Volkstrauertag: Viel Musik für die Szene

Gut zwei Wochen ist es her, als in der Nacht vor Allerheiligen das KVR und Polizei 48 Münchner Clubs kontrollierten und dabei 23 Beanstandungen vermeldeten: allesamt wegen Verstößen gegen das Feiertagsgesetz, mit Zwangs- und Bußgeldern im fünfstelligen Bereich.

Derzeit laufen die Anhörungen des Ordnungsamtes gegen die szenigen Sünderlein, die sich allesamt keiner Schuld bewusst sind und notfalls gerichtliche Hilfe zur Klärung der Angelegenheit in Anspruch nehmen wollen.

Die Nacht auf Sonntag dürfte nun aber erneut für rechtliche Diskussionen sorgen und gegebenenfalls wieder Geld in den Stadtsäckel spülen. Denn Sonntag ist schließlich Volkstrauertag, und auch der ist im Bayerischen Gesetz zum Schutz der Sonn- und Feiertage ausdrücklich als „stiller Tag“ markiert. Das KVR hat die Betreiber vorsorglich schon mal darüber informiert, dass auch hier ab Mitternacht absolutes Vergnügungsverbot zu herrschen habe und den ein oder anderen an Allerheiligen aufgefallenen Wirt vorgeladen, um ihn eindringlich auf die Rechtslage aufmerksam zu machen. Die Ermahnungen haben nur teilweise gefruchtet, das Programm der Clubs ist reichhaltig und nicht unbedingt sämtlicher Vergnügungen abhold.

Nachdem aber auch die Vermietung verschiedener Diskotheken an den Verein für gesellige Toleranz in Bayern e.V. zum Zwecke der Abhaltung von Mitglieder- und Informationsveranstaltungen vom KVR nicht als geschlossene Veranstaltung qualifiziert und deshalb ebenfalls geahndet wurde, wollen heute einige Party-Macher in ihren Etablissements lieber konzertante Aufführungen ihrer Musik anbieten, in der Hoffnung, damit den ernsten Charakter des Tages zu wahren.

Immerhin dürfen am Sonntag im 59:1 auch die Horror-Punk-Band Wednesday 13, im Zenith die Electro-Combo Pendulum oder in der Tonhalle die Rocker von Tomte ganz offiziell auftreten. Bleibt die Frage, wie in diesem Zusammenhang der Gig des Berliner Kult DJs Koze heute Nacht in der Registratur (Blumenstraße 28) gewertet wird. Seit Jahren ist Stefan Kozalla – wie Koze bürgerlich heißt – bei „Bester DJ-Wahlgängen“ auf den vordersten Plätzen abonniert. Falls die Allerweltsfloskel „everybody’s darling“ auf irgendeinen DJ passen sollte, dann auf ihn. Unvergessen sein Sample von Statements des Country-Sängers Gunter Gabriel gegen Arbeitslose anlässlich einer Talk-Show in Erfurt unter dem Titel „Zuviel Zeit“. Auch im 8Seasons (Maximiliansstraße) ist am Samstag ein namhafter Discjockey gebucht: der französische Superstar Antoine Clamaran. Und das Zerwirk (Lederstraße 3) beheimatet erstmals die Bootie-Munich-Party, die sich auf die Wiedergabe von Mash-up-Hits spezialisiert hat. Alles ab 22 Uhr. Entspannung an der Feiertagsfront wird es so oder so nicht geben: Bereits am nächsten Wochenende steht mit dem Totensonntag der nächste „stille Tag“ an.

Thomas Oßwald

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare