Dierk Beyer: „Belebte Innenstadt gehört zu München“

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Dierk Beyer ist der Organisator des kostenlosen Open Air am Maximiliansplatz.

Diesen Samstag findet das kostenlose „Cool bleiben – friedlich feiern“-Open Air statt. Wir haben Organisator Dierk Beyer zum Interview gebeten.

Das Open Air der Aktion „Cool bleiben – friedlich feiern“ zur Gewaltprävention im Münchner Nachtleben bietet mit MarieMarie und Jim Fletch zwei Livebands sowie sieben DJs (u.a. John Digweed und Linus) auf einer Bühne in der innerstädtischen Grünanlage. Wir sprachen im Vorfeld mit Organisator Dierk Beyer (Neuraum, Nachtgalerie).

Hallo Dierk, erzähl doch bitte mal, wie die Aktion überhaupt initiiert wurde! Gab es einen speziellen Vorfall, der zum Anlass für das Projekt genommen wurde?

Beyer: Der Anlass war die Berichterstattung über die angebliche Verrohung der Innenstadt durch den Zuzug zahlreicher Clubs vor zwei Jahren. Die Polizei hatte über die Jahre mehr Straftaten erfasst, gleichzeitig waren aber zahlreiche neue Clubs in die Innenstadt gezogen. Die Situation wurde unserer Meinung nach von der Presse übertrieben dargestellt, denn in Relation zu der sehr großen Anzahl von Nachtschwärmern, die in der Innenstadt unterwegs sind, passierte und passiert bis heute doch relativ wenig. Und eine belebte Innenstadt gehört nun mal zu einer Weltstadt mit Herz.

Trotzdem ist natürlich jede Gewalttat eine zu viel. Daher haben sich die Wirte mit einem Brief an Herrn Polizeivizepräsidenten Roland Kopp gewandt und eine Zusammenarbeit angeboten. So kam es im Mai zu einem ersten Treffen von Stadt, Polizei und Wirten, auf dem eine gemeinsame Kampagne beschlossen wurde.

Jetzt gibt es „cool bleiben – friedlich feiern“ schon fast zwei Jahre. Wie fällt deine persönliche Zwischenbilanz aus?

Beyer: Sehr positiv. Im Rahmen von "cool bleiben" arbeiten die Stadt, Polizei, Clubs und Streetworker erstmals an einem runden Tisch zu zusammen, um gemeinsam mit einem Maßnahmenbündel das klare Signal zu setzen, dass Gewalt im Nachtleben nichts zu suchen hat. Dafür versuchen wir unser Vorgehen miteinander abzustimmen.

Wie darf man sich diese nächtliche Präventionsarbeit konkret vorstellen? Was passiert in und vor den Clubs?

Beyer: Zunächst einmal hat jeder Club die Möglichkeit, gewalttätige Gäste mit einem Hausverbot zu belegen. Erstmals haben sich die Clubs zusammengeschlossen und können in besonders schweren Fällen ein umfassendes Hausverbot aussprechen, dass dann für alle Clubs gilt. Passiert eine Straftat im öffentlichen Raum, kann die Polizei Betretungsverbote vorschlagen, die von der Stadt erlassen werden.

Und dank Förderung durch die Stadt sind an den Wochenenden in der Innenstadt Streetworker unterwegs, die eng mit den Türstehern der Clubs zusammenarbeiten. Manchmal finden die einen besseren Zugang zu den Gästen und können deeskalierend wirken.

Wie kam es zu der Idee, die Aktion nun mit einem Open Air in der Öffentlichkeit bekannter zu machen?

Beyer: Uns geht es um ein starkes Signal, dass Gewalt im Nachtleben nichts verloren hat. Und das geht natürlich am besten zusammen mit unseren Gästen! Also haben wir uns dazu entschlossen, dieses Jahr mehr zu machen als nur eine Pressekonferenz.

Ihr habt ja ein tolles Line-up zusammentrommeln können. Welche Clubs haben sich da federführend hervorgetan?

Beyer: Unser Dank geht an das Harry Klein und das Pacha, die sich federführend um die Künstlerakquise gekümmert haben. Ganz besonders bedanken möchte ich mich aber auch bei den Künstlern selber, die auf einen Großteil ihrer Gage verzichten.

Zudem sind noch zahlreiche Sponsoren beteiligt, die uns von der Versicherung über Plakat- und Anzeigenplätze bis zur Reinigung in vielen Dingen unterstützen. Ohne diese Hilfe wäre das Open Air nicht möglich!

Was können die Gäste neben der Musikbühne noch alles erwarten?

Beyer: Unser Fokus liegt tatsächlich auf der Musik und darauf zusammen einen besonderen Nachmittag zu verbringen. Aber natürlich gibt‘s auch Essen und Getränke, sowie Infostände der Streetworker und der Jugendbeamten der Polizeiinspektion 11.

War es sehr schwierig, den Maximiliansplatz als Location dafür zu bekommen? Dort gibt es ja schon seit längerem Anwohnerbeschwerden...

Beyer: Nein. Schließlich geht‘s ja nicht bis in die Nachtstunden. Und natürlich sind auch alle Anwohner herzlich eingeladen mit uns zu feiern.

Der Eintritt ist frei – und der Gewinn aus der Gastronomie soll sogar gespendet werden. Wohin fließt das Geld konkret?

Beyer: Sollte ein Gewinn erwirtschaftet werden, wollen wir den unseren Projektpartnern von Condrops spenden, die mit ihren Streetworkern einen ganz wichtigen Beitrag zum Gelingen unseres Projekts leisten.

„Cool bleiben – friedlich feiern“ Open Air
Sa., 2. August, ab 15 Uhr
Park am Maximiliansplatz 2

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