Zum Topfgucken ins „ocui“

+
Ein "ocui"-Pizzabäcker bei der Arbeit: Der Gast kocht zwar nicht mit, kann aber bei allem zuschauen.

Mittwoch öffnet am Oberanger ein neues System-Restaurant.

System-Gastronomie ist auf dem Vormarsch. Nach einer Woche Probelauf eröffnet am Mittwoch im supermodernen Angerhof auch ganz offiziell das "ocui". Der Name ist ein Kürzel von „open cuisine“ – und Programm. „Bei uns können die Gäste hautnah miterleben, wie ihre Speisen zubereitet werden“, erklärt Simi Berst, der das ocui zusammen mit Marc Uebelherr und Ulli Springer betreibt. An mehreren rundum begehbaren Stationen können sich die Gäste italienische Pasta- und Pizza- oder asiatische Reis-Gerichte auf den Punkt kochen lassen. „Niemand muss länger als drei, vier Minuten auf sein Essen warten“, so Berst.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Gastro-Systemen der amerikanischen Burger-Ketten geht es im "ocui" nicht darum, die Gäste möglichst schnell wieder los zu werden, um die Plätze neu zu besetzen. Die Atmosphäre ist dank natürlicher Materialien wie Holz, Leder oder Stoff warm und lädt zum Sitzenbleiben ein.

Das Gastro-Trio hat bereits Erfahrung in diesen Dingen gewonnen, vor zwei Jahren eröffneten sie das Gast im Gasteig, auch dort gilt das Selbstbedienungs-System mit international-mediterraner Küche und loungiger Atmosphäre.

Ähnlich wie am Kulturtempel Gasteig mit seinen Besucher dürfte auch der Angerhof eine gelungene Standortwahl sein. Noch dieses Jahr zieht das DAX-Unternehmen Linde in den Neubau ein – mit über 300 Mitarbeitern. Das "ocui" wird die Betriebskantine werden. Deshalb haben die Wirte zur heutigen Eröffnung neben dem üblichen Münchner Promi-Mix aus Models, Moderatoren und Musikanten auch Linde-Chef Wolfgang Reitzle und seine Frau Nina Ruge eingeladen. „Reitzle war in den letzten Tagen schon mal zum Essen da, ich glaube, es hat ihm gut gefallen“, erinnert sich Uebelherr. „Aber auch sonst ist die Lage klasse“, freut sich der Gastronom, „der Oberanger hat durch die Synagoge und den Angerhof ungeheuer an Anziehungskraft gewonnen, dazu kommt die Nähe zum Gärtnerplatz-Viertel.“

Wer Angst vor Überfüllung hat, soll bald im Internet über die Homepage des Restaurants www.ocui.de überprüfen können, wie dicht die Kochstationen umlagert sind. 140 Plätze hat das Lokal, dazu kommt noch die Terrasse davor und „im nächsten Jahr auch noch einige im Innenhof“ hofft Berst, der mit seinen Partnern im vergangenen Jahr bereits das Oskar Maria im Literaturhaus eröffnete. Nicht unbedingt ein Platz für ein heimliches tête-à-tête also, aber das ist auch nicht unbedingt das Zielpublikum.

„Wir richten uns tagsüber in erster Linie an Geschäftsleute und Shopper, die schnell, günstig, aber vor allem auch qualitativ hochwertig essen wollen, gegen Abend an Singles und Familien – bei uns geht’s fast genauso günstig wie zu Hause.“ Kein Gericht kostet über 10 Euro, das Pizzabrot aus dem Holzofen geht für 3,50 Euro über den Tresen, die Salami-Version für 5,50 Euro, mit Vitello Tonnato für 8,50 Euro. In der Asia-Abteilung gibt’s Reis wahlweise mit Gemüse, Garnelen, Rind oder Hühnchen, dazu rote Kokos-Curry oder Soja-Honig-Sauce, danach fluffige Desserts wie Espresso-Mousse oder Tiramisu. Im kommenden Jahr soll das ocui-System in Serie gehen, „zunächst in München, später auch in anderen bayerischen Uni-Städten“, plant Uli Springer.

Thomas Oßwald

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare