Im Interview: Chris Liebing

Chris Liebing

2016 startet die World League mit einem Special: Chris Liebing gibt eines seiner seltenen Open-to-Close-Sets im Bob Beaman zum Besten. Wir haben ihn vorab zum Interview gebeten.

Vor seinem Auftritt am Freitag, den 29. Januar, haben wir mit dem Multitalent - Chris Liebing ist nicht nur DJ, sondern auch Produzent und Label-Betreiber - über seine Ziele für dieses Jahr, seine Münchner Fans und seinem Ritual vor Gigs gesprochen!

Mexiko, USA, Niederlande und Deutschland – allein im Januar kommen Sie ja ganz schön rum! Ist Techno trotz der immer beliebter werdenden Electronic Dance Music, kurz EDM, Welle präsent und hat seine Fan-Base?
Chris Liebing: Ich bin jetzt schon über 20 Jahre lang im sogenannten Techno-Business unterwegs und bin sehr glücklich über die Fan-Base die es in dieser Szene gibt, die sich relativ unabhängig von Mode-Trends entwickelt und in der es immer wieder neue Generationen gibt, die sich für diese Musik begeistern. Das liegt wohl auch daran, dass sich die Musik immer weiterentwickelt und die Protagonisten, zu denen ich mich auch zählen würde, immer noch frisch und begeistert wie am ersten Tag ans Werk gehen.

Das liegt unter anderem daran, dass es bei dieser Musik immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und dass die technologische Entwicklung auch eine Riesenrolle spielt, nicht nur beim produzieren, sondern auch beim performen. Da wird es auch noch viel zu entdecken geben, und da ist kein Ende in Sicht. Die EDM Welle hat wenn überhaupt eigentlich sogar dazu beigetragen dass die Underground Szene gestärkt wird, da viele Menschen die vielleicht ihren Einstieg über EDM oder Trance haben, früher oder später feststellen, dass das eigentlich relativ seichte Musik ist.

Wer eine Aufmerksamkeitsspanne von mehr als 30 Sekunden hat, wird auch ganz schnell feststellen dass Dinge sich immer wiederholen, nichts Neues entwickelt wird, und es dadurch schnell langweilig wird. Einige von diesen Menschen suchen dann ihren Weg in andere elektronische Musikspielarten, und je “undergroundiger“ es zur Sache geht um so weniger unterliegt man Hypes und Trends.

Das lässt einem als Künstler natürlich Luft zum atmen, Freiraum sich zu entwickeln, ohne jeglichen Stress, und ich glaube das ist die einzige Erklärung die ich dafür habe dass ich das schon seit zwanzig Jahren machen kann, immer noch so begeistert bin wie am ersten Tag, und immer noch das Gefühl habe es fängt gerade erst an.

Sie sind ja nicht nur DJ sondern auch Produzent und Label-Betreiber! Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut und was steht auf ihrer Prioritätenliste auf Platz 1?
Chris Liebing: Auf Platz 1 meiner Prioritätenliste steht Zeit mit meinen Kindern. Ich habe zwei Töchter und danach kommen eigentlich erst die Musik und die Karriere. Man muss eine gute Balance finden und natürlich mit guten Leuten zusammen arbeiten, die einem bei dem was man tut helfen. Aber hin und wieder muss man auch Abstriche machen.

Das heißt vielleicht weniger Zeit im Studio verbringen, mehr on the road sein und hin und wieder auch mal Dingen die man sehr gerne tun würde, wie nächtelang im Studio sitzen, doch auch mal aus dem Weg gehen um Zeit für andere Dinge zu schaffen. Das hat alles ein bisschen mit Time-Management zu tun, und eigentlich auch mit Disziplin.

Ihr letztes Album Evolution ist von 2003. Wieso gibt es diese lange Schaffenspause und wann gibt es Nachschub?
Chris Liebing: Schön dass Sie das fragen, denn genau die Frage habe ich mir letztes Jahr auch gestellt. Da ich in den vergangenen Jahren sehr viel mit meinem Label und dem CLR Podcast zu tun hatte, habe ich das jetzt mal auf der Prioritätenliste runtergestellt und dafür die Produktion eines neuen Albums nach ganz oben gestellt. Da bin ich gerade mitten drin, ich würde sogar fast sagen auch schon ziemlich weit.

Ich habe damit im letzten Oktober hier in Frankfurt angefangen und habe mir dafür auch von einem sehr bekannten Produzenten namens Ralf Hildenbeutel Hilfe gesucht, der schon in den 90ern für viele Ausnahmeproduktionen auf Harthouse und Eye Q verantwortlich war, der hauptberuflich Film- und Fernseh-Musik macht, und mit dem ich sehr, sehr, sehr produktiv im Studio am arbeiten bin. Ich freue mich sagen zu können dass spätestens am Ende dieses Jahres ein neues Album von mir erscheinen wird.

Was haben Sie sich für das Jahr 2016 vorgenommen?
Chris Liebing: Zum einen ein neues Album zu veröffentlichen und zum anderen, wie ich es auch in meinem Facebook-Eintrag erwähnt habe, mehr Zeit dafür zu verwenden das Leben im Hier und Jetzt zu leben und zu genießen, weniger Zeit im Internet zu verbringen und dafür mehr Zeit in der freien Natur - und natürlich weiterhin begeistert meinem Beruf nachzugehen.

Schauen wir mal auf ihr Open-to-Close Set im Bob Beaman. Was verbinden Sie mit dem Münchner Party-Publikum?
Chris Liebing: Ich habe schon sehr, sehr, sehr früh angefangen in München zu spielen, ich glaube `96 war das erste Mal für mich, damals im Electric Delicate auf der Landsberger Straße. Das heißt schon seit knapp zwanzig Jahren, und das Münchner Party-Publikum ist ganz eigen.

Sehr feierwütig und sehr ausgelassen. Es ging immer sehr lange in München, einer der wenigen Städte die was Öffnungszeiten anging immer recht entspannt war und ist. München hat eine ganz eigene Energie die ich sehr mag, und von daher freue ich mich auch sehr darauf wiederzukommen.

Gibt es ein Ritual vor Ihren Auftritten? Etwas, was sie immer machen – zum Beispiel immer mit dem linken Fuß zum DJ Pult steigen?
Chris Liebing: Nicht wirklich, es gibt eigentlich nur eine Sache die vielleicht erwähnenswert wäre, und zwar muss ich mir vor jedem Auftritt immer irgendwann die Zähne putzen. Das ist für mich irgendwie relativ wichtig. Es ist ja meistens so dass man abends irgendwo essen geht und dann eventuell direkt in den Club, und das funktioniert bei mir nicht.

Ich muss dann jeweils noch irgendwo hin um mir die Zähne zu putzen. Ich weiß jetzt nicht ob das irgendjemanden interessiert, aber ansonsten gibt es kein wirkliches Ritual. Ich nehme das alles immer so wie es kommt, Hauptsache ich habe dabei saubere Zähne.

Chris Liebing Special Open to Close Set
Freitag, 29. Januar, ab 23 Uhr
Bob Beaman Club, Gabelsbergerstraße 4
Alle Infos gibt’s auf worldleague.de

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