Munich Mix Sessions

Jens Poenitsch und Bernd Jakopic im Interview

Jens Poenitsch (rechts) und Bernd Jakopic (links)

Die beiden Münchner DJs und Vollblutmusiker Jens Poenitsch und Bernd Jakopic wagen ein neues Experiment, das DJ-Kunst und Livemusik in Einklang bringen soll.

Am kommenden Freitag (26.9.) spielen sie einerseits als DJ-Duo Poenitsch & Jakopic im Milla-Club, andererseits zeigen sie unter dem Projektnamen Morgen aber auch ihre Live-Qualitäten im Zusammenspiel mit Sängerin Zoe und Tausendsassa Moses Wolff. Anlässlich dieses Gigs haben uns Poenitsch & Jakopic ein Interview gegeben und außerdem den DJ-Mix der Woche für partygaenger.de beigesteuert.

Wo habt ihr euch anfangs kennengelernt und wie lange seid ihr jetzt schon als DJs am Start?
Jens: Wir trafen uns 1999 in einem Münchner DJ-Shop, suchten dieselbe Vinylplatte, gingen anschließend sofort zusammen ins Studio und arbeiten bis heute als DJs, Produzenten und Musiker zusammen.

Mit der „Glashausdisse“ seid ihr in München als Duo so richtig durchgestartet. Wie ging‘s danach weiter?
Jens: Uns gab es zwar vorher schon, aber es stimmt, die Glashausdisse war der Urknall. Damals hießen wir noch Blauephase. Danach nahmen wir mehrere LPs und Maxis auf, produzierten andere Künstler, absolvierten Deutschland-Touren und DJ-Gigs im Ausland, betrieben lange einen Mix-CD-Instore-Shop bei Kare, betreuten eine Zeitlang das Booking im Café am Hochhaus und hatten mehrere tolle Residencies in Münchner Clubs und experimentierten mit verschiedenen Stilen, um immer wieder zu Techno und Disco zurückzukehren.

Bernd: In diese Zeit fiel auch der Ausbau unseres Tonstudios sowie die Gründung unseres eigenen Labels Disco Art Recordings.

Anfang September hattet ihr das 10-jährige Jubiläum der Reihe „Discoarzt“ – wie war der runde Geburtstag und wie viele weitere wird‘s noch zu feiern geben?
Jens: Wir arbeiteten und feierten im Harry Klein als DJs und Live-Act zusammen mit Heike Reich und Volker Selzner sowie ppF und Lio Dietzel, musikalischen Weggefährten seit Anfangstagen. Keine Ahnung, wie viele Runde es noch werden – wir lassen es auf uns zukommen. Bernd und ich sind Langstreckenläufer, die ihren Beruf lieben, gerne unterhalten und dauernd was Neues ausprobieren. Die Chance besteht, dass es deswegen nie langweilig wird und es uns als DJs und Musiker noch sehr lange gibt.

Bernd: Ich denke und hoffe, es werden noch viele Geburtstage folgen. Vielleicht nicht in der Reihe „Discoarzt“, aber wir haben ja etliche Projekte vor uns: Songs, die produziert werden wollen, sowohl für uns als auch für andere Künstler, das neue Album „Morgen“, die neue Live-Tour und natürlich sind wir weiterhin als DJs in den Clubs unterwegs. Musik ist eben unsere Leidenschaft.

Wie geht‘s euch angesichts der rasanten technischen Entwicklung beim Musikkonsum und beim Auflegen, wenn ihr mal eure Anfänge mit dem heutigen Standard vergleicht?
Jens: Die Abläufe sind trotz iTunes, Beatport, Streaming und Digitalisierung auf ganzer Linie doch dieselben: Das Publikum feiert die Trackauswahl, die technischen Fähigkeiten, das Charisma eines DJs und nicht das ausgewählte Medium. Klar haben wir mit Vinyl angefangen, aber wer schleppt denn heutzutage noch seine schweren Koffer herum? Seien wir mal ehrlich: Es ist doch super, dass man mit einem CD-Mäppchen, einem Laptop und ein paar Sticks einen ganzen Abend bestreiten und so leicht um die Welt reisen kann. Obwohl es im Vergleich zur Vinyl-Arbeit schon ganz schön nerdig rüberkommt – bei manchen sieht es ja gar nicht nach Arbeit aus. Wir glauben, dass daher auch unser neu erwachter Poenitsch & Jakopic Live-Act mit Mikro und Instrumenten so gut ankommt. Man sieht wenigstens, dass wir richtig zupacken.

