Mutter dreht durch: 16-Jährigen als Vergewaltiger beschimpft

Vaterstetten - Sie hatte Angst um ihre hübschen Töchter. Dabei sind einer Mutter die Sicherungen durchgebrannt. Sie packte einen 16-Jährigen am Kragen und beschimpfte ihn auf offener Straße bei einem Vaterstettener Getränkemarkt.

„Vergewaltiger, lass die Finger von meinen Töchtern, sonst gnade dir Gott“, plärrte die aufgebrachte Frau. Das war im Februar 2010. Doch das ist erst der Anfang einer Geschichte der Selbstjustiz. Ihr aufbrausendes Verhalten musste Verena S. (Name geändert), 45, nun vor dem Ebersberger Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Nötigung.

Die Vorgeschichte: In der Nachbarschaft kursierte das Gerücht, dass der damals 15-jährige Sebastian F. (Name geändert) eine Mitschülerin in einer Halloween-Nacht vergewaltigt haben soll. „Er lag in einem Garten nahe meines Hauses nackt auf ihr“, behauptete die Beschuldigte. Daraufhin schaltete sich die Kripo ein, befragte Zeugen, unter anderem auch die Angeklagte. Allerdings wurde das Verfahren bereits während der Ermittlungen eingestellt. Dem Jugendlichen konnte die Täterschaft nicht nachgewiesen werden.

„Ich hatte solche Angst“, sagte die völlig aufgebrachte Frau vor Gericht „Er ist meiner 14-jährigen Tochter nachgelaufen und so Scherzchen.“

Kurz nach dem Getränkemarktvorfall flogen ein weiteres Mal die Fetzen: Sebastian F. wirft mit ein paar Kumpels Schneebälle an das Haus der Angeklagten. Ihre drei Töchter sitzen verängstigt im Kinderzimmer, rufen „Mami, Mami.“ Die alleinerziehende Mutter sieht Sebastian F. an der Hecke stehen und angeblich in das Fenster ihrer Tochter schielen. Barfuß rennt sie aus dem Haus, ruft: „Hört zu Jungs, das ist asozial.“ Die Jugendlichen sollen sie als „Fotze, Schlampe, Hure“ beleidigt haben, behauptete sie. Verena S. jagt dem 16-Jährigen, der auf dem Rad fliehen will, hinterher, packt ihn an der Kapuze. Er befreit sich, flüchtet. Daraufhin hatte Verena S. ihn angezeigt und behauptet, er habe sie geschlagen. Dieses Verfahren wurde eingestellt. Dafür kam wie ein Bumerang der Strafbefehl auf sie zurück geflogen. Aber Sebastian F. belastete sie nicht: „Für mich ist die Sache gegessen“, sagte er.

Der Anwalt der Beschuldigten forderte „Waffengleichheit“, also das Verfahren einzustellen. Der Staatsanwalt tadelte ihn: „Wenn man einen 16-Jährigen vor allen Leuten in einem kleinen Ort als Vergewaltiger bezeichnet, ist das schlimm für ihn. Das ist Selbstjustiz.“ Richter Peter Hayler stellte das Verfahren gegen eine Geldauflage von 500 Euro ein.

Von Marlene Kadach

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