Olympia: Jetzt gibt's das Zwischenzeugnis!

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Gruppenbild mit Dame: Evaluierungschefin Gunilla Lindberg während ihres Besuchs in München. Das Foto entstand beim Gala-Abend in der Residenz

München - Nach dem Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen mit der quälend langen Auszählung der Stimmen kommt ­direkt der nächste Gänsehaut-­Moment: das Zwischenzeugnis! Die tz-Analyse: 

Eigentlich sind die Pausen zu kurz, als dass das Herzklopfen mal wieder auf ­normalen Rhythmus runterfahren könnte. Wir reden von der Münchner Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2018. Erst der Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen mit der quälend langen Auszählung der Stimmen (am Ende mit 58 Prozent Zustimmung) – und jetzt kommt ­am Dienstag direkt der nächste Gänsehaut-­Moment. Nämlich: die Veröffentlichung des sogenannten Evaluierungsberichts. Was das alles für München bedeutet? Und welche Folgen es hat? Die tz-Analyse:

Ein bisserl Papier bloß. 80 oder 85 Seiten Text, auf Englisch. Das ist das Dokument, auf das am Dienstag die Welt schaut. Gut, sagen wir: die Sportwelt. Wir reden vom sogenannten Evaluierungsbericht für die Olympischen Winterspiele 2018 – es ist eine Art olympisches Zwischenzeugnis. Dieses Papier wird zeigen, wo die Stärken und die Schwächen der Münchner Bewerbung liegen. Und: Nach dem gleichen Muster werden auch die Konkurrenten Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) abgehandelt.

Am Dienstagvormittag wird der ­Bericht veröffentlicht. Thomas Bach (57), Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, sagt: „Ich bin zuversichtlich.“ Er hofft, „dass wir gerade in den Bereichen ­Umwelt und Sportkonzept punkten“.

Der Evaluierungsbericht dröselt alle Bewerbungen streng logisch in unterschiedliche Bereiche auf. Er vergibt da zwar keine Punkte oder Schulnoten und vergleicht die Bewerbungen auch nicht untereinander – aber die Formulierungen im Text werden trotzdem sehr deutliche Hinweise enthalten, in welchen Punkten die einzelnen Bewerbungen gut sind und wo’s noch Nachhol­bedarf gibt. Grundlage für das Papier sind die Besuche, die die Evaluierungskommission in den Bewerberstädten machte. In München waren die Olympia-Detektive Ende Februar/Anfang März zu Gast.

Wie wichtig der Bericht ist, wenn am 6. Juli die Spiele vergeben werden? Dazu gibt’s verschiedene Lesarten. Insider sagen, dass die meisten IOC-Mitglieder weniger auf die Detailaussagen achten, sondern sich eher auf die kurzen Zusammenfassungen konzentrieren, die in dem Bericht auch enthalten sind. Sicher: Der Bericht gibt keine Wahlempfehlung.

Aber: Trotzdem kann er den IOC-Mitgliedern entscheidende Hinweise geben. Bach: „Der Bericht ist im Wintersport wichtiger als im Sommersport. Das liegt daran, dass Winterspiele technischer sind als Sommerspiele. Man kann zum Beispiel ohne Weiteres ein Schwimmbad vom einen Ende der Stadt ans andere Ende der Stadt schieben. Aber man kann keine Berge verschieben und ­keine Abfahrtsstrecken erfinden.“ Die Kommission konnte deshalb exakt nachfragen – und die Bewerber mussten exakt antworten, Spielraum gab’s da keinen. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude sagt: „Wir sind keine Antworten schuldig geblieben.“

Jetzt wird sich zeigen, wie die Evaluierungskommission die ­Lage einschätzt – und dann geht’s auch gleich wieder Schlag auf Schlag weiter. In der kommenden Woche ist technische Präsentation vor den IOC-Mitgliedern in Lausanne. 45 Minuten lang – anstatt 20 wie bisher. Bach: „Da haben wir die Chance, die ganze Substanz der Bewerbung noch deutlicher herauszuarbeiten.“

Und dann: der Endspurt. Am 28. Juni gibt’s noch eine Präsentation vor den afrikanischen NOKs in Togo. Und am 6. Juli ist dann die IOC-Session in Durban (Südafrika), bei der die Entscheidung fällt. Die gut hundert wahlberechtigten IOC-Mitglieder stimmen in geheimer Wahl ab. Das Abitur, gewissermaßen. Am Dienstag wird das Zwischenzeugnis zeigen, wie gut die Münchner Bewerbung für diese Prüfung gerüstet ist.

Uli Heichele

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