Zu alt für U-30-Party? Er will 5.000 Euro Entschädigung

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Nils K. zog schon einmal vor Gericht, weil ihn ein Türsteher nicht reinließ

München - Der Münchner Anwalt Nils K. durfte Ende März nicht in einen Club, womöglich, weil er zu alt war. Er fühlt sich benachteiligt - und fordert eine Entschädigung.

Der Münchner Rechtsanwalt Nils K. (38) und sein kurioser Feldzug gegen die Club-Landschaft! Jetzt fordert er von der Stachus Betriebs GmbH, die den Ruby Dance Club betreibt, 5000 Euro. Weil diese gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) verstoßen habe …

K. war am 29. März auf Nightlife-Pirsch. Dabei sei er am Ruby-Club vorbei gekommen, wo jeden Donnerstag die DJs Jens Witzig und Jo Kraus ihr U30-Clubbing feiern. Für Teens und Twens – Leute, die unter 30 sind. K. gehört nicht mehr zur Zielgruppe. Und durfte wohl deshalb nicht rein. K. fühlt sich benachteiligt.

An die Stachus Betriebs GmbH schrieb er: „An der Tür wurde uns erklärt, dass dies heute nicht ganz unser Publikum sei und es sich um eine U30-Party handle. Uns gegenüber wurde ganz unmissverständlich erklärt, dass wir zu alt für Ihre Donnerstagsveranstaltung seien.“

K. stieß im Internet auf die Anpreisung der Party als „garantiert faltenfrei“. Das stelle „eine erhebliche Persönlichkeitsverletzung für ältere Menschen dar“. Als Entschädigung vom Club-Betreiber hält er „derzeit 5000 Euro für angemessen“. Dazu eine Unterlassungserklärung, „die geeignet ist, eine Wiederholungsgefahr für eine altersbedingte Benachteiligung für die Zukunft zu vermeiden“.

Kommt nicht in Frage, sagt Ruby-Gesellschafter Thomas Wandinger zur tz: „Erstens war das eine Fremdveranstaltung, zweitens hat mir der Türsteher, den ich seit Jahren kenne, glaubhaft versichert, dass er niemandem gegenüber eine Abweisung mit dem Alter begründet.“

Wandinger sieht die Angelegenheit entspannt. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband habe zum Inkrafttreten des AGG 2006 ein Merkblatt für seine Mitglieder verfasst. So sei es kein Verstoß gegen das Gesetz, „wenn durch die Ungleichbehandlung besondere Vorteile gewährt werden und ein Interesse an der Durchsetzung der Gleichbehandlung fehlt“. Hierzu gehöre auch die gezielte Ansprache von Kundenkreisen, die der Anbieter anlocken möchte. Die sei Bestandteil einer auf Wettbewerb beruhenden Wirtschaft.

Sieht nicht gut aus Nils K, der mit einer ähnlichen Klage schon mal gescheitert ist. Vor rund zwei Jahren wies ihn der Türsteher des Café am Hochhaus angeblich mit der Begründung ab, es seien zu viele Männer im Laden, er lasse nur noch Frauen rein. K. und forderte Bar-Chef Michael Dietzel auf, zu erklären, dass er künftig nie mehr Frauen gegenüber Männern beim Einlass bevorzuge. Ansonsten hätte er entweder mit bis zu 250 000 Euro oder sechs Monaten Knast büßen sollen.

Vor Gericht wollte K. eine Entschädigung von 1500 Euro erreichen. Am Ende blieb er auf den Prozess-Kosten sitzen.

Nils K. wollte sich zum neuen Streit gegenüber der tz nicht äußern: „Angesichts der Tatsache, dass ein rechtskräftiges Urteil derzeit nicht vorliegt, macht ein Interview derzeit wenig Sinn“, schreibt er.

Thomas Oßwald

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