Zu teuer, nicht nachhaltig, "eine Farce"

Olympia-Gegner: "Nicht die Deppen des IOC"

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Ein Plakat von Olympiagegner mit dem Motto "Für München - Gegen Olympia 2022" ist am 21.10.2013 in der Innenstadt von München zu sehen.

München - Zu teuer, nicht nachhaltig, schlicht „eine Farce“: München dürfe sich nicht „zum Deppen des IOC machen“ - und müsse eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 ablehnen, sagen die Olympia-Gegner.

Viola von Cramon ist ein bisschen unruhig, ihr Zug nach München war zu langsam. Doch dass sich die Grünen-Politikerin unmittelbar nach ihrem leicht verspäteten Eintreffen im Ratskeller am Marienplatz in Rage redet, liegt nicht an der Deutschen Bahn. „Grüne Spiele gibt es nicht“, ruft von Cramon in der Bacchus-Stube, sie kann sich kaum zügeln: „Das ist Quatsch, eine Farce, Vernebelungstaktik.“ Für sie und ihre Mitstreiter bei „NOlympia“ ist klar: Eine Münchner Bewerbung um die Spiele 2022 darf es niemals geben!

Der Ort der Informationsveranstaltung der Olympia-Kritiker ist mit Bedacht gewählt. Zwei Wochen zuvor stellten die Befürworter an gleicher Stelle ihre Kampagne „OJa!“ vor. In der Boticelli-Stube schwärmte Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier strahlend von der „Magie der Spiele“, Vertreter der lokalen Politik und Wirtschaft lächelten in die Kameras. An diesem Dienstag wird im Ratskeller nicht mehr so viel gelächelt, die Kritiker runzeln die Stirn, wenn sie ihre Argumente darlegen. Wenn einer lacht, dann süffisant. Spott ist schnell bei der Hand, wenn es um die Wasmeiers dieser Welt geht.

Für von Cramon, frühere Obfrau im Sportausschuss des Bundestages, steht fest: Olympia wie es derzeit aufgeführt werde, habe „mit der ursprünglichen Idee des Sports nichts mehr zu tun“. Bedingungen, wie vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) diktiert, machten eine Bewerbung „demokratietheoretisch und steuerrechtlich unmöglich“. Das wollen die Kritiker der Bevölkerung bis zu den Bürgerentscheiden in den vier möglichen Olympia-Standorten am 10. November näherbringen - damit diese möglichst mit „Nein!“ stimmt.

Sotschi 2014: Schrille Kleidung für deutsche Athleten

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Ludwig Hartmann, bayerischer Parteifreund von Cramons, hat dafür einige Argumente gesammelt. Er schimpft über die „Knebelverträge“, die das IOC („ein intransparenter und zwielichtiger Sportverband“) den Ausrichtern aufzwinge, spricht von „Gigantomanie“, und verneint positive Effekte auf Tourismus und Wirtschaft als „überschätzt“ oder „kurzfristig“. München dürfe sich nicht „zum Deppen des IOC machen“, sagt der Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag. Das Nein zu Olympia sei ein Ja zur Heimat, argumentiert er.

Unter dieses Motto haben die Gegner ihre Kampagne gestellt, die im Münchner Stadtbild jedoch untergeht bei all den quietschbunten Plakaten der Befürworter. Diese, schimpft Hartmann, wollten sich die Zustimmung beim Bürgerentscheid mit „zwei bis drei Millionen Euro erkaufen“. Die Pro-Seite sprach vor zwei Wochen dagegen von einem Aufwand von 0,75 bis einer Million Euro. So oder so: Die Mittel der Gegner nehmen sich im Vergleich mickrig aus. Christian Hierneis vom Bund Naturschutz spricht von 35.000 Euro. Während Wasmeier und Co. mit einem riesigen Plakat auf dem Marienplatz um Zustimmung werben, halten die Kritiker mit Flyern und einem „Flashmob“ dagegen.

Und mit hitzig vorgetragener Argumentation. „Für München - gegen Olympia 2022“, steht auf 280 Plakaten in der Stadt, und: „Nein zu: Schuldenbergen, Wachstumswahn, Naturzerstörung, IOC-Knebelverträgen, Mietpreisexplosion“. Unterstützt wird der Feldzug unter anderem von den Grünen, der Linken, der ÖDP, attac und dem Bund Naturschutz. „Unsere Argumente sind besser als ihre“, sagt Hierneis. Dass sich die Befürworter einem Ethikcode verpflichtet haben, empfindet er als lächerlich. Wie die Gegenseite es mit der Fairness halte, habe man ja bei der Versendung der Wahlunterlagen gesehen. Diesen lag eine Broschüre der Befürworter bei - aber keine der Gegner.

SID

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