-Landtagfraktionschef Ludwig Hartmann von der Auszählung im Kreisverwaltungsreferat kommend den per Glasscheibe abgetrennten Nebenraum. Hier sitzen an die 40 Grüne, Linke, Naturschützer oder Vertreter der Aktionsgruppe Untergiesing schon zwei Stunden – und schließlich feiern auch sie. „Wir gingen mit einem glatten 4:0 vom Platz“, jubelt Hartmann in die Menge – und schmeißt sein Jackett weg.

Dabei wäre die Party beinahe an technischen Problemen gescheitert: Laptop, Beamer und Leinwand standen bereit, um die Wahlergebnisse via Internet zu präsentieren. Doch irgendwie spielte das WLAN nicht mit. Zudem die quälenden Fragen: „Wem gehört der Rechner? Weiß jemand das Passwort?“ Also werden die Ergebnisse erst mal vom Handy abgelesen: „Garmisch: 51 Prozent dagegen, 49 Prozent dafür“, plärrt Markus Werner von den Linken wie ein Box-Moderator in den Saal. Ein zufriedenes „Ja“ zischt sofort von Tisch zu Tisch, aber es sind ja nur erst zwei von 16 Wahllokalen in Garmisch-Partenkirchen ausgezählt. Diese Prozedur wiederholt sich, als gegen 18.27 Uhr das erste Ergebnis aus Traunstein eintrudelt: „57 Prozent dagegen!“ Immer mehr Bezirke werden ausgezählt, jedes Mal wird der Jubel lauter, schließlich gelingt es gegen 18.27 Uhr, Laptop und Beamer per Smartphone mit den Daten zu füttern, so dass die Ergebnisse endlich auf der Leinwand zu sehen sind.

Um 18.30 Uhr kommt auch das erste Ergebnis aus München auf den Schirm: 54 Prozent dagegen. „Einfach nur geil“, klopft der Mittfünfziger mit Schnauzbart und schulterlangen, braungrauen Locken sein Weißbierglas auf den Tisch. Ein Ergebnis nach dem anderen leuchtet auf, nur aus Berchtesgaden gibt es nichts, die Homepage des Landratsamtes ist dem Ansturm offenbar nicht gewachsen. Um 19.03 Uhr schließlich steht fest: Garmisch-Partenkirchen ist ausgezählt – die Vorentscheidung: „Aus is‘ und schee is’, dass wahr is’“, schreit einer. „Sollen’s die Winterspiele doch in Dubai veranstalten.“

Schließlich ist auch Traunstein ausgezählt, und auch die Zahlen aus Berchtesgaden sind da. München ist gegen 20 Uhr fertig – alle dagegen! „Das ward ihr“, lobt Christian Hierneis seine Leute, als er mit frenetischem Applaus begrüßt wird. So geht es auch Münchens Grünen-Chefin Katharina Schulze: „Die hatten so viel Material und keine Argumente. Wir standen ohne Bezahlung an den Infoständen und haben mit unseren Freunden diskutiert. Wir hatten die besseren Argumente.“

Mit ihren Bündnis-Partnern feiert Schulze nach dem Startbahn-Entscheid nun schon den zweiten Sieg. Und Sabine Nallinger, OB-Kandidatin der Grünen, peilt schon die nächste Abstimmung an: „Ich fände es gut, wenn wir die Bürger auch zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke befragen.“

Johannes Welte

Olympia 2022: Bilder aus dem Münchner Kreisverwaltungsreferat

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Trauer bei den Ja-Sagern

Die Olympia-Befürworter sind gescheitert. Es ist ihnen nicht gelungen, die Unterstützer an die Wahlurne zu bewegen und für die Olympischen Spiele 2022 abzustimmen. „Es lag aber sicher nicht an unserem Bewerbungskonzept oder den Inhalten“, sagte Thomas Muderlak, Chef der BMW-Welt und Vorstandsvorsitzender der Tourismus Initiative München, der tz und ergänzte: „Mit diesem Ergebnis haben nicht einmal die Gegner gerechnet.“

In einem besseren Licht lässt das die Olympia-Befürworter nicht gerade erscheinen. Letztlich haben die Gegner offenbar besser argumentiert. Muderlak gibt zu: „Das Schlüsselwort Knebelverträge war wohl ausschlaggebend. Mit Angst kann man eben immer gut Stimmung machen. Uns ist es nicht gelungen, den Bürgern diese Angst zu nehmen.“ An eine erneute Münchner Bewerbung glaubt er nicht: „Das 0:4 ist eine krachende Niederlage. Man wird lange suchen müssen, bis sich wieder jemand traut. Wir müssen diese Entscheidung sportlich nehmen, den Mund abputzen und vom Feld gehen“, so Muderlak.

Auch Olympiapark-Chef Ralph Huber gestand: „Ich habe erwartet, dass vielleicht ein Wahlkreis schwankt. Aber dass alle dagegen sind, ist schon überraschend. Wir sind in Deutschland so satt und selbstzufrieden, dass uns die Zukunft egal ist und wir keine Veränderungen haben wollen. Auch dem Olympiapark hätte eine erfolgreiche Bewerbung sehr geholfen.“

mm

Olympia 2022: Die Gegner feiern im Stemmerhof

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Ticker zum Nachlesen: Olympia-Bewerbung deutlich abgelehnt

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