Sie blasen den Politikern heute den Marsch

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Die Schleißheimer Schlosspfeiffer sind heute Abend beim Salvator-Anstich von Paulaner auf dem Nockherberg mit dabei.

München - Den Politikern einmal so richtig den Marsch blasen. Für die Schleißheimer Schlosspfeiffer wird das heute Wirklichkeit: Sie haben ihren großen Auftritt beim Starkbier-Spektakel auf dem Nockherberg.

Was für eine Ehre für die Schleißheimer Schlosspfeiffer! Mit 20 Männern und Frauen rücken die Musikanten heute Abend zum berühmten Starkbier-Spektakel auf dem Nockherberg an und treten als Spielmannszug im Singspiel auf. „Das ist absoluter Wahnsinn für uns, dass wir da dabei sind“, freut sich Spielleiter Stefan Vohburger (28).

„Zurück zu den Wurzeln“, haben sich Autor Alfons Biedermann und sein neuer Co-Regisseur Martin Maria Blau für die Aufführung auf die Fahnen geschrieben. Bayerischer, traditioneller soll das Singspiel wieder werden. Und da passen die sympathischen Brauchtumsbewahrer aus Oberschleißheim bestens ins Konzept.

Die Nockherberg-Redner von Anfang an

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Das Bayerische Fernsehen startet am heutigen Mittwoch um 19 Uhr mit der Übertragung vom Nockherberg

Die Schlosspfeiffer treten immer in historischen Uniformen auf, die auf das Infanterie-Regiment der bayerischen Kurprinzen und Könige Anfang des 18. Jahrhunderts zurückgehen. Wie sie am Nockherberg gekleidet sind, ist noch geheim. Jedenfalls sollen sie als Lobbyisten-Spielmannszug das Chaos perfekt machen, das die Schauspieler beim Versuch angerichtet haben, die Staatsfinanzen zu retten. „Nockherberg gegen den Schuldenberg“ lautet Biedermanns Motto für das dritte Singspiel aus seiner Feder. „Wir sind sehr stolz, dass wir da dabei sind und natürlich haben wir schon kräftig Lampenfieber“, gesteht Vohburger, der mit seiner Truppe seit sechs Wochen am Proben ist.

Bisheriger Höhepunkt in der Geschichte der Schlosspfeiffer war ein Konzert im Central Park von New York im Jahr 2007. Ein anderer ist die große Bühne bereits gewohnt: Stefan „Sepp“ Dettl von der bayerischen Senkrechtstarter-Band La Brass Banda. Auch der 30-Jährige ist am Nockherberg dabei. „Ich spiele in der Rock’n’Roll-Band, die live Musik macht für das Singspiel.“

Kopf der Combo ist Martin Lingau. „Das sind alles Hamburger Buam, die haben mich jetzt adoptiert“, sagt Dettl schmunzelnd. „Musikalisch sind die wunderbar, allerdings muss ich denen jetzt noch ein bisschen was Bayerisches in punkto Essen, Trinken und Sprache beibringen“, sagte der Traunsteiner, als die tz ihn am Nockherberg erreichte – natürlich bei einer zünftigen Brotzeit!

Stefan Dorner

Dabei sein ist alles

500 Amts- und Würdenträger gehören zum erlauchten Kreis derer, die die Paulaner-Brauerei zum Salvator-Spektakel auf den Nockherberg bittet. Dabei sein ist also alles. Faszination Nockherberg. „Es ist wie ein Ritual: Der König kommt mit seiner Entourage und die Hofnarren auf der Bühne sagen ihm die Wahrheit“, formuliert Co-Autor Martin Maria Blau mit bedeutungsschweren Worten den Anspruch des Derbleckens.

Die Bavaria

Der König, das ist in der heutigen Zeit Ministerpräsident Horst Seehofer. Auch sein gesamtes Kabinett hat mit Ausnahme von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zugesagt. Auch die bayerischen Bundesminister Ilse Aigner, Hans-Peter Friedrich und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sind dabei. Besonderes Augenmerk liegt diesmal auch auf dem Münchner Stadtoberhaupt. OB Christian Ude ist Herausforderer von Seehofer bei der Landtagswahl im nächsten Jahr. Zwar hat Karl-Theodor zu Guttenberg politisch nicht überlebt, in der Singspiel-Welt gibt es ihn aber weiterhin.

Dennoch hat ihm Paulaner keine Einladung in sein amerikanisches Exil geschickt. Auch dem Wunsch von Außenminister Guido Westerwelle, ihn nicht mehr einzuladen, „haben wir selbstverständlich respektiert“, sagt Brauerei-Boss Andreas Steinfatt süffisant. Westerwelle hatte sich beim Singspiel 2010 über einen KZ-Vergleich von Michael Lerchenberg empört – und das Ende des Bruder Barnabas eingeläutet.

Und im Augustiner lassen es die Stammgäste krachen

Wirte-Napoleon Richard Süßmeier rechnet als Kellnerin Maria mit den Politikern ab

Die Polit-Prominenz muss draußen bleiben! Keine TV-Kameras, keine Bodyguards. Statt Seehofer, Söder und Ude sitzen der Hasi, der Seppi und der Fritz im Publikum. Nach alter Tradition hat Augustinerkeller-Wirt Christian Vogler nur Stammgäste zum Maximator-Anstich geladen. Die Großkopferten bekamen trotzdem ihr Fett weg. Wirte-Legende Richard Süßmeier holte wieder als grantige Bedienung Maria zum Rundumschlag aus. „Hat mich gewundert, dass der Ude nicht mit den 60ern zum Papst nach Rom gefahren ist – der hätte himmlischen Beistand nötiger“, feixte der 1,63 Meter große Frechdachs (Wirt Christian Vogler musste wie immer einen Bierkasten hinters Rednerpult stellen).

Nockherberg-Derblecken: Die besten Sprüche der vergangenen Jahre

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Auch Finanzminister Söder („Der mischt sogar in Raucherangelegenheiten mit. Jetzt darf auf Schiffen nur noch geraucht werden, wenn’s brennt oder wenn’s untergeht.“) und Ex-Bundespräsident Wulff („Ich hätt nix dagegen, wenn er den Ehrensold kriegt. Den sollen aber die bezahlen, die ihn gewählt haben.“) watschte er ab. Aua! Mit den 600 geladenen Gästen platzte der Festsaal aus allen Nähten. Die Brauerei stiftete das Bier, der Wirt das Essen. „Das Fest ist ein Dankeschön für die, die uns das ganze Jahr begleiten“, sagt Vogler.

Und das sind einige: Vogler zählt mittlerweile 2500 Stammgäste und 120 Stammtische – kein Biergarten hat mehr Stammpublikum! „Unser Bier ist gut, der Biergarten liegt zentral und wir legen viel Wert darauf, uns um die Stammgäste zu kümmern“, erklärt sich der Wirt den Erfolg. „Augustiner ist eben ein Lebensgefühl.“ Das Starkbierfest im Augustinerkeller läuft noch bis 5. April (je Do. bis Sa.). Eintritt mit Live-Musik 7,90 Euro, Maß Maximator 7,80 Euro.

Christina Schmelzer

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