Wann ist Bürgerentscheid erfolgreich?

Olympia: Die tz beantwortet alle wichtigen Fragen

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Am Sonntag sollen sich die Bürger entscheiden

München - Am Sonntag entscheiden die Bürger, ob Bayern 2022 olympisch wird. Die tz beantwortet alle wichtigen Fragen zum Bürgerentscheid.

Die Argumente sind ausgetauscht, die Befürworter haben gekämpft, die Gegner mit ihren Ansichten dagegengehalten: Jetzt müssen die 1,3 Millionen Wahlberechtigten entscheiden, ob sie die Olympischen Spiele 2022 in Bayern haben wollen. Am morgigen Sonntag heißt es in München, Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land: Hopp oder top, alles oder nichts! Die tz beantwortet alle wichtigen Fragen zum Bürgerentscheid:

Wer ist zur Abstimmung aufgefordert?

Alle Wahlberechtigten in den vier Partnergemeinden, insgesamt 1,3 Millionen, wobei die meisten davon auf München entfallen (mit 1,1 Millionen). Die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Wann ist der Bürgerentscheid erfolgreich?

Das Motto lautet: Nur 4 gewinnt! Fällt lediglich einer der Entscheide in den Partnerorten kontra Olympia aus, ist die komplette Bewerbung gescheitert. Das Interesse scheint riesig. Allein in München sind 120 000 Briefwahlunterlagen angefordert worden. Das Quorum von je 10 (München, Traunstein, Berchtesgaden) bzw. 20 Prozent (Garmisch) für einen gültigen Entscheid dürfte überall locker übertroffen werden. Wenn über 50 Prozent der Stimmen auf Ja entfallen, ist der Weg frei für eine bayerische Bewerbung.

Was passiert, wenn in einem der Partnerorte das Quorum nicht erreicht wird?

Dann haben die Stadt-, Gemeinde- bzw. Kreisräte das Wort. Sie müssen dann darüber abstimmen, ob an der Bewerbung festgehalten wird.

Wie lauten die Prognosen?

Das Stimmungsbild ist relativ undurchschaubar. Sowohl das Pro- und Kontralager gibt sich siegessicher. In nicht-repräsentativen Online-Umfragen gewinnt einmal die eine und einmal die andere Seite. Eine aktuelle repräsentative Meinungserhebung wie bei Bundes- oder Landtagswahlen soll es zwar geben. Sie ist aber nicht veröffentlicht worden.

Wie wären bei einem positiven Entscheid die Chancen, dass Bayern vom IOC den Zuschlag erhält?

Trotz der zahlreichen gehandelten Konkurrenten (Oslo, Krakau, Peking, Lwiw, Almaty und Stockholm) stehen die Münchner Chancen sehr gut. Schon bei der Niederlage für 2018 gegen das im dritten Anlauf erfolgreiche Pyeongchang (Südkorea) wurde das München-Konzept sehr gelobt. Jetzt ist nochmal nachgebessert worden. Zudem war die Olympische Wintersportfamilie dann seit 2006 in Turin nicht mehr im alpenländischen Kerngebiet (2010 Vancouver, 2014 Sotschi) zu Gast.

Olympia 2022: Das wären Münchens Konkurrenten

Olympia 2022: Das wären Münchens Konkurrenten

Wie geht es nach dem Sonntag weiter?

Bei einem Ja der Bürger zu Olympia muss bereits am kommenden Donnerstag beim IOC in Lausanne die Bewerbung eingehen. Bei einem negativen Entscheid ist das Thema Olympia in München endgültig vom Tisch. Für 2026 wird es definitiv keinen dritten Anlauf geben. Am Sonntag geht’s um alles oder nichts.

Stefan Dorner

Das letzte Wort

PRO: Thomas Muderlak (44) vom Team München 22 hofft auf ein deutliches Votum: „Nichts wäre schlimmer als eine niedrige Wahlbeteiligung.“ Als Ergebnis wünscht er sich „ein klares Ja, auch als Signal ans IOC“. Was das Geld angeht, sagt er: „Wenn wir uns gut anstellen, können wir Gewinn machen.“ Alfons Hörmann (53), designierter Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, spricht von einer Entscheidung mit „historischer Tragweite“. Sport und Gesellschaft könnten von Olympia profitieren. Und: „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ Peter Driessen (60), Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, sieht große Chancen für die Wirtschaft: „Das ist eine Investition in unsere Zukunft.“

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CONTRA: Richard Mergner (52), Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz (BN), befürchtet „unüberschaubare soziale und finanzielle Risiken“. Denn: „Olympische Spiele als größte und immer noch größere Wintersportveranstaltung der Welt sind für München nicht tragbar und einige Nummern zu groß.“ Der Garmischer Axel Doering (66, ebenfalls vom BN und bei NOlympia aktiv) meint, Olympia-Kosten seien „mindestens so unbeherrschbar wie beim neuen Berliner Flughafen“. Die Münchner Grünen-Chefin Katharina Schulze (28) hat langfristige Bedenken – alles werde durch Olympia teurer: „Ich möchte nicht in einer Stadt leben, in der sich Studenten, Auszubildende oder ältere Menschen das normale Leben nicht mehr leisten können.“

hei

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