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Neuer Rassismus-Test im Münchner Nachtleben

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Von: Ramona Weise, Jasmin Menrad

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Schwarze sollen laut einem Test nur schwer in Clubs kommen. © Leiprecht

München - Wie rassistisch ist das Münchner Nachtleben? Das hat das Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern getestet. Hier lesen Sie das Ergebnis.

Zwei weiße und zwei schwarze Männer versuchten kurz hintereinander in einen Club zu kommen: Beim ersten Versuch am 14. November wurden die Schwarzen bei 20 Diskotheken 14 Mal abgewiesen, während den Weißen der Zutritt nur einmal verwehrt blieb. Bei einem erneuten Test am 27. November wurden die Schwarzen bei 25 Clubs 14 Mal abgewiesen – die weißen Kollegen hatten dagegen nirgends ein Problem.

Alex Wolfrum vertritt 30 Clubs im Verband der Münchner Kulturveranstalter und bezeichnet den Test als Pauschalurteil. „Türstehern geht es nicht um die Hautfarbe, sondern um die Stimmung“, sagt Wolfrum. Bereits 2013 hatte er sich nach einem ähnlichen Test mit dem Ausländerbeirat zusammengesetzt. Damals hatte Hamado Dipama aus Burkina Faso sechs Clubs wegen Diskriminierung verklagt: Drei Prozesse endeten mit Vergleichen, zweimal siegte er, einen verlor er. Im Test jetzt sieht er eine leichte Verbesserung. Trotzdem überlegt sich das Netzwerk, rechtliche Schritte gegen die Clubs einzuleiten. Die tz sprach mit zwei Testern über ihre Erfahrungen:

Ich bin nicht willkommen

„Menschen wie ich, die eine dunkle Hautfarbe haben, sind nicht überall

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Boubacar Bah (29), Sozialbetreuer © wei/min

willkommen. Oft sind wir beim Test mit Worten angegriffen worden, als wir gefragt haben, warum wir nicht reindürfen. Vor einer Disko hat mich ein Türsteher weggeschoben und gesagt, dass ich abhauen soll. Nur fadenscheinige Gründe wurden genannt. Etwa, dass der Club schon voll sei. Die weiße Testgruppe ist aber reingelassen worden. Das sind nicht nur Erfahrungen, die ich bei diesem Test machen musste. Privat gehe ich deshalb schon lange nicht mehr in Clubs.“ Ein Schock-Ergebnis

Ein Schock-Ergebnis

„Wir waren ähnlich schick angezogen, standen hintereinander in der

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Simon Andrae (21), Student © wei/min

Schlange und trotzdem ist mein Freund Boubacar in fast keinen Club gekommen – im Gegensatz zu mir. Ich habe so etwas schon befürchtet, aber so ein schockierendes Ergebnis hatte ich nicht erwartet. In meinem Freundeskreis habe ich viele Schwarze, die alle mit demselben Problem kämpfen: Sie kommen nicht in Diskos. Wir wollen mit dem Test auf das Problem aufmerksam machen und hoffen, damit etwas zum Positiven zu verändern.“

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