Der Pure-Club ist pleite

Leider pleite: Der Pure-Club.
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Leider pleite: Der Pure-Club.

Verschiedenen Nachtclub-Besitzern flatterte in den vergangenen Wochen der Brief eines Insolvenzverwalters ins Haus.

Inhalt des Schreibens: das Angebot einer Diskothek an der Leopoldstraße 69, direkt an der Münchner Freiheit. Dort betrieb bis vor kurzem die „Großartige Nächte GmbH“ den Pure-Club. Weil der Name der Gesellschaft allerdings für die Szenegänger nicht Programm war, musste das im vergangenen Jahr für eine halbe Million Euro aus dem ehemaligen „Sunset“ komplett umgebaute Keller-Lokal den Gang zum Insolvenzgericht antreten.

Dabei hatten sich als Betreiber eine illustre Schar in der Szene gut verdrahteter und erfolgreicher Nightlife-Wirte zusammengetan, um Schwabing ausgehtechnisch wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Neben den m-park-Wirten Edgar Gröber und Boris Konopka (eröffneten kurz nach dem Pure das Max & Moritz mit weit mehr Fortune) auch Karen Kiessling vom Drei Türme Club, sowie Stefan Hille und Friedrich Marx.

Allerdings verlief die Eröffnung im März 2007 bereits holprig, wegen der umfangreichen Baumaßnahmen konnte der zunächst avisierte Termin nicht gehalten werden. Dabei gaben sich die Wirte richtig Mühe, casteten die Belegschaft aus über 400 Bewerbungen, verzichteten auf Eintritt bis nach Mitternacht, boten günstige Getränkepreise und verpflichteten mit Marienhof-Schauspieler Sven Thiemann einen bekannten Namen als Discjockey. Die Party-Posse zog es dennoch nicht an die Münchner Freiheit, was daran liegen mag, dass die Gegend szeniges Brachland ist.

„Schwabing ist doch eher studentisch, dafür waren wir zu teuer und zu exklusiv“, meint Mitgesellschafter Karsten Kiessling rückblickend, „vielleicht hätten wir das Konzept etwas jünger aufsetzen sollen.“ Schuld gibt Kiessling aber auch der Einführung des Rauchverbotes, „die Gäste wollten im Winter zum Rauchen nicht aus dem Keller vor die Türe, das hat uns richtig Publikum gekostet“, sowie „massiven Lärm-Beschwerden einer einzelnen Anwohnerin“. Aus diesem Grund mussten die Wirte ihre Musikanlage auf 85 Dezibel drosseln – „damit kannst Du eine Bar betreiben, aber keinen House-Club“. Das hat auch die Vermieterin eingesehen und ihr Einverständnis zur Vermietung an ein weiteres Nachtlokal zurückgezogen.

Nun soll eine Spielhalle in den aufwändigen Pure-Club einziehen. „Das ist natürlich bitter, damit verlieren wir auch die Ablöse“ bilanziert Kiessling enttäuscht. Großartige Nächte finden künftig anderswo statt.

Thomas Oßwald

Quelle: tz

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