Bernd: Vinyl ist für mich immer noch stylisch, sexy und chic. Daran wird sich nichts ändern. Aber, ich muss Jens recht geben. Flightcases mit 20 bis 30 Kilo Gewicht oder mehr rumschleppen mit all dem übrigen Gepäck auf Flughäfen usw. – das muss nicht sein. Das hatten wir schon. Ich beschränke mich hier auch lieber auf Laptop, Controller und eine kleine Auswahl Vinyl. Zusätzlich zur Trackauswahl kannst du eben mit der Technik von heute während des Sets komplett neue Remixe und Spannungsbögen bauen, das war zu Vinylzeiten so nicht möglich. Mal eben `ne fette Bassdrum oder verschiedene Loops über ein A-capella-Stück legen, das Ganze noch zusätzlich mit Delays und anderen Effekten zu bearbeiten, das ging damals so nicht. Heute zeichnet das für mich ein kreatives DJ-Set aus. Tracks runterspielen kann jeder, behaupte ich mal. Aber eben mal on the fly daraus was Neues zu bauen, das ist wirklich kreativ.

Und was sagt ihr zum aktuellen Münchner Nachtleben, wenn ihr es mit euren Anfangszeiten vergleicht?
Jens: Viele wunderbare Clubs verschwanden, wegen auslaufender Verträge, weil Interessen eingeschworener Teams plötzlich auseinanderbrachen, weil die Anwohner Krieg erklärten, wegen des neuen biederen Geistes einer Stadt, die lieber noch ein weiteres kalkulierbares Kettencafé aufbaut als einen wilden, lebendigen Nachtclub voller Wagnisse. Aber: Gute Ideen setzen sich auch in Krisenzeiten durch, Leute brauchen Entspannung, Disco, Liebe und Exzess wie eh und je – und die Show geht immer weiter. Das ist ein logisches Gesetz.   Bernd: Das Nachtleben und die Clubs sind wieder in der Stadt. Juhu! Ich begrüße das sehr. Sei es damals der Kunstpark oder noch früher Riem, es war mir zu isoliert. Irgendwie wie Disneyland, da fuhr man also dorthin, um zu feiern … ins Ghetto-Party-Land! Komisch fand ich das. Für mich gehört das Nachtleben in die Stadt. Okay, Clubs kommen und gehen, aber das war doch schon immer so. Es ist wie in der Mode: immer was Neues, sonst wird’s langweilig!

Am kommenden Freitag stellt ihr ein neues Gemeinschaftsprojekt mit Sängerin Zoe und Kabarettist Moses Wolff im Milla-Club vor. Was dürfen wir da Spannendes erwarten?
Jens: Erwartet Bühnen-Action und viele Livesongs unseres kommenden Poenitsch & Jakopic Albums „Morgen“ (Veröffentlichung voraussichtlich Anfang 2015), mit Gästen und Freunden wie Moses und Zoe. Außerdem haben wir nach vielen Jahren als Techno-Duo die Band-Arbeit, echte Instrumente, das Live-Proben, die Wärme der Discomusik und smarte deutsche Texte wiederentdeckt. Aber keine Angst – wir sind und bleiben immer Kinder der Clubmucke. 

Bernd: Eine Mischung aus DJ-Act und Liveband, beides, aber diesmal mit dem Focus auf dem Live-Element. Das Ganze ist eingebettet von unserem DJ-Set davor und danach.

Werden Live-Acts oder zumindest ein paar Showeinlagen rund ums reine Auflegen prinzipiell immer wichtiger, um die Leute noch zu locken?
Jens : Ich denke, dass heutzutage alles geht, solange gute Songs und Künstler mit Format dahinter stecken, die auch auf der Bühne was bewegen – ganz egal ob als Vollelektroniker oder als Instrumentalisten. Um Leute langfristig zu locken, musst du natürlich richtig abliefern. Das geht mit dem freien Körpergefühl eines Live-Konzertes leichter als mit einem vergleichsweise starren, disziplinierten DJ-Set. Ich persönlich mag tatsächlich beides und mag mich gar nicht festlegen. Mein Traum war immer, beides zu verbinden und dem bin ich schon recht nahe gekommen mit Bernd, Zoe und Moses und unserem Gruppen- und Album-Projekt Morgen. Wir freuen uns schon sehr auf unseren ersten Aufritt im Milla und vor allem auf die Gesichter der Leute, die uns nur als DJs kennen…

Ihr habt für partygaenger.de einen schönen DJ-Mix vorbereitet. Wie würdet ihr den Mix in wenigen Worten umschreiben?
Jens: Morgen-Weekender.

Bernd: Weekend-Feeling.

Fr, 26.9., 22 Uhr
Milla, Holzstr. 28
www.milla-club.de

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