Großes Interview

Midge Ure: „Ich bin glücklich mit meiner Solo-Karriere“

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Midge Ure (63) ist Grammy-Preisträger, holte den Brit-Award, trägt sogar einen Adelstitel.

Midge Ure (63) ist Grammy-Preisträger, holte den Brit-Award, trägt sogar einen Adelstitel. Bis heute veröffentlicht er Alben für eine international treue Fan-Gemeinde. Im September kommt der ehemalige Sänger der Synthie-Pop-Band Ultravox für ein Konzert nach München. Wir sprachen mit ihm.

Midge, Deine Karriere ist ein einziger Superlativ: Erster Nummer 1-Hit mit 22 Jahren, dann warst Du als Gitarrist für die Sex Pistols im Gespräch, aber Du hättest lieber mit Thin Lizzy gearbeitet, und hast schließlich mit Glen Matlock von den Pistols bei den Rich Kids gespielt. Es folgte die Gründung von Visage, der weltberühmte Hit "Fade To Grey" und dann Ultravox, eine sehr erfolgreiche Karriere und letztlich zahlreiche Medaillen und Ehrenpreise. Die Königin hat Dich sogar mit dem britischen Verdienstorden OBE ausgezeichnet. Was fühlst Du, wenn Du auf Deine Karriere blickst?

Midge Ure: Ich bin unglaublich glücklich! Wie erstaunlich ist es, dass ich in der Lage bin, mein berufliches Leben damit zu verbringen, was mir enormes Vergnügen bereitet. Das ist toll! Und ich bin sehr, sehr dankbar.

Das letzte Mal, als Du mit einer kompletten Band auf Tour warst, war 2014 und 2016 in den USA. Wie wird es dieses Jahr in Europa werden? Können wir zum Beispiel einige Überraschungen in Bezug auf die Liederauswahl erwarten?

Ure: In Europa bin ich seit 2003 nicht mehr mit einer kompletten Elektroband umhergefahren, außer bei Ultravox. Das unterscheidet sich schon mal von meinen letzten Touren. Was die Songs anbelangt: Es ist gut, in der Lage zu sein, einige Lieder aus der Vergangenheit zu spielen. In der Tat gibt es auch ein paar Überraschungen in der Set-Liste, aber ich werde diese Überraschung nicht im Voraus verderben... (lacht) Lass es mich so sagen: Es wird definitiv interessant werden! Wir sind technisch auf dem neusten Stand – und das spiegelt sich in allen Facetten in der Show wieder. Ein volles elektronisches Drum-Kit ist dabei, das in der Lage ist, all die klassischen Ultravox-Sounds neu zu erstellen. Es ist sehr aufregend, damit herumzuexperimentieren. Und die Show wird zudem sehr keyboard-orientiert sein, obwohl ich natürlich auch meine E-Gitarre mitbringen werde! Ganz klar! Es wird also eine gute Kombination einiger klassischer Lieder mit einigen Raritäten! Und eben auch Neues.

Paul Mc Cartney sagte einmal in etwa: Ein Lied ist dann ein guter Song, wenn es auch ohne opulente Instrumente und Soundeffekte, also nur in seiner Grundstruktur funktioniert. Siehst Du das ähnlich? Schließlich waren die Songs in den 80er zum Teil sehr opulent, und Du präsentierst Deine Hits in reiner Akustik.

Ure: Ich denke, es ist eine interessante Aufgabe und Herausforderung, Songs in einer Vielzahl von Formaten präsentieren zu können. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Produktion in den 80er Jahren generell opulent war. Aber es ist schön, in der Lage zu sein, einen neuen Ansatz in die Musik einfließen zu lassen. Ein gutes Lied wird funktionieren, egal ob es auf einer akustischen Gitarre oder mit einem kompletten Orchester gespielt wird. In der Tat habe ich gerade ein Album mit einer Auswahl meiner Songs mit erstaunlichen Orchester-Arrangements für BMG beendet. Dank Ty Unwin ist das Album eine aufregende Reise durch meine Musik. Mein aktueller Stand ist, dass es wohl im Dezember 2017 veröffentlicht wird.

Viele Leute wissen gar nicht, welche Rolle Du bei „Live Aid“ gespielt hast. "Do They Know It’s Christmas?" hast Du zusammen mit Bob Geldof geschrieben. Und Du hast zum großen Teil im Hintergrund mitorganisiert. Hättest Du jemals gedacht, dass dieses Lied so ein Podium werden könnte?

Ure: Absolut nicht. Nein. Es war ein Lied, das einen besonderen Sinn hatte und dem Zweck des Helfens dienen sollte. Es ist nicht das beste Lied überhaupt. Aber es hat das erreicht, wofür es geschrieben wurde: Nämlich Leben zu retten!

Im Jahr 2004 veröffentlichtest Du Deine Autobiographie mit dem Titel "If I Was ...". Etwas vorzeitig, wie ich finde. Denn Du bist ja immer noch sehr aktiv. Und vor allem durch die Wiedervereinigung mit Ultravox auch dahingehend wieder gut im Geschäft. Allein dieses Kapitel müsste der Biographie noch hinzugefügt werden. Wie könnte dieses Kapitel aussehen, was denkst Du?

Ure: Das Ultravox-Wiedersehen schien funktioniert zu haben. Das war auch toll. Aber jetzt konzentriere ich mich wieder voll und ganz und vor allem glücklich auf meine Solokarriere. Ich habe derzeit keine Pläne, die Autobiographie wieder zu aktualisieren - ich bin zu beschäftigt!

Abgesehen von dem kommerziellen Erfolg, haben Deine Songs auch das Leben von vielen Menschen begleitet. Wie fühlt sich das an? Ist das nur Ehre oder manchmal auch eine Last?

Ure: Ganz klar: Es ist ein Privileg, eine Rolle im Leben der Menschen zu spielen! Ich höre immer wieder von den Leuten, wie meine Lieder der Soundtrack zu ihren Leben waren und wie sie ihre verschiedenen Lebensereignisse mitgeprägt haben. Bis heute bin ich davon total beeindruckt. Wer hätte gedacht, dass dies möglich sein würde? Ich jedenfalls nicht, als ich noch in einem Mietshaus in Glasgow aufwuchs. Das ist ziemlich toll!

Midge Ure on Tour

Wann: 28. September 2017, 20 Uhr

Wo: Technikum

Tickets: ab 43 Euro, erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen

Weitere Infos unter: www.midgeure.co.uk

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