Endgültiger Standort gefunden?

Backstage: Totgesagte leben länger

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Hans-Georg Stocker ist nach 23 Jahren Wanderzirkus mit dem Backstage endlich am Ziel seiner Träume: ein feste Bleibe.

München - Das Backstage hat große Erfahrung darin, sein eigenes Todesurteil zu überleben. Jetzt feierte Hans-Georg Stocker, Chef des Kulturhallenkomplexes neben der Friedenheimer Brücke, den 23. Geburtstag seines Projekts.

Warum gerade bei dieser Zahl? Weil es das Backstage eigentlich seit Silvester wieder einmal nicht mehr geben dürfte. Aber es 2014 in seiner mittlerweile fünften (!) Inkarnation als Phönix aus der Asche dastehen wird.

Gewohnt wortreich und auf verschlungenen Wortpfaden teilte Backstage-Chef Stocker seinen Gästen im fein dekorierten Club des Hallenkomplexes mit, dass heuer wohl ein endgültiger Platz für die Heimat der Münchner Subkultur gefunden wird. Kaum vorzustellen – man kennt den umtriebigen Mann seit 1991 eigentlich nur im ständigen Kampf gegen widrige Umstände, missgünstige Politiker und ruhebesessene Anwohner. Jugendkultur findet zwar jeder gut, aber auch hier gilt das Floriansprinzip: bitte woanders!

Inzwischen hat es sich wohl bei allen Parteien herumgesprochen, dass Herr Stocker mit seinem Backstage der Stadt und seinen Jugendlichen seit einem knappen Vierteljahrhundert einen großen Dienst erweist und dabei – was Politiker besonder freut – keine finanzielle Unterstützung in Anspruch nimmt. So bekam er im Rahmen des Bürgermeisterwahlkampfs Besuch von der grünen Sabine Nallinger, vom Sozialdemokraten Dieter Reiter und sogar vom CSU-Kandidaten Josef Schmid, der darüber hinaus ein Foto von dem Treffen auf ein Wahlplakat bannte und untertitelte: „Ich habe viel gelernt.“

Tatsächlich haben die Parteien in Sachen Backstage an einem Strang gezogen und eine Lösung gefunden. Stocker muss ja die Hälfte des jetzt belegten Geländes räumen (eigentlich bis Ende 2013, es gibt aber einen Aufschub). Die andere Hälfte gehört dem Backstage. Gemeinsam mit der Deutschen Post konnte er nun das sogenannnte Deutschmann-Gelände nebenan erwerben. Drei Viertel davon behält die Post, ein Viertel erhält das Backstage.

Neben den Konzerthallen sollen auch Übungsräume für Musikbands und Ateliers für bildende Künstler entstehen. Sollte sich Stocker dann zurücklehnen können? „Wohl kaum“, sagt Geburtstagsstargast und Bierpartner des Backstage, Prinz Luitpold: Hans-Georg Stocker werde schon neue Herausforderungen und Kampfszenarios finden.

Antonio Seidemann

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