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Im Interview: DJ Moguai

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Von: Bente Matthes

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Am 26. Juli wieder in München: DJ Moguai

Vor seinem nächsten München-Gig am 26. Juli beim Holi-Festival haben wir DJ Moguai zum Interview gebeten...

Anfang der 1990er Jahre begann André Tegeler unter dem Künstlernamen Moguai mit selbstorganisierten Partys. Der heutige Musikproduzent, DJ und Radiomacher war zudem einer der ersten Techno-Pioniere im Land. Und nach fast einer Stunde Interview, in der wir auf seine persönliche Geschichte blickten, war klar: Moguai ist nicht nur eine internationale Größe in der elektronischen Musik, sondern auch schwer sympathisch.

Moguai, deine beruflichen Anfänge liegen rund 20 Jahre zurück. Da kommt einiges zusammen – an Erfahrungen, an Eindrücken, an Fans, an Energie … hast du jemals den Boden unter den Füßen verloren?

Ich stecke mir zwar immer gern recht hohe Ziele, weil ich daran glaube, dass das dann schon was wird. Aber ich hatte nie Höhenflüge. Ich habe ja relativ spät angefangen und hart an mir und der Musik gearbeitet. Mir ist da nichts zugeflogen. Ich habe das alles über einen langen Zeitraum erarbeitet und in dieser Zeit war lange nicht klar, dass das mal fruchten würde. 

Natürlich habe ich mich gefreut, als dann der erste Top-10-Hit kam, und ich freue mich über jeden weiteren Erfolg. Keine Frage. Ich habe aber nie gedacht: Boah, jetzt bist du wer und die Welt gehört nun dir. Ich habe das immer mit kritischen Augen gesehen und abgewartet, wie lange das wohl gutgeht. Bisher klappt das ganz gut (lacht). Außerdem war ich ja noch Jura-Student und wollte das Ganze auch vernünftig zum Abschluss bringen. Demnach war ich da lange Zeit hin- und hergerissen. Von Abgehobenheit also keine Spur.

Gab es da jemals Momente der Unsicherheit bzgl. deiner Kreativität oder deiner Musik?

Bei mir war eher die Unsicherheit durch die steten Veränderungen da. Ich hatte ja schon einen Stil, für den ich stand, und die Szene war laut, bunt und schrill. Irgendwann wurde unsere Musik nicht mehr von Fernsehen und Radio unterstützt. Und schließlich kam 9/11 und die Leute waren deutlich weniger in Partystimmung. Jeder schien darauf zu warten, dass das Gleiche noch mal an anderer Stelle passierte.

Dadurch veränderte sich auch die Musik. Es war nicht mehr der Maximal-Sound mit großen Gesten und Melodien, sondern alles wurde total deep, down, minimal – vor allem in Deutschland. Da überlegte ich mir schon, wo ich darin mit meinem Sound stehe, und ob ich das auch so weiter durchziehen kann. Das barg eine gewisse Unsicherheit. Letztendlich musst du dir aber selber treu bleiben, dein Ding machen und dich gleichzeitig öffnen für die Veränderungen.

Siehst du Mainstream als Problem für die Kreativität des DJing?

Nein, gar nicht. Ich finde das toll. Weil jeder da seine Nische haben und machen kann, was er will. Hauptsache, es macht Spaß. Schubladendenken ist da fehl am Platz. Deswegen halten es auch wenige in der Branche aus. Der Mainstream bewegt sich schneller, verändert sich auch eher. Da muss man mithalten können, sonst ist man schnell weg vom Fenster. Das fördert in meinen Augen eher die Kreativität als dass es sie behindert oder einschränkt.

Was ist dir in deiner Arbeit wichtig?

Mir ist vor allen Dingen wichtig, dass, wenn mein Name auf einer Produktion steht, kein anderer daran herumwerkelt. Hinzu kommt, dass ich zwar mal etwas anpasse, aber nur, wenn es den Track und das, was er aussagt, nicht verändert. Da lasse ich mir auch von Majors nicht reinreden. Im Zweifelsfall mache ich den Track dann überhaupt nicht und lasse es sein.

