Nockherberg: So hat Mama Bavaria den Poltikern eingeschenkt

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Kabarettistin Luise Kinseher als Mama Bavaria

München - Im vergangenen Jahr wurde Luise Kinseher für ihre zahme Premiere als “Mama Bavaria“ gescholten. Heuer teilt sie gröber aus. Hier lesen Sie, wie Kinseher den Politikern eingeschenkt hat:

Da ist sogar eine Bavaria beeindruckt. So viel politische Prominenz war noch nie da auf dem Nockherberg. Ein Bundespräsident, ein Bundesratspräsident, ein „noch-nicht-ehemaliger Ministerpräsident“ (alles Seehofer). Ein „zukünftiger ehemaliger Oberbürgermeister“ und künftiger Ministerpräsident (Ude). Der sich „im Moment als der zukünftig Zukünftigste“ fühlende (Söder). Und natürlich der bei der CSU am Aschermittwoch in Passau auf die Bühne zurückgekehrte Landes-Übervater (Stoiber). Und mittendrin beziehungsweise über ihnen donnerte die Bavaria (Luise Kinseher). Wohltuend kürzer als im Vorjahr, mit starker Mimik und frechen Sprüchen knöpfte sie sich ihre „missratenen Kinder“ vor. Sie traf mit ihren Vergleichen den Geschmack der 500 Gäste. Sehr gute Stimmung im Saal, aber kein Toben wie zu besten Barnabas-Zeiten.

Nockherberg: Bilder vom Singspiel

Nockherberg: Bilder vom Singspiel

Freche, bayerisch gscherte Vergleiche gab es von der Bavaria. Die großen Pointen, politisch tiefgründiges und hintersinniges Kabarett blieb aus. „Zunge raus und schaun, was kleben bleibt.“ So beschrieb die Bavaria das politische Lebensmotto von Spontanmutations-Minister Markus Söder. Ein bisschen galt das auch für ihre Gags an die Adresse des Publikums.

 Und da kamen natürlich die am besten an, die die Makel unserer politischen Elite auf die Hörner nahmen. Allen voran den Seehofer wollte die Bavaria „an die Wand klatschen mit seinem Schmarrn“. Jede Woche was Neues, und nur Kas. Vor einer Woche habe er die Bavaria angerufen. „Mama, i brauch a Geld!“ Diese reagierte entsetzt, weil sie nichts wusste von den Bayern-Schuldenfrei-Plänen 2030 ihres Sohnes. „Was, ist wieder jemand schwanger?“ Rumms, volle Breitseite wegen seines unehelichen Berliner Kindls. Der Saal tobte – und Seehofer, die Alleingänge liebende „Kuh Yvonne der CSU“? Fröhlich sah irgendwie anders aus.

Nockherberg 2012: Die besten Sprüche der Bavaria

Nockherberg: Die besten Sprüche der Bavaria

Sein großer Gegenspieler ist jetzt Christian Ude, auf dem Nockherberg und im richtigen Leben. Deswegen war er ja schon mal zum Revolutions-Bündnis-Schmieden bei Freie-Wähler-Boss und „Opfesoft“-Liebhaber Hubert Aiwanger auf dessen Bauernhof. Und da hat der Ude ein Schweinderl in die Kamera gehalten. „Habt ihr da das Ferkel-Orakel befragt?“, grübelte Bavaria. „Ferkel, Ferkel an meiner Hand, wer koaliert mit wem in diesem Land?“ Bavaria ist jedenfalls skeptisch, ob das was wird mit dem Machtwechsel.

Überhaupt dieser Ude, dieses Gegenmodell zur FDP. „Gell, Christian, Probleme mit dem Abgrund hast du nicht, eher mit der Höhenluft“, spottete Bavaria. „Du schwebst in höheren Sphären. Schließlich lernst jetzt endlich mal Bayern kennen.“ Neulich sei er in Tübingen gewesen – und hätte gedacht, das ist bei Augsburg. Dass Ude bekanntermaßen große weiß-blaue Geografie-Defizite habe, müsse man ihm verzeihen. „Alles, was nicht mit der Münchner U-Bahn erreichbar ist, ist für Ude unbekanntes Ausland!“

Nockherberg: Die Promis beim Derblecken

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Überraschend viel Landespolitik gab es also von der Bavaria – und den Schlagzeilen-trächtigen Ex-Bundespräsidenten nur am Rande. Kein Wunder, denn: „Aus bayerischer Sicht war Christian Wulff ein Dilettant, im Gegensatz zu Strauß ein windiger Anfänger.“ Der Wulff habe im Prinzip Kleingeld gesammelt und es auch noch bar zurückbezahlt. „Die bayerischen Amigos geben sich weder mit Kleingeld ab noch denken sie je daran, irgendwas zurückzubezahlen!

Nockherberg: Die besten Bilder der letzten 30 Jahre

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Stark und bitterböse ihre Botschaft an Innenminister Hans-Peter Friedrich wegen des V-Mann-Fiaskos. „Wie geht’s eigentlich euren Mitarbeitern beim Verfassungsschutz nach dem Versagen bei den Neonazi-Morden? Der Verfassungsschutz ist wahrscheinlich der einzige Arbeitgeber weltweit, wo sich die Mitarbeiter freuen, wenn er dicht macht.“ Und die NPD müsste man auch nicht mehr verbieten, weil ohne V-Leute habe die dann nämlich keine Mitglieder mehr. Beifall im Saal, betretenes Schweigen bei den CSU-Granden. Es lacht sich schlecht, wenn man auf dem rechten Auge blind ist.

Am Ende der 35 Minuten die schon zur Tradition gewordene Frage: Wie geht’s weiter mit der dem von Paulaner besoldeten Leviten-Leser? Auf diesem Starkbier-Schleudersitz, der in den vergangenen Jahren nur vom Stuhl des Bundespräsidenten und der Trainerbank beim FC Bayern übertroffen wurde? Die Bavaria hat es ja an die Adresse von Fast-Finanzministerin Christine Haderthauer gesagt, was mit unliebsamen Frauen in Bayern passiert. „Sie werden ertränkt wie Agnes Bernauer, aus dem Land gejagt wie Lola Montez.“ Oder wie die Hohlmeier Monika zum Klinkenputzen geschickt nach Fränkisch-Sibirien.

So weit wird es mit der Bavaria nicht kommen. Sie kann ruhig wiederkommen nächstes Jahr. Nicht, dass am Ende auf dem Nockherberg auch noch der Stoiber, der „Ötzi aus Wolfratshausen“, ran muss. So wie beim Horst in Passau.

Stefan Dorner

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