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Susanne Riesch: Im Schatten der großen Schwester

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Susanne Riesch steht im Schatten ihrer großen Schwester Maria. © BSE-Pictures

Garmisch-Partenkirchen - Susanne Riesch wird von der Öffentlichkeit häufig nur als die kleine Schwester der großen Maria wahrgenommen – zu unrecht.

Überall ist sie dabei, nirgendwo gehört ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit – weder auf der großen Bühne des Sports, noch bei Glimmer, Glitzer und Glamour. Als Maria Riesch in der P1-Exklave im Kurhaus von Garmisch-Partenkirchen ihre Partnerschaft mit einem exklusiven Schweizer Uhrenhesteller feierte, war Schwester Susanne auch da – aber nicht mittendrin. Maria stand im schwarzen Paillettenkleid im Blitzlichtgewitter, Susanne, blond, dezent geschminkt – sie trug eine weiße Bluse, sah darin aber nicht weniger schick aus – daneben. Zum großen Trubel – den die Frankfurter Rundschau als „Marienkult“ titulierte – hielt sie ganz bewusst Abstand. „Es war nicht meine Veranstaltung."

Wenn sie Hof hält, tut sie das im kleinen Rahmen – allerdings im gepflegten Ambiente von Marias Corner, einer Lounge, die das Management der erfolgreicheren Schwester im ersten Stock des Kongresshauses eingerichtet hat. Susanne sitzt in einem stylischen weißen Sessel. Sie reagiert gelassen und unaufgeregt auf die Fragen, die während der WM jeder stellt – und mit denen sie nicht nur in diesen Tagen konfrontiert wird. Sie sind ihr ständiger Begleiter. Wie fühlt es sich an, die kleine Schwester einer Doppel- Olympiasiegerin und eines Medienstars zu sein? Nervt das nicht? „Mittlerweile bin ich das gewohnt“, antwortet sie und ihre Körpersprache verrät, dass sie die Wahrheit sagt. „Vor ein paar Jahren war das noch schlimmer, weil ich gar keine Chance hatte, aus dem Schatten rauszutreten.“

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In der vergangenen Saison hatte sie sich emanzipiert, die unsichtbaren Fesseln gesprengt. Im Slalom war die 23-Jährige beständig in die Weltspitze gefahren, vor den Olympischen Spielen von Vancouver 2010 galt sie als Geheimtipp auf eine Medaille. Als Vierte des ersten Durchgangs hatte sie Edelmetall vor Augen, als sie im zweiten Lauf scheiterte. „Ein dummer Fahrfehler“, erinnert sie sich. „Ich hatte diese Medaille unbedingt gewollt, weil sie das Highlight einer guten Saison gewesen wäre. Deshalb war ich etwas verkrampft.“

Dieses Negativerlebnis – sie war ausgeschieden, Maria Riesch hatte Gold gewonnen – hing ihr einige Wochen nach. „Aber nicht besonders lange. Ich hatte schnell damit abgeschlossen, weil ich wusste, dass die Heim-WM vor der Tür steht, die für mich persönlich fast noch das wichtigere Rennen ist, als das bei Olympia.“

Die Archive der Medien vergessen indes nichts. Das Thema vom „Trauma Olympia“ kramte die Öffentlichkeit wieder hervor, als Susanne Riesch nach einem vierten Platz beim Weltcup-Slalom im finnischen Levi – damit erfüllte sie die WM-Norm – in eine kleine Krise geriet, häufig ausschied und als zweitbestes Ergebnis einen zwölften Rang in Courchevel (Frankreich) erzielte. „Mit den Ausfällen ist die Unsicherheit gekommen. Ich habe mich nicht mehr getraut, ans Limit zu gehen.“ In ihrer Not („Plätze zwischen acht und 15 sind nicht mein Anspruch“) suchte sie das Gespräch mit Felix Neureuther, der schon einmal eine ähnliche Situation durchgemacht hatte. Dessen Rat: Nur auf Platzierung zu fahren, sei der falsche Weg. Man ziehe die Schwünge zu früh an und fädelt ein.

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Die vergangenen Wochen nach Zwiesel – dort hatte sie erneut das Ziel nicht gesehen – geben ihr Hoffnung. Bei zwei FIS-Rennen in Bad Wiessee, wo mit Fanny Chmelar, Sarah Schleper (USA) und Sarka Zahrobska (Tschechien) weitere Verunsicherte am Start waren, holte sie sich als Erste und Dritte neues Selbsvertrauen. Auch am Material hat sie gefeilt, trägt jetzt einen Schuh, der „weniger aggressiv ist“. Ihren Platz für den Slalom glaubt sie sicher zu haben. Die Signale, die sie von den Trainern erhalten habe, ließen diesen Schluss zu. „Das Vertrauen möchte ich jetzt zurückzahlen.“

Am liebsten mit einer Medaille, am liebsten platziert vor der Schwester. „Es nützt mir nichts, wenn Maria Achte wird und ich Siebte. Ich hoffe, dass ich am Samstag mal richtig aus dem Schatten treten und Maria schlagen kann.“ Auch wenn es mit einer Medaille um den Hals nicht klappen sollte – spätestens am 31. März werden die Schultern der Sportsoldatin frisch dekoriert. Es steht die Beförderung zur Stabs-Unteroffizierin an. „Auch darauf freue ich mich.“

VON PETER REINBOLD

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