Ich höre mir gern Kritik an, aber nur bedingt. Ich habe einfach gelernt, dass es besser ist, da auf mich und mein Bauchgefühl zu hören, mir selbst zu vertrauen und mich als besten Indikator zu sehen. Wenn ich also etwas gut finde, finden das meist viele andere Leute auch gut. Womöglich finden das dann auch im Gegenzug genauso viele Leute nicht so gut. Aber das gehört zum Schaffen und Kreieren dazu. Du triffst nie den Geschmack aller – egal ob du Musik machst oder Autos baust.

Du erwähntest dein Jura-Studium. Erzähle doch mal vom jungen Moguai.

Eigentlich habe ich mit der Musik angefangen, um mein Studium zu finanzieren. Meine Eltern hatten eine Metzgerei, die heute verkauft ist. Allerdings wollten sie ursprünglich, dass ich auch Metzger werde und das Geschäft übernehme. Das wollte ich aber nicht.

Ich war zwar recht engagiert, habe meine Ausbildung verkürzt und war der jüngste Metzgergeselle. Aber das war auf keinen Fall etwas, das ich mein Leben lang machen wollte. Ich wollte studieren – Jura, weil mich Musikrecht interessiert hat und ich mich auf Urheberrecht spezialisieren wollte. Meine Schwester hat mich dann schließlich heimlich am Gymnasium angemeldet und ich habe dann auch später Jura studiert.

Nebenher habe ich in einem Skateboard-Laden gejobbt, Mixtapes aufgenommen und erste Produktionen realisiert. Später habe ich mit Phil Fuldner die Captain-Future-Single gemacht, die dann wie eine Bombe in den Charts einschlug. Und als mir dann ein mir bekannter Anwalt auch noch nahelegte: „Junge, vergiss mal die Juristerei. Geh da mal raus mit deiner Musik.“ Da dachte ich mir, dass ich das wohl mal machen muss, wenn mir schon ein Anwalt sagt, dass das Sinn machen würde (lacht).

Nun bist du DJ und Producer. In welchen Bereichen deiner Arbeit spürst du eine große Herausforderung?

Im Songwriting! Vocals für das Instrumental zu finden, ist definitiv die Champions League! Mir liegt es sehr, gute Instrumentals zu produzieren, die in Rio, Delhi und NYC gleichermaßen funktionieren, die also universell und demnach international spielbar sind. Das ist zwar auch Champions League, aber eben eine, die mir liegt. Allerdings liegt die richtige Herausforderung darin, zu den Instrumentals auch die richtigen Vocals zu finden.

Also nicht einfach irgendwelche zu nehmen, sondern jene, mit denen die Tracks so wie aus einem Guss klingen, ein stimmiges Ganzes ergeben und in dem das Eine nicht ohne das Andere funktioniert. Das ist wirklich harte Arbeit. Echt! Aber das ist halt so. Da muss man gute Leute bzw. ein gutes Team um sich haben und auch mal Geduld beweisen und lange tüfteln.

Zum Schluss kommt noch eine Frage, die du bestimmt schon hundertmal gehört hast: Inwiefern hat dein Ursprung Ruhrgebiet Auswirkungen auf deine Arbeit?

Sehr viel. Das ist der Ort, wo ich herkomme, da lebt meine Familie, da habe ich lange gewohnt und da fahre ich auch immer hin, um Musik zu machen bzw. zu produzieren. Musik ist etwas sehr Persönliches. Da hilft es, wenn man sich in gewohnter und lieb gewonnener Umgebung befindet. Das birgt eine ganze andere Kreativität. Außerdem arbeite ich gern im Team. Kumpelarbeit ist also ebenfalls mein Ding, könnte auch am Ruhrgebiet liegen. (lacht).

Weiter Infos, Releases und Tourtermine von DJ Moguai findet ihr auf www.moguai.com.

Interview: Bente Matthes

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