Neue Musik-Tarife: Clubs laufen Sturm!

München - Die neue GEMA-Tarifstruktur ab 2013 sorgen bei den Münchner Clubbetreibern für Entsetzen. Die GEMA-Gebühren sollen um bis zu 1.000% steigen...

Entsetzen bei Münchens Club-Betreibern! Nachdem die GEMA-Verwertungsgesellschaft der Musikschaffenden am 2. April ihre Tarifänderung zum nächsten Jahr vorstellte, begann bei den Nachtclub-Wirten das Rechnen – und nun das Klagen. Sie müssen um das x-Fache mehr an die GEMA zahlen, um in ihren Clubs öffentlich Musik abspielen zu dürfen.

Nun formiert sich erster Widerstand. Gestern bat der Verband der Münchner Kulturveranstalter (VdMK) zum Pressegespräch, an dem auch viele Szene-Gastronomen teilnahmen. Und keiner wollte von jener Entlastung sprechen, die die GEMA laut eigener Aussage „bei nahezu allen Veranstaltungen mit geringer Raumgröße und moderaten Eintrittsgeldern“ verspricht. VdMK-Vorstand Dierk Beyer rechnet vor: „Ein typischer Innenstadt-Club mit 200 Quadratmetern Fläche und vier Öffnungstagen zahlt derzeit beim Eintritt von 7 Euro eine Pauschale von 5779,44 Euro im Jahr, nach dem neuen Tarif werden es 43.680 Euro sein – eine Steigerung von 656 Prozent.“ Constantin Wahl, der am Americanos City, Pacha und Max & Moritz beteiligt ist, erkundigte sich telefonisch bei der GEMA. „Die haben mir gesagt, dass ich im Americanos statt 2500 Euro künftig 13.500 Euro zahlen muss, im Max und Moritz 86.000 Euro statt 11.000 und im Pacha 111.000 Euro statt bisher 7.000.“ Auf seine Frage, wie das zu bezahlen sei, wurde ihm beschieden, dass das eine faire Struktur sei. „Da habe ich das Gespräch abgebrochen“, sagt Wahl.

Crowns-Club Chef Oliver Reif (Anstieg der Abgaben von 6.000 auf 72.000 Euro) fürchtet um die Zukunft. „Einen kulturellen Auftrag zu erfüllen, können wir uns künftig abschminken, teure Bookings kann sich keiner mehr leisten.“ Zwar betonen fast alle Wirte, dass sie das Urheberrecht anerkennen und die Künstler für die Verwertung ihrer Musik angemessen vergütet werden müssen – „aber das Irre ist ja, dass gerade die Künstler, die in den Elektro-Clubs gespielt werden, kaum was abbekommen, dafür aber Peter Maffay, Heino oder Dieter Bohlen“, klagt Beyer.

Vor allem an der Angemessenheit zweifelt VdMK-Anwalt Franz Erlenmeier. „Eine Steigerung von 1000 Prozent geht schon Richtung Sittenwidrigkeit.“ Er prüft mögliche Rechtsmittel bis hin zur Petition beim Bundestag. In den nächsten Wochen wollen die Münchner Clubs hierzu Unterschriftenlisten für ihre Gäste auslegen. Die Teilnahme ist auch online unter www.openpetition.de möglich.

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