Munich Mix Sessions

DJ Linus im Interview

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In dieser Woche unser Lieferant für die Munich Mix Sessions: DJ Linus

Erfolgreicher DJ und Produzent, Gewinner der Munich Nightlife Awards 2013 und in dieser Woche unser Lieferant für die Munich Mix Sessions: DJ Linus.

Seit Ende der Achtziger bist du als DJ und auch als Produzent aktiv. Erzähl uns von Deinen Anfängen.

Linus: Nun ja, ich habe bereits 1979 meine ersten Platten gekauft. Da war ich noch ein Knirps, und somit wurde mir dieser Drang, Platten zu besitzen, wohl in die Wiege gelegt. DJ wollte ich aber eigentlich gar nicht werden. Es war mehr die Sammelleidenschaft aller möglichen unterschiedlichen und interessanten Arten von Musik, die mich dann zwangsläufig in diese Richtung verschlug.

Mitte der Achtziger bekam ich von einem Kumpel zwei Plattenspieler und einen Mixer zum Vorzugspreis und war dann automatisch der Geräuschemacher in unserer damaligen Clique. Und irgendwie bin ich später da so reingerutscht über Partys, Plattenladen arbeiten, Spüler in Discos usw …

Mit „Sujet Musique“ ist vor wenigen Tagen ein neues Münchner Label an den Start gegangen. Was hat es damit auf sich?

Linus: Also, das neue Label von mir habe ich bereits Sommer 2013 gegründet, ganz einfach, weil ich ein paar Stücke von mir unkompliziert rausbringen wollte. War also eher aus Eigennutz. Ich hatte noch von meinem alten Label gute Kontakte zum Vertrieb, und deswegen ging das Ganze auch ziemlich schnell über die Bühne. Ja, und wie es der Zufall oftmals so will, hat sich das ganze Ding verselbständigt.

Daher auch die etwas stärkere Medienpräsenz der letzten Tage. Habe professionelle Marketinguntestützung bekommen, da die kommende VÖ ein Sommer-Sampler ist und alle Künstler dieses Release pushen. Klar, davor haben die meisten von meinem Label noch nichts gehört, war auch eigentlich gar nicht meine Absicht. Auf soundcloud.com/sujetmusique gibt es übrigens einen Free Download zum Sampler von mir!

Seit rund acht Jahren bist Du Resident-DJ im Pacha München. Wie hat sich in der Zeit die Musik gewandelt und wie hat sich Deine musikalische Entwicklung vollzogen?

Linus: Es gibt hierbei zwei Entwicklungen meiner Meinung nach. Zum einen lege ich nicht mehr mit Platten, sondern mit SD-Karten auf, da sich elektronische Musik mittlerweile zu 90 Prozent auf digitaler Ebene abspielt. Was einen unglaublichen musikalischen Output zur Folge hat. Für mein Dafürhalten hat sich die Qualität im House-Bereich aber genau deswegen unwahrscheinlich gesteigert, da man ohne einen hohen Standard gar keine Chance hat, überhaupt noch gehört zu werden. Auf der anderen Seite gibt’s dieses EDM-Phänomen, was ich auf gar keinen Fall schlecht reden will, da ich Geschmack nicht beurteile. Nur denken halt die Leute, das sei House-Musik. Es ist Kommerz, egal ob gut oder schlecht, hat aber nichts mit House zu tun.

Und jetzt komme ich zum Pacha: Ich hatte die unwahrscheinlich tolle Gelegenheit, meine Vision von House auszuleben, und in langer Aufbauarbeit mit dazu beizutragen, einen qualitativ hochwertigen, zeitgemäßen Sound im Pacha zu etablieren und eben kein EDM. Und dahin habe ich mich auch selber entwickelt, eine Art konsensfähiger Tech-Deep-House, der mir so viel Spaß bereitet wie schon lange nicht mehr. Eine ganz tolle Entwicklung, wie ich finde, wenn man bedenkt, dass man den Club eher mit kommerzieller Musik verbindet. Das Pacha München ist am Wochenende genau das Gegenteil. Hier gibt es einen Club auf höchstem musikalischen Niveau mit einer Anlage, Gast-DJs und Clubgästen, die mich immer wieder zum Staunen bringen.

Wie siehst Du ganz allgemein die Entwicklung der elektronischen Musik in München. Wie hat sich der Markt in den vergangenen Jahren verändert und wohin kann die Reise gehen?

Linus: Also, EDM hat den Markt in kommerzieller Hinsicht übernommen. Aber alleine die unzähligen Sommerfestivals in und um München beweisen genau das Gegenteil. Die Leute stehen auf den guten, alten "Four to the Floor-Arschwackel-House- Sound" in all seinen Facetten.

München bietet die besten Voraussetzungen hierfür und für Gastronomie generell, und ich glaube, da wird sich in Zukunft auch nichts weiter ändern – ich bin aber dennoch gespannt. Es wird immer Kommerz versus Underground sein. Kommt drauf an, was der der Veranstalter und der DJ draus machen!

Gibt es Entwicklungen die dich begeistern, oder ganz im Gegenteil auch enttäuschen?

Linus: Mich begeistert definitiv die Vielfalt und das Verschwimmen von musikalischen Grenzen. Es gab noch nie so viele Freiheiten und Möglichkeiten in der Musikwelt. Was mich jedoch enttäuscht ist, dass die Leute denken, Musik sei umsonst. Youtube & Co machen es nahezu unmöglich, rein als Komponist von Musik zu leben.

Im November des vergangenen Jahres bist Du bei den Munich Nightlife Awards als bester DJ „Techno & House“ ausgezeichnet worden. Wie bist Du damit umgegangen? Warst Du überrascht?

Linus: Für mich war es eine große Ehre und eine Art Anerkennung von Fans, Freunden und Kollegen. Das werde ich immer im Herzen tragen. Und ja, ich war sehr wohl überrascht! Hatte nicht wirklich damit gerechnet.

Kommenden Samstag spielst Du mit der UK-DJ-Legende John Digweed auf dem „Cool bleiben“ Open Air. Freust Du Dich schon?

Linus: Ich freu mich wie ein Schnitzel! Möchte nur an die legendäre 850-Jahres-Feier der Stadt erinnern! Das war eines meiner Münchner Highlights ever! Und außerdem ist John Digweed mein derzeitiger Lieblings-DJ – was für ein Künstler! Muss man mal gesehen und gehört haben!

Ein paar Worte zu deinem Mix.

Linus: Der Mix ist vor 2 Wochen auf der Afterparty zu Greenfields entstanden – natürlich im Pacha. Einer meiner Lieblingspartys, da ich da genau meinen Sound spielen kann, und alle eh schon nach 10 Stunden voll auf GO sind. Ich kann nur sagen: MEGA!

Ein paar letzte Worte an unsere Leser?

Linus: Hmm, alles was ich sagen könnte, wäre neunmalklug. Ich glaube eher, ich möchte den Lesern nur das Beste wünschen! Denn wenn's allen gut geht, gibt’s keinen Ärger!

Hier geht es zum Mix.

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