Unterföhring: Blutiges Ende einer Teenager-Liebe

Freund tötet Larissa (16) im Drogenrausch - Psychiatrie!

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Larissa und Adrian umarmen sich. Das Foto stammt aus dem Sommer 2014.

Unterföhring - Es war das blutige Ende einer Teenager-Liebe. In der Nacht auf Samstag erstach Adrian S. (23) seine Freundin Larissa P. (16). Jetzt sitzt er in der Psychiatrie.

Wenn ich dieses Foto lösche, hab ich aufgehört dich zu lieben,“ schrieb die 16-Jährige Larissa P. im Juli letzten Jahres unter ihr Lieblingsbild. Das Foto zeigt sie in enger Umarmung mit ihrem Freund, dem sieben Jahre älteren Adrian „Adi“ S. (23). In der Nacht zu Samstag hat Larissa ihre große Liebe mit dem Leben bezahlt. Unter Drogeneinfluss erstach der 23-jährige Gemeindearbeiter das junge Mädchen in der elterlichen Wohnung in der Fichtenstraße in Unterföhring (Landkreis München) – so berichtet es die Polizei. Ein Drama, dass alle Beteiligten – Familie, Freunde, Eltern, Polizisten, Ärzte – sprachlos macht. Denn es gibt noch nicht mal ein Motiv, außer einem völlig belanglosen Streit um die Zimmerbeleuchtung!

Der Vater war in jener Nacht bei seiner Lebensgefährtin. Larissa und ihr Freund blieben allein in der Wohnung. Um Mitternacht rauchte Adrian einen „Dübel“ – gemeint ist damit ein Joint. Das erzählte der 23-Jährige später der Mordkommission. Nach Darstellung von Peter Klinger von der Münchner Mordkommission stritten die beiden um 1.30 Uhr in Larissas Zimmer. Klinger: „Es ging um die Frage, ob das Licht ein- oder ausgeschaltet werden sollte.“ Der Streit verlagerte sich aus der Wohnung auf die Straße. Völlig aufgelöst bittet Larissa dort einen gerade heimkommenden Nachbarn (20) um Hilfe. Der junge Mann kann den Streit schlichten, geht mit Larissa und Adrian zurück ins Haus und in deren Wohnung. Genau in dem Moment bekommt der Zeuge eine Nachricht auf sein Handy. So sieht er nicht, dass sich eine Katastrophe anbahnt. Denn Adrian S. muss sich in der Küche ein Messer geholt haben. „Er ging auf sie zu. Ich dachte, er nimmt sie jetzt in den Arm und sie versöhnen sich“, berichtete der Zeuge der Polizei. Stattdessen sieht er plötzlich, wie das Mädchen blutüberströmt zu Boden sackt. Ein Messer fällt neben ihr auf den Boden. Adrian S. verlässt die Wohnung. Der Nachbar zwingt sich zur Ruhe, ruft den Notarzt und versucht, dem sterbenden Mädchen Erste Hilfe zu leisten. Doch die Halsschlagader und eine große Vene wurden von dem Messer zerrissen. In kürzester Zeit verliert Larissa große Mengen Blut. Mehrere Notärzte bringen das Mädchen in die nächste Klinik, wo bereits ein ganzes OP-Team bereit steht. Doch in diesem Fall versagt alle ärztliche Kunst. Stunden später müssen die Ärzte der Familie eröffnen, dass bei Larissa aufgrund des Sauerstoffmangels der Hirntod eingetreten ist. Am Sonntag um 11.15 Uhr teilt die Klinik den Tod des Mädchens mit. Die Trauer in Unterföhring ist unendlich. Im Internet brennen viele virtuelle Kerzen für Larissa.

Adrian S. wird draußen vor dem Haus festgenommen. Er leistet Widerstand, wird nach der Blutentnahme in der Rechtsmedizin gefesselt und zur Vernehmung zur Mordkommission gebracht. Er redet wirr: „Ich kenne jetzt den Unterschied zwischen Gut und Böse. Jetzt bin ich gerade gut...“. Doch dann wird er wieder böse. Er bedroht die Schreibkraft, tobt, muss zwei Mal zu Boden gebracht werden, spricht plötzlich nur noch Spanisch und reißt sich selbst die Handgelenke an den Handschellen auf. In Begleitung von kräftigen USK-Beamten wird er gefesselt in die Psychiatrie gebracht. Ob Drogen diesen Zustand ausgelöst haben und ob er für Larissas Tod überhaupt verantwortlich gemacht werden kann, müssen nun Gutachter entscheiden.

Bilder: Messer-Attacke in Unterföhring nach Beziehungsstreit

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„Sie war lustig und hilfsbereit“

Larissa P. († 16) liebte ihre Mädels-Clique, hohe Schuhe, laute Musik, Kekse mit dicken Schokostückchen, Dieter Bohlen und Mandy Capristo, die FC-Bayern-Stars, ihr iPhone und ihre 694 Facebook-Freunde. Ein ganz normaler, ansteckend fröhlicher Teenager eben. Mit einer Besonderheit: Larissa liebte den deutlich älteren Gemeindearbeiter Adrian „Adi“ S. (23). Ein gutaussehender Mann mit kubanischen Wurzeln. Larissas Eltern leben getrennt, das Mädchen wohnte bei ihrem Vater in Unterföhring. Ob der begeistert davon war, dass sein Kind sich so eng an den deutlich älteren Mann band? Sie war erst 14 und er 21 gewesen, als die beiden sich kennenlernten. Doch die Eltern der beiden jungen Leute kennen und schätzen sich – der Vater duldete die Beziehung … In den letzten Wochen wohnte Adi S. fast die ganze Zeit mit in der Wohnung der Familie P. in der Unterföhringer Fichtenstraße.

In den vergangenen Monaten hatte sich Larissa verändert. Ihre ehemalige Chefin Traudl Schmidramsl vom Hotel-Gasthof Neuwirt im Nachbarort Ismaning, wo Larissa eine Ausbildung zur Hotelkauffrau machte, musste ihr schon nach sechs Wochen im Oktober kündigen: „Larissa hatte ihre Ausbildung im September so stark begonnen. Die Gäste liebten sie, sie sah immer reizend aus und war sehr fleißig. Doch plötzlich wurde sie unzuverlässig. Sie meldete sich krank oder erklärte ihren Kollegen, sie habe keinen Bock mehr.“ Die Chefin gewann den Eindruck, „dass das Mädchen unter einen schlechten Einfluss geraten war. Es war so schade, denn sie hatte ein gutes Potenzial.“ Auch Adrian S. nahm keinen guten Weg. Er kiffte und prügelte sich, hatte Ärger mit der Polizei wegen diverser Körperverletzungen. Psychisch instabil, suchte er heimlich ambulante Hilfe in der Psychiatrie.

Bei einem Supermarkt begann Larissa kürzlich eine neue Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Ihre Freundinnen bemerkten keine Veränderung: „Sie war genauso lustig, verrückt, aufgedreht und hilfsbereit wie immer.“ Und auch ihr Freund Adi war im Freundeskreis willkommen: „Wenn wir ihn mal sahen, war er immer nett. Wir hätten nie gedacht, dass er sowas macht …“

Dorita Plange, Tobias Scharnagl

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