25 Jahre Flughafen

So funktioniert die Gepäckbeförderung am Flughafen München

Der Chef im Herzstück: Siegfried Seelos mitten im System

Seit einem Vierteljahrhundert starten und landen die Flieger nun im Erdinger Moos. An Bord sind zumeist Urlauber und Geschäftsreisende. Wir erklären, wie das automatische Gepäckfördersystem funktioniert.

München - Die gesamte Anlage hat XXL-Format: Das Kofferkarussell unter dem Terminal 2 umfasst eine Fläche von rund 90.000 Quadratmetern. Pro Stunde werden dort bis zu 12.000 Gepäckstücke vom Check-in zu den Flugzeugen und von den Fliegern zur Gepäckausgabe transportiert – mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern.

An 138 Stellen im Terminal 2 können Fluggäste ihr Gepäck abgeben. Dort bekommen Koffer und Taschen einen sogenannten „Tag“, auf dem alle wichtigen Informationen gespeichert sind. Dann geht’s los: Das Gepäckstück wandert per Plastikwanne (wiederum mit eigener Identifikationsnummer) in das 45 Kilometer lange System. Dort warten XXL-Zahlen: Rund 24 500 Antriebselemente sorgen für Vortrieb, 253 Steuerungen gibt es in dem System und 14 500 Förderelemente. 22 000 Lichtschranken regulieren den Gepäckfluss, etwa 500 Abzweige weisen den Koffern und Taschen den richtigen Weg.

Lesen Sie hier die erste Folge unserer Serie zum Jubiläum des Münchner Flughafens, in der wir den Tower und sein Innenleben vorstellen. 

Umsteigen in nur 30 Minuten muss möglich sein

Am Drehkreuz München beträgt am Terminal 2 die sogenannte Minimum Connecting Time 30 Minuten. Das heißt, dass zwischen der Landung des Zubringerfluges und dem Start des Anschlussfliegers eine halbe Stunde als Umsteigezeit reichen muss, damit Passagiere und ihr Gepäck mitkommen. Je nach Parkposition der Flugzeuge bedeutet das sportliche Höchstleistung für die Gepäcktransporteure.

Gepäck-Manager Stefan Marx.

Zur Eröffnung des neuen Satellitenterminals vor einem Jahr musste die Gepäckbeförderungsanlage deutlich erweitert werden. Bei der erwarteten Menge von bis zu elf Millionen zusätzlicher Passagiere pro Jahr musste die Sortierkapazität um rund 30 Prozent erweitert werden. Dieser Umbau ging in rund vier Jahren über die Bühne – bei laufendem Betrieb.

Marco Butz, Teamleiter Zentrale Infrastruktur

Bei der Flughafen München GmbH ist man besonders stolz darauf, diese Erweiterung im geplanten Zeit- und Kostenrahmen geschafft zu haben. Etwas Vergleichbares gab es vorher noch nie. „So ein Bauvorhaben wurde weltweit zum ersten Mal durchgeführt“, sagt Siegfried Seelos stolz.

Der Teamleiter Zentrale Infrastruktur, der bei der T2-Gesellschaft angestellt ist, managte mit rund 40 Mitarbeitern und diversen externen Partnern das Projekt.

Nun stehen Siegfried Seelos und sein Team bereit, ihr Knowhow bei ähnlichen Umbauvorhaben weiterzugeben – mit XXL-Projekten kennen sie sich aus.

Die Gepäckbeförderung im Detail


Schalter / Gepäckaufgabe

Hier verabschieden sich die Passagiere von ihrem Gepäck. Der Koffer erhält einen sogenannten Tag mit einem Strichcode, in dem sämtliche relevanten Reisedaten (z.B. Name des Passagiers, Flugnummer und Zielflughafen) ­gespeichert sind. Dieser dient zur Identifizierung des Gepäckstücks. Der Koffer folgt dann automatisch seinem Besitzer. Mit dem Ausstellen der ­Bordkarte erfolgt quasi die Verladefreigabe fürs Gepäckstück – also nicht trödeln! 45 Kilometer ist das gesamte Gepäckfördersystem lang

Transportwanne

Jedes Gepäckstück landet in einer mit einem Strichcode versehenen Transportwanne und wird in dem kilometerlangen System zum Ziel transportiert. Es kann mittels der rund 600 Scanner jederzeit aufgespürt werden.

Transfergepäckbänder

Das Gepäck von Passagieren, die in München umsteigen, wird ebenfalls in das Gepäcksystem eingespeist. Am Drehkreuz München gilt eine „Minimum Connecting Time“ von 30 Minuten – die Mindestzeit für Passagiere zum Umsteigen. Um diese gewährleisten zu können, wird das Transfergepäck mit höherer Priorität bearbeitet. 25 km/h schnell bewegen sich die Koffer, wenn sie durch das System geschleust werden.

Sperrgepäck

Kinderwagen, Surfbrett oder Fahrrad – alles, was die Maße des normalen Gepäcks überschreitet, wird hier von Hand ins ­System gebracht. Im Terminal 2 stehen dafür rund 220 Wannen in Übergröße zur Verfügung.

Mehrstufige Sicherheitskontrolle

In einem mehrstufigen System wird das Gepäck entweder direkt nach der Gepäckaufgabe oder über zentrale Kontrollgeräte durchleuchtet und bei Auffälligkeiten kontrolliert.

Leitwarte

Das Herz der Anlage. Hier laufen alle Informationen zu Abflügen und Ankünften sowie den im System befindlichen Gepäckstücken zusammen. Das können an Spitzentagen bis zu 65 000 Koffer und Taschen sein. Mitarbeiter überwachen ständig die Funktionsfähigkeit des Fördersystems und leiten bei einer eventuellen Störung entsprechende Maßnahmen ein.

Entnahmekarussell

Zum Schluss sind Muskeln gefragt: Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste nehmen die Gepäckstücke hier vom Band, verladen sie auf Transportwagen und beförden sie im Anschluss zum Flugzeug, wo es dann verladen wird. 14.500 Förderelemente, 24 500 elektrische Antriebe sowie 22 000 Lichtschranken regulieren den Gepäckfluss.

Leerwannenspeicher

Hier werden all diejenigen