Samstagabend in Münchens Clubs

Protest gegen neue GEMA-Regeln

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Die Tanzfläche der Diskothek Pacha

München - Normalerweise kämpfen Münchens Club-Betreiber und DJs dafür, dass in ihren Läden die Musik nie ausgeht. Doch am Samstagabend wird es ausnahmsweise mal anders sein.

Ein Sound-Loch ist schließlich tödlich für die Stimmung. Am Samstag werden viele Diskotheken aber freiwillig auf Musik verzichten – fünf Minuten lang, von 23.55 Uhr bis Mitternacht. Weil sie gegen die neue GEMA-Gebührenordnung protestieren, die 2013 in Kraft treten  soll.

„Sie ist tödlich für die ganze Branche“, sagt Tom Hilner, einer der Chefs des Pacha am Maximiliansplatz. „Sollte der neue Tarif wirklich eintreten, dann wird das große Club-Sterben in Deutschland beginnen. Keine internationalen DJs und Live-Acts mehr, keine Partys mehr“, sagt der Gastronom. Das Nachtleben in Deutschland würde quasi über Nacht ausgerottet. Nach dem neuen System gelten dann nur noch zwei Parameter zur Berechnung der Zwangsabgabe an die Musik-Urheber: die Größe der Veranstaltungsfläche und der Eintrittspreis.

Laut GEMA soll die neue Regelung über 60 Prozent der Einzelveranstaltungen entlasten. Stärker belastet sind allerdings Clubs mit regelmäßigen Veranstaltungen – vor allem auch unter der Woche, wenn sie nicht so gut besucht sind. Das Pacha müsste nach Angaben Hilners künftig 1 280 Prozent mehr zahlen als bisher. „Das wären um die 140 000 Euro pro Jahr.“

Am Samstag wird DJ Hell deshalb kurzfristig der Saft am Pacha-Mischpult abgedreht. Mit von der Partie sind: Bob Beaman, Café am Hochhaus, Max & Moritz und Neuraum. „Wir wollen für die Gäste spürbar machen, was das bedeuten kann, wenn plötzlich keine Musik mehr läuft“, erklärt auch Dierk Beyer von der Craft AG, die den Neuraum betreibt. Bereits Anfang der Woche haben in Berlin über 5000 Menschen gegen die Gebühren-Reform der GEMA protestiert.

Thomas Oßwald

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