Gay-Szene: Wie zwei Münchner Gastronomen Flüchtlinge unterstützen

Das Jennifer Parks in der Holzstraße

München hilft. Auch schwule Szenemacher setzen sich für die Flüchtlinge ein. Ob durch Spenden oder direkt vor Ort. Und die Resonanz ist riesig.

Auf die Frage was man für die in München ankommende Flüchtlinge machen kann, haben sich aus der Münchner Gay-Szene zwei Gastronomen schnell und unbürokratisch eine Antwort einfallen lassen. Arne Brach, Inhaber der Musikbar „Jennifer Parks“ und Veranstalter der Partyreihe „Jenny tanzt“ rief über Facebook zu Spenden auf und hilft vor Ort. NY.Club-Inhaber Ken Koch gibt davon 5,- Euro pro Eintritt ab und verdoppelt den Erlös. Sprich, wer helfen will, kann feiern gehen.

Politische Lücke mit Menschlichkeit überbrücken

Arne Brach, Inhaber vom Jennifer Parks

Die kleine Musikbar Jennifer Parks am Holzplatz im Glockenbachviertel hat eine treue Fanbase. Inhaber Arne Brach ist nicht nur dort dafür bekannt sich für Projekte einzusetzen, bei denen vielen erst einmal wegschauen würden. So hilft er mit Geldspenden und auch direkt vor Ort in seiner Freizeit beispielsweise dem Erdlingshof, einem Lebenshof für Tiere im Bayerischen Wald.

So war es für Brach auch keine Frage sofort zu helfen, als vergangenen Montag und Dienstag plötzlich zahlreiche Menschen am Hauptbahnhof München nach einer langen Flucht ankamen. „Ich bin zwar der Meinung, dass es Aufgabe der Politik ist, aber ich sehe es schon auch als nicht stressfrei lösbar, wenn plötzlich 3000 Menschen am Bahnhof stehen. Die Zeit, bis diese verteilt werden können, muss mit Menschlichkeit überbrückt werden.“, so Brach. Am Dienstag hat er sich spontan dazu entschlossen für Geldspenden über Facebook aufzurufen und die Einkäufe zum HBF gebracht.

Die Hilfsbereitschaft ist enorm

Wer dem engagierten Gastronom bei seiner Arbeit helfen möchte, kann direkt vor Ort im Jennifer Parks Geldspenden vorbei bringen oder auf sein Paypalkonto arne.brach@gmx.de überweisen. Per Paypal kamen bereits 1500 Euro zusammen. „Ich mache das alles nebenbei. Ich werde auch weiter alle Spenden entweder selbst in Sachspenden umwandeln und abliefern, oder gesammelt in Form einer Überweisung an entsprechende Stellen weiter leiten. Mein Paypal-Konto werde ich nicht schließen. So lang ich keine eigene Buchhaltung dafür benötige, mache ich also weiter.“

NY.Club verdoppelt die Spenden

Ken Koch vom NY. Club

Auch Ken Koch, Inhaber des NY.Clubs in der Sonnenstr. 25, ließen die Schlagzeilen auch nicht unberührt. „Das Thema beschäftigt mich schon ziemlich lange und eigentlich wollte ich mich schon als freiwilliger Helfer melden. Leider fehlt mir dazu die Zeit.“, gibt Koch zu und ergänzt. „Als kleines Unternehmen fühle ich mich aber sozial Verantwortlich. Deshalb dachte ich mir, dass ich als Unternehmen (und auch als Privatperson) ein Zeichen setzen könnte indem ich etwas von meinem Geld abgebe.“ Somit wird an diesem Wochenende von jedem Gast, der Freitag und Samstag Eintritt zahlt 5,- Euro gespendet. Zusätzlich gibt es noch eine Spendendose, in die jeder so viel einzahlen kann, wie er möchte. Auch sind die Personen, die normalerweise auf der Gästeliste stehen, dazu aufgerufen zu Spenden. Den Gesamtbetrag wird Ken Koch dann noch einmal aus eigenen Mitteln verdoppeln. „Egal wie hoch er ausfällt!“

Und die Politik?

Zwar ist es ein tolles Zeichen beider Gastronomen, sich spontan um Hilfe und Spenden zu kümmern, aber wäre das nicht die Aufgabe der Politik? Arne Brach prangert diese sehr deutlich an: „Das Verhalten der Regierung in den letzten Monaten war eine einzige Katastrophe. Man stelle sich vor, in München und anderswo wären keine Bürger aufgestanden und mit vollen Autos zum Hauptbahnhof gekommen. Das war beeindruckend!“ Auch Ken Koch schließt sich dieser Meinung an: „Unser Regierung hat schon viel zu lange gewartet. Nun ist die Lawine im rollen und wir müssen schnell handeln.“ Und sie handeln! Auf ihre ganz eigene, unbürokratische Art und Weise mit den Mitteln die ihnen zur Verfügung stehen.

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