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Nockherberg: Er wird neuer Singspiel-Autor

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Der neue Mann: Thomas Lienenlüke (46) schreibt das Singspiel für den Nockherberg 2013

München - Weißer Rauch auf dem Nockherberg: Das Singspiel bei Deutschlands größtem Starkbier-Spektakel stammt künftig aus der Feder eines Kölners.

Wie die tz aus Kabarettkreisen erfuhr, heißt der neue Autor Thomas Lienenlüke (46). Der Rheinländer ist in München kein Unbekannter: Aktuell schreibt er an der BR-Satireshow Die Klugscheißer von Monika Gruber, Bruno Jonas und Rick Kavanian mit. Paulaner schweigt noch zur Personalie, will erst am Mittwoch auf der Pressekonferenz bestätigen: Der Nockherberg bekommt einen „Klugscheißer!“ Um 11 Uhr wird auch verraten, wer noch im Singspiel-Team dabei ist.

Schon während seines Studiums (Germanistik, Geschichte, Philosophie) Anfang der 1990er-Jahre zog es Lienenlüke als Schauspieler und Regisseur auf und hinter die Bühne. Er jobbte als Redaktionsassistent beim unvergessenen Rudi Carrell, schrieb Texte für Dieter Hallervorden und Cordula Stratmann. 2006 „bandelte“ der Rheinländer auch mit der bayerischen Kabarettszene an. Er wurde Autor für den Scheibenwischer von Bruno Jonas, arbeitete mit Andreas Giebel, Helmut Schleich und Rick Kavanian zusammen. 2011 holte ihn Jonas zu den Klugscheißern.

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Auf dem Paulaner-Berg tritt Lienenlüke die Nachfolge von Alfons Biedermann an. Dieser hatte in den vergangenen drei Jahren das Singspiel gewaltig entstaubt und zur TV-tauglichen Unterhaltungs-Comedy verwandelt. Doch den Nockherberg-Traditionalisten gingen die Reformen trotz neuer Rekord-Quoten im Fernsehen zu weit. Viele vermissten Hintersinn und politischen Tiefgang früherer Singspiele.

Und dies gab offenbar für Paulaner-Boss Andreas Steinfatt den Ausschlag für die Verpflichtung des neuen Mannes. Anders als Biedermann, der aus der quatsch-komischen Bully-Herbig-Familie stammt, gilt Lienenlüke als eher politisch-satirischer Kopf. Das stellt er derzeit auch aktiv auf der Bühne mit seinem Programm Revanche unter Beweis. Untertitel: „Lieder, Texte, Beleidigungen, etwas Kabarett und ein paar Morde.“

Zu seinem Nockherberg-Engagement will er gegenüber der tz noch nichts verraten. Doch schon seine Programm-Beschreibung scheint wie gemacht für das Spektakel am 27. Februar: „Sarkastische Lieder, freundlich daherkommende bitterböse Texte zu gutgelaunten Melodien, in denen nicht immer alle Protagonisten das Ende erleben.“ Das kann ja heiter werden. Herr Seehofer, Herr Ude, wir freuen uns auf Sie. Herzlich Willkommen auf dem Nockherberg 2013!

Dort knöpft sich zudem Luise Kinseher (43) zum dritten Mal als Fastenpredigerin „Bavaria“ die Politiker vor.

Stefan Dorner

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Vorschusslorbeeren von den bayerischen Kollegen

Thomas Lienenlüke zog es in den vergangenen Jahren immer mehr nach Bayern. Mit seinem Nockherberg-Engagement wird der Kölner nun endgültig zum Wahl-Münchner. „Ich war wegen der ,Klugscheißer‘-Produktion zuletzt immer sechs Monate in München“, sagt er der tz. Seine bayerischen Weggefährten aus der Kabarettszene freuen sich jedenfalls über das Engagement und verteilen viele Vorschusslorbeeren, wie eine tz-Umfrage beweist.

Einer, der sich als genialer Bruder Barnabas der Jahre 2004 bis 2006 bestens auskennt auf dem glatten Parkett der Derblecker-Bühne, ist Bruno Jonas. Und der ist sich sicher: „Der Nockherberg muss ja jedes Jahr irgendwie neu erfunden werden.“ Dies traut er Lienenlüke auf alle Fälle zu. „Ich kenne ihn seit sieben, acht Jahren, er ist ein guter Autor, und Thomas wird diese Herausforderung meistern“, sagt Jonas über seinen „Scheibenwischer“- und „Klugscheißer“-Kol­legen.

Grünes Licht auch vom „Landesvater“, Franz-Josef-Strauß-Double Helmut Schleich. „Das ist der richtige Mann, der weiß, was los ist im Lande. Das kann ich mir sehr gut vorstellen.“ Es könne „ein Gegenprogramm“ zum Comedy-Ansatz von Alfons Biedermann werden, weil Lienenlüke für „intelligente politische Satire“ stehe. Schleich war bei der Biedermann-Premiere 2009 selbst dabei und als FJS der Star des Abends. Aus Solidarität zum Rauswurf von Michael Lerchenberg als Bruder Barnabas hatte sich Schleich eine „Nockherberg-Pause“ verordnet. Doch heute würde „ich nicht mehr auflegen, wenn Paulaner wieder anruft“.

Neben Schleich hat auch Andreas Giebel mit Lienenlüke schon gemeinsame Nummern geschrieben. Giebel: „Super, das ist eine sehr gute Entscheidung für den Nockherberg!“

DoS

Nockherberg: Bilder vom Singspiel

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