Partymacher mit Sommersorgen

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Cowlick Lee & Carsten Harbeck im 59:1

München - tz-Partykolumnist Tom Oßwald über die Schwierigkeiten, ein Sommerfest in einem Keller-Club zu veranstalten und die fehlende Gäste im 59:1.

Ist irgendwie schwierig, ein Sommerfest in einem Keller-Club zu veranstalten. Die Spielwiese hat’s am Samstag trotzdem versucht, fünf Wochen nach der Übersiedelung vom Optimolwerk an den Maximiliansplatz, dem östlichen Ende der Feierbanane. Dass das Unterfangen Sommer im Souterrain nicht ganz einfach wird, dürfte sich auch Club-Chef Jörg Thiel gedacht haben, und stellte das Event vorsichtshalber mal unter das Motto Oben ohne.

Barkeeper mit nackten Oberkörpern wurden avisiert, getreu der Gastronomen-Faustregel: Gute Jungs hinter der Bar ziehen gute Mädels vor die Bar, in deren Schlepptau, dass dann andere, bestenfalls spendierfreudige, Männer kommen. Dazu wurde Mädels im Bikini freier Eintritt in Aussicht gestellt und das Mitbringen einer Sonnenblume mit einem halben Liter hartem Stoff belohnt. Ein anderes Getränke-Special heißt Boote versenken, Wodka nebst Beigetränken zum „Torpedo-Preis“.

Manchmal kann so ein Geschoss auch nach hinten losgehen: Gegen 1 Uhr morgens schleppt ein Security-Mitarbeiter ein Mädel die Treppe nach oben. Sie hat sich selbst versenkt. Vielleicht hatte sie auch einfach nur zu viele Sonnenblumen mitgebracht. Derweil tanzen die Partygänger zu Mainstream, richtig voll ist es nicht. Vielleicht liegt’s daran, dass der Barkeeper doch nicht topless ist. Und die Barkeeperinnen ebenfalls nicht. Vielleicht passt der Sommer aber einfach nicht in den Keller.

Mit dem guten Wetter hadert am frühen Sonntagmorgen auch Cowlick Lee. Der DJ, der im bürgerlichen Leben eigentlich Uli Hallama heißt und Buchhalter in einer Werbeagentur ist, steht hinter dem DJ-Pult des 59:1 (Sonnenstraße 28) bei seiner Rock The Bop-Party – „normalerweise die größte und erfolgreichste Rockabilly-Party der Stadt“, sagt er. Nur nicht an diesem Wochenende, knapp 100 Gäste verlieren sich in dem Live-Club.„Sonst sind es bis zu 400, das Schlechteste waren 200 Gäste“, so Mr. Lee. Vor zwei Jahren hat er übrigens in dem Club seine Frau Sarah kennengelernt, im Frühjahr war Hochzeit in Las Vegas, natürlich im Retro-Outfit – das Rockabilly-Ding ist für Hallama mittlerweile Lebenseinstellung.

Zum Dinner ging’s anschließend mit den beiden Trauzeugen ins Golden Steer. Das legendäre Steakhouse hatten in der goldenen Vegas-Ära bereits das Rat Pack um Frank Sinatra, Marilyn Monroe und Elvis Presley zu ihrem Stammlokal erkoren. An deren Tisch saß auch die Hochzeitsgesellschaft. „Das war ganz große Klasse“, erinnert sich Hallama. Das Mischpult hat inzwischen Carsten Harbeck übernommen. Er ist eigentlich Bassist von gleich drei der bekanntesten Rockabilly-Bands der Republik, darunter Cherry Casino. Hier und jetzt im 59:1 aber heißt er The Bobbing Monkey Revue – und macht den Affen. Stimmung prächtig, aber eben etwas wenig los. Es ist halt Sommer.

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