OB über Olympia 2022 in München

Ude: "Eine historisch einmalige Chance"

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Oberbürgermeister Christian Ude.

München - Christian Ude spricht über „die historisch einmalige Chance“ sowie die Widerstände aus Teilen der Bevölkerung. Und erklärt, warum die Münchner Bewerbung ungleich mehr Erfolgsaussichten beim IOC hat als 2018.

Als Oberbürgermeister wird der nächstes Jahr aus dem Amt scheidende Rathauschef Christian Ude (66) die Gäste der Olympischen Spiele 2022 nicht mehr empfangen. Doch mit einem erfolgreichen Bürgerentscheid will er maßgeblich Anteil daran haben, dass die Münchner Sportgeschichte um ein weiteres großes Kapitel fortgeschrieben wird. In der tz spricht Ude über „die historisch einmalige Chance“ sowie die Widerstände aus Teilen der Bevölkerung. Und erklärt, warum die Münchner Bewerbung ungleich mehr Erfolgsaussichten beim IOC hat als 2018, falls sie am kommenden Sonntag die Hürde beim Bürger­entscheid nimmt.

Der SPD-Politiker ist ein glühender Befürworter der Spiele. Dementsprechend groß war bei ihm die Enttäuschung, als die deutsche Bewerbung für 2018 gegen Pyeongchang haushoch unterlag. „Wir haben damals gegen den großen Favoriten aus Korea verloren, der es bereits zum dritten Mal in Folge versucht hat“, erklärt Ude. „Dieses Mal wäre das anders, selbst wenn sich die Europäer im Wettstreit mit Norwegen und Schweden, so wie es aussieht, wieder untereinander die Stimmen wegnehmen.“

Moderne Anlagen auf bestehenden Flächen

Das Wort „Favorit“ will Ude nicht in den Mund nehmen. Doch in IOC-Kreisen werden München tatsächlich sehr hohe Chancen eingeräumt. Nach Vancouver (Kanada) 2010, Sotschi (Russland) 2014 und Pyeongchang (Südkorea) 2018 dürften die Spiele mit hoher Wahrscheinlichkeit ins europäische Wintersport-Kerngebiet zurückkehren. „Und wir haben in München die historisch einmalige Chance, 50 Jahre nach den guten Erfahrungen mit den Sommerspielen von 1972 wieder Olympiastadt zu werden.“ Einen besseren Nachweis, dass man olympische Sportstätten auch nachhaltig nutzen kann, gibt es seiner Ansicht nach nicht.

Olympia-Entscheid: Das müssen Sie wissen

Auf den bestehenden Flächen des Olympiaparks sollen moderne Anlagen entstehen, die auch danach dauerhaft Verwendung finden. Exzessiver Flächenverbrauch wie in Russland oder nach den Spielen überflüssige Sportstätten, sogenannte „Weiße Elefanten“, wie 2006 in Turin, müsse man bei der bayerischen Bewerbung nicht befürchten. „Wir und unsere Partner in Garmisch, Ruhpolding und Berchtesgaden setzen auf bestehende, intakte und WM-erprobte Wettkampfstätten.“

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Dennoch kann er den Protest der Gegner verstehen. „Sie zielen auf die nachteiligen Seiten ab, die Olympische Spiele auch an den Tag bringen können. Sie richten sich gegen den Gigantismus und die Kostenexplosion, die es immer wieder gibt.“ Deshalb erachtet es Ude als richtig, dass nicht die politischen Gremien, sondern die Bürger jetzt selbst entscheiden, ob es bayerische Spiele geben soll. Dass das Thema die Leute bewegt, zeige die hohe Nachfrage nach Briefwahl-Unterlagen, weit über 100 000 sind es allein in München. „Beide Lager sind hochmotiviert“, hat Ude festgestellt. Deshalb wagt er keine Prognose. „Ich denke aber, nachdem in Garmisch der Flächenverbrauch um 40 Prozent reduziert werden konnte und der Druck dadurch gemindert ist, dass tatsächlich bei der Abstimmung in München die Entscheidung über pro oder kontra Olympia fallen wird.“

Ude weiter: „Die Bürger entscheiden in einer direkten Befragung im demokratisch bestmöglichen Prozess, ob sie die Spiele wollen oder nicht. Und diesem Urteil wird sich die Politik dann fügen.“

Olympia 2022 – heute in sechs Tagen wissen wir, ob München die letzte Chance ergreift, erste Stadt zu werden, in der die Sportler der Welt sowohl bei Sommer- als auch Winterspielen um Medaillen kämpfen. Einen dritten Anlauf wird es definitiv nicht geben.

Stefan Dorner

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