Sechs Musiker und ein Straßenrapper

Local-Heros Mundhaarmonika: „Ich feier München extrem“

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Aus sieben Männern besteht die Band Mundhaarmonika. Allerdings bekannt ist meistens nur der Rapper.

Sie waren einmal vier bayerische Musikstudenten und ein Straßenrapper. Nun sind sie sechs bayerische Musiker und ein Rapper: Mundhaarmonika.

2014 gewannen sie mit ihrer klugen Mischung aus Hip-Hop, Funk, Blues und Jazz den Band Contest der Stadtsparkasse München. Seither sind sie mit ihrem ersten Album „WhatsRap“ auf den Bühnen des Landes unterwegs. Nun erscheint am 28. Juli das neue Werk der Münchner Combo: „Raptestdummy“. Mundhaarmonika nennt sich übrigens vor allem auch der Rapper und Kopf der Combo. Bei ihm laufen die Fäden zusammen. Denn er steuert nicht nur seine Stimme bei, sondern ist auch für die Texte, die Plattencover und den Internetauftritt verantwortlich. Das Multitalent aus Augsburg rappt über soziale Netzwerke, das Leben in der Stadt, Beziehungen oder ganz einfach über den Alltag. Im Interview erzählte er uns von seinem Bezug zu München sowie wer die Band ist und wofür sie steht.

Hallo Mundhaarmonika, erzähl doch mal, wer gehört alles zu Deiner Combo? 

Mundhaarmonika: Aktuell sind wir sieben Leute, bestehend aus den Produzenten Andreas Begert, 26 Jahre, Keys und Piano, sowie Felix Renner, 25 Jahre, am Bass. Dann sind da noch Vincent Crusius, 23 Jahre, er spielt die Live Drums, und Temren Demirbolat, 28 Jahre, DJ und zuständig für Management. Ebenso dazu gehören noch Marcel Chylla, 27 Jahre, Video, und Matthias Kieslich, 28, zuständig für Ton, Live-Mix und Mixdown. Und schließlich wäre da noch ich: Mundhaarmonika, 29 Jahre alt, Rapper, MC und Produzent.

Was muss man sich unter Eurer Musik vorstellen?

Mundhaarmonika: Dadurch, dass meine Musiker alle Musik studiert haben und in so krass vielen verschiedenen Bands spielen, sind die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse bei uns extrem weit gefächert. Auch in der Songstruktur selbst sind wir eigentlich alle eher Fans von verschachtelten und abwechslungsreichen Arrangements á la Bilderbuch oder Tua. So mixen wir wie die Wilden einfach das zusammen, was uns Spaß macht. Ohne Rücksicht auf Regeln oder Gewohntes. Das ist schwer in Worte zu fassen. Muss man anhören. Hat aber trotzdem einen hohen Wiedererkennungswert.

Das liegt wahrscheinlich dann aber eher an meiner Stimme. Die ist schon sehr speziell, was mich aber nicht stört. Find‘ ich eher gut. Dadurch ist es doch viel leichter aus der Masse hervorzustechen und etwas ganz Neuartiges zu kreieren.

Auch bei meinen Themen versuche ich immer alles aus einem etwas anderen Blickwinkel zu beleuchten, Sachen umzudrehen oder sich die künstlerische Freiheit zu nehmen und bewusst auszuleben. Da wird dann zum Beispiel der deutsche Satzbau auch gerne mal etwas durcheinandergewürfelt oder Worte bewusst falsch gesetzt. Häufig, wenn ich Freunden neue Songs zeige, ist das erste, das sie sagen: Mal wieder ein klassischer Mundhaarmonika. Das ist doch geil. Dadurch hab ich die Gewissheit, dass unser Style auch Wiedererkannt wird.

Dann anders gefragt: Was macht Ihr nicht? 

