Im Interview

Elektro-Guru DJ Hell: „Wollte nie Erwartungen erfüllen“

DJ Hell in einem Klub in Berlin. Er feiert bald sein 40. Jubiläum.
+
DJ Hell in einem Klub in Berlin. Er feiert bald sein 40. Jubiläum.

Vier Jahrzehnte und immer noch mitten drin: DJ Hell ist ein fester Bestandteil der Elektro-Szene. Wir haben mit ihm über seine Anfänge und Wünsche gesprochen.

München - DJ Hell ist seit fast 40 Jahren fester Bestandteil der Elektro-Szene und gehört zur Riege weltweit bekannter DJs, die als Headliner am liebsten die gesamte Clubnacht auflegen. Der deutsche Techno-DJ und -Produzent sowie Gründer und Inhaber von Gigolo Records reist für seine Sets nach wie vor um die ganze Welt. Dabei steht auch seine musikalische Heimat München regelmäßig auf dem Programm. Mit seinem neuen Album „Zukunftsmusik“, das ab dem 28. April online und ab dem 12. Mai auch in den Läden erhältlich ist, wird er am 4. Juni im Rahmen der World League in München auflegen.

Seit fast 40 Jahren stehst du schon an den Plattentellern weltweit angesagter Clubs. Da kommt einiges an Erfahrung und Routine zusammen. Was kann dich noch überraschen?

DJ Hell: Überraschungen bietet vor allem das Leben. Jedes Wochenende weiß ich nie genau, was mich auf meinen DJ-Touren erwartet. Ich lerne ständig rund um den Globus neue Menschen kennen. All das bleibt inspirierend.

In einem unserer früheren Interviews hast du von Ereignissen in deiner Karriere gesprochen, die dich sehr verändert und in deiner persönlichen Entwicklung weiter gebracht haben. Würdest du uns einen Schlüsselmoment nennen und inwiefern dieser Auswirkungen auf dich und dein Leben hatte?

DJ Hell: Großartige Momente waren sicher die Kooperationen mit Puff Daddy, Alan Vega, Bryan Ferry oder Amanda Lepore. Auf den Fashionshows, auf denen ich zugegen war, erhielt ich zudem Einblick und direkten Kontakt mit Leuten wie Karl Lagerfeld oder Raf Simons. Im DJ-Gewerbe hatte ich sicher das große Glück mit den Besten der Zunft zusammen aufzulegen. Und ich werde das auch weiterhin forcieren.

Wie warst du als Mensch zu Beginn deiner Karriere und wie siehst du dich heute? Was machst du heute anders als damals?

DJ Hell: Sich selbst zu beschreiben finde ich unvernünftig. Es gibt in meinem Beruf jedenfalls viel zu viele große Egomanen. Und deshalb finde ich es erstrebenswert, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und seine Vergangenheit oder Wurzeln nicht zu vergessen. Ein wenig Demut hat noch keinem geschadet.

Was bedeuten die Worte Rebellion und Kreativität speziell im Zusammenhang mit deinem Schaffen und Wirken?

DJ Hell: Es ging mir immer darum, neue Wege zu gehen - und vor allem den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Eine künstlerische bzw. kreative Sicht auf die Dinge ist oft sehr hilfreich - in allen Lebenslagen.

Neben deiner eigenen Karriere förderst du mit deinem Label Gigolo junge Talente. Inwiefern möchtest du ihnen Vorbild sein und mit deinen Erfahrungen helfen? Was ist dir an deiner Arbeit mit ihnen wichtig?

DJ Hell: Ich kann immer nur Vorschläge machen und versuchen, meine Erfahrungen weiter zu geben. Entscheidend ist oft eine andere Sicht der Dinge und andere neue Herangehensweisen zu prüfen. Demnach hat Gigolo Records auch immer neue und unbekannte Künstler gefeatured - und vor allem auch jegliche künsterische Freiheit gefordert und finanziert.

Auf welchen deiner Künstler sollten wir denn mal ein besonderes Augenmerk haben und weshalb?

DJ Hell: Im Sommer wird die Firma 20 Jahre alt! Und das zelebrieren wir im Tresor Club in Berlin mit allen neuen und alten Gigolo-Künstlern. Vom 13. bis 16. Juli - also 4 Tage lang – feiern wir nonstop. Da könnt Ihr Euch unsere Künstler einmal anschauen.

Als DJ, der u.a. in München seine musikalischen Wurzeln hat, kennst du dich sicher gut in der lokalen Club-Szene aus. Welche Münchner Clubs sprechen dich zurzeit musikalisch besonders an? Wo sollte man hingehen?

DJ Hell: München hat im Nachthimmel immer geleuchtet. In den 80er oder 90er Jahren war München sogar einmal eine Hochburg in Deutschland, was monderne Clubkultur betrifft. Das Bob Beaman ist seit Jahren eine feste Größe – ebenso das MMA und die Rote Sonne. Wie sich das Blitz im Deutschen Museum machen wird, muss sich erst noch zeigen.

Solltest du in ca. 50 Jahren mal in DJ-Rente gehen, was möchtest du hinterlassen?

DJ Hell: Gute Musik.

DJ Hell on Tour

Wo: Im Rahmen der World League, Praterinsel

Wann: Sonntag, 4. Juni 2017, 14 Uhr bis 5 Uhr

Tickets: 22 Euro + BF, an allen bekannten Vorverkaufsstellen

Infos findest Du hier.

Neues Album

Zukunftsmusik

Wann: ab 28. April 2017 online, ab 12. Mai 2017 in den Läden

Auch interessant

Kommentare