"Papas Kino ist tot": 50 Jahre Oberhausener Manifest

München/Oberhausen - Es war eine Revolution: Im Kampf gegen seichte Heimat- und Liebesschnulzen haben Filmemacher vor 50 Jahren das Oberhausener Manifest unterzeichnet.

Mit dem Aufruf „Papas Kino ist tot“ protestierten sie gegen Konventionen und kommerzielle Zwänge bei deutschen Produktionen, um den Film wieder als anspruchsvolle Kunstform zu etablieren. Am 28. Februar 1962 verfassten sie deshalb während der Westdeutschen Kurzfilmtage das Oberhausener Manifest. Am Dienstag, genau 50 Jahre danach, laden die Kurzfilmtage Oberhausen in die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München, um das vielleicht wichtigste Dokument des deutschen Nachkriegsfilms bei einem Festakt zu feiern.

Die Feier finde in München statt, weil dort viele der Unterzeichner wohnten, teilten die Veranstalter am Montag mit. In der Tat hatten sich einige Vordenker in der Münchner Gruppe „DOC 59“ rund um den Filmemacher Haro Senft zusammengeschlossen. Regisseure wie Peter Schamoni, Edgar Reitz und Alexander Kluge unterschrieben das Schriftstück damals. Sie waren vor allem empört, dass ihre Filme im Ausland viele Preise erhielten, in Deutschland aber kaum Anerkennung bekamen. Auf ihr Manifest reagierte die Branche erstmal spöttisch. Dennoch markierte es einen Wendepunkt und schuf eine Grundlage für berühmte Regisseure wie Werner Herzog oder Wim Wenders.

Viele der Unterzeichner werden zu dem Festakt erwartet. Neben dem Leiter der Kurzfilmtage, Lars Henrik Gass, sind auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), Bayerns Medienminister Thomas Kreuzer und der Oberhausener Oberbürgermeister Klaus Wehling eingeladen. Nach den Festreden und einer Filmvorführung ist eine Diskussion geplant zum Thema „Was ist vom Aufbruch geblieben?“. Auch bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen wird das Manifest im Mittelpunkt stehen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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