Mundhaarmonika: Fahrstuhl fahren. Weil ich Angst davor habe, stecken zu bleiben. (grinst) Im Zusammenhang mit unserer “Mucke” oder unserem allgemeinen Tun müsste die Frage eher heißen: Was versucht ihr nicht zu machen? Ich bin ein Künstler, der genaue Vorstellungen davon hat, was er gerne machen will. Ich weiß ja auch, was ich gerne höre und was eben nicht. Und das beeinflusst mich natürlich. Wenn ich z.B. das Radio anmache, dann kommt bei 99% der Sender eigentlich immer so leichte Kost. Also eigentlich weiß ich es zur Zeit gar nicht, da ich kein Radio mehr höre. Aber neulich war bei uns im Studio eine Baustelle und die Handwerker hatten so ein Baustellenradio dabei. Voll klischeemäßig. Und da lief den ganzen Tag irgend so ein Format-Radio. Ich will jetzt nicht wieder, wie schon Tausende vor mir, diese Radiokiste aufmachen, aber das ist echt Nebenbei-Musik.

Worauf ich hinaus will: Wenn ich irgendwann mal Musik mache, die bei Spotify auf einer dieser “Easy Listening Sunday”-Listen landen sollte, dann rüttelt mich bitte dreimal ganz feste durch. Für mich gibt es nämlich nicht Schlimmeres. Ich will Musik machen, die einmal nachdenklich macht, ein anderes mal aggressiv macht, ein drittes Mal traurig macht, und beim nächsten mal wieder total selbstironisch oder sarkastisch herkommt. Ich will dass sich der Hörer mit meinen Songs auseinandersetzen muss. Dass er oft aufgerüttelt wird. Dass die Themen so gewählt sind, dass der Hörer immer bei der Sache bleiben will. Das ist für mich gute Musik.

Und wenn Musik so einfach und vorhersehbar ist, dass der Hörer fast einschläft, dann ist es genau das, was ich versuche NICHT ZU MACHEN!

Wie kamt ihr als Band zusammen? 

Mundhaarmonika: Eigentlich hat mit Andi und mir alles begonnen. Ich hab zwar vorher schon ein paar wenige Songs unter dem Namen Mundhaarmonika veröffentlicht, das war aber nie so richtig mit einem vorgegeben Ziel. Unsere Freundinnen kennen sich schon länger und dann waren wir mal eines Morgens gemeinsam gemütlich beim Brunchen. Und da habe ich herausgefunden, dass der Andi Musik studiert und dann läuteten bei mir natürlich alle Alarm-Glocken. Wir haben uns dann erst einmal ganz unverbindlich ein paar Mal getroffen, um gemeinsam zu jammern. Daraus entwickelte sich aber sehr schnell mehr.

Worum geht es in Eurer Musik? Ich schreibe eigentlich immer über Themen, die mich gerade direkt bewegen. Vom kritischen Hinterfragen der sozialen Medien über verträumt erzählten Märchen bis hin zu motivierend zusammengesponnen Zukunftsaussichten kann da alles vorkommen. Oft verarbeite ich Dinge auch über Sarkasmus und Selbstironie. Wichtig ist mir dabei immer, mir selbst treu zu bleiben und immer ehrlich zu sein.

Und was macht ihr dabei anders?

Wir versuchen, alles anders zu machen. Egal, welche Entscheidung ansteht, wir versuchen immer, noch einmal genauer hinzuschauen und das ganze System etwas anders zu denken. Zum Beispiel haben wir schon immer einen festen Tontechniker und einen Videoproduzenten, die als vollwertige Crew-Mitglieder im Projekt dabei sind. Welche Newcomer-Band hat sowas? Das Gleiche mit der Label-Frage… Wie viele kleine Bands da draußen klopfen tagtäglich bei irgendwelchen großen Majors oder auch kleineren Independents an und wollen gesignt werden? Zu viele. Deshalb haben wir einfach ein eigenes Label gegründet. Was bis jetzt eigentlich super funktioniert. Bis jetzt haben wir uns lediglich bei der Promo Unterstützung von außen geholt. Auch beim Booking möchten wir in naher Zukunft noch jemanden ins Boot holen. Wie gesagt, wie schauen einfach immer, wie es die anderen machen. Meistens schauen wir aber eher auf weitaus bessere und größere Bands, da lernt man einfach mehr. Dann überprüfen wir, ob es noch besser geht, machen dann meistens irgendetwas anders und zack, feddich: Mundhaarmonika.

Inwiefern ist der bayerische Background für Eure Musik wichtig?

Mundhaarmonika: Im Zusammenhang mit Mundart oder der klassischen Blasmusik eher wenig. Dafür gibt es mit Acts wie Monaco Franze, BBou oder auch MoopMama, die das krass gut in unsere Zeit interpretieren. Da sehen wir uns eher weniger.

Was die bayerische Lebenseinstellung und Mentalität betrifft, jedoch voll. Viele schimpfen über München und ziehen immer die florierende Subkultur von Berlin als Argument aus der Tasche. Berlin kann man aber überhaupt gar nicht mit München vergleichen. Das sind zwei komplett unterschiedlich denkende Städte. Und das ist auch gut so. Die Stadt ist doch immer so geil, wie man sie sich selbst gestaltet. Ich feier‘ München extrem. Man muss halt die richtigen Plätze kennen, an denen man sich wohlfühlt. Wer keinen Bock hat, sich mit seiner Stadt hier auseinanderzusetzen, der soll gerne nach Berlin gehen. Da gestalten dann aber auch wieder die anderen die Stadt. Denn wer hier nix gebacken bekommt, bekommt es da oben auch nicht hin. Selbst ist die City! Nicht: selbst ist der Grantler und Wutbürger.

Hilft es, aus verschiedenen Ecken Bayerns zu kommen?

Mundhaarmonika: Oder war dies auch im Schreibprozess mal hinderlich – zum Beispiel in Anbetracht von Ausdrucksweisen, Instrumenten-Vorlieben etc.? Dass wir aus ursprünglich alle aus verschiedenen Ecken Bayerns kommen, war eigentlich nie von Bedeutung. Wir leben ja alle in München, haben dort unser Studio und arbeiten hier. Also verbindet uns die Stadt viel mehr, als unsere frühere Herkunft. Für mich persönlich hilft es jedoch sehr, ursprünglich nicht aus München zu sein. Als “Zuagroaster” (lacht). Für mich war und ist München eine Inspirationsquelle, weil ich eben früher oft auf dem Land war. Dadurch kommt einem die Stadt noch viel größer vor, man genießt die Anonymität und nimmt Sachen viel intensiver war. Zum Beispiel feier‘ ich den Duft der U-Bahn extrem. Das ist für mich immer ein Geruch von Freiheit, Größe und der Schnelligkeit dieser Stadt. Ich liebe es.

Eine schöne kleine Hymne über die Stadt. Man merkt: Worte sind Dein Ding. Welches sind denn neben dem Rap noch Eure wichtigsten Ausdrucks-„Tools“ und weshalb? Das mit Abstand wichtigste für mich sind natürlich die lyrischen Inhalte. Das ist ein wirklich magisches Tool. Wenn man weiß, wie man es richtig einsetzt dann macht es auch richtig Spaß und man kann viel damit ausdrücken. Mindestens genauso wichtig ist uns aber auch die Musik. Und die Jungs sind wirklich gut darin, verschiedene Stimmungen zu generieren. Vor allem die richtige Stimmungen für meine Inhalte. Das ist sehr abwechslungsreich. Und die Kombination aus beidem ergibt dann genau unseren eigenen Style.

Wo wollt Ihr mit Eurer Musik hin?

Mundhaarmonika: Gibt es einen Masterplan? Klar gibt es den. Ohne Plan geht heutzutage nichts mehr im Musikbusiness. Wahrscheinlich war das aber auch schon immer so. Dafür bin ich zu kurz im Musikbusiness drin. Aktuelle Themen sind für uns zum Beispiel, einen Partner zu finden, der das Booking übernimmt. Nächstes Jahr werden wir uns an unser zweites Album machen. Dieses Jahr spielen wir noch einige Konzerte. Und wir versuchen immer spannende Inhalte zu bieten. Beispielsweise haben wir für unsere Fans gerade drei Songs in einer Jazz-Version aufgenommen. Solche Dinge machen wir eigentlich die ganze Zeit. Soll ja auch Spaß machen und nicht immer nur Business. (lacht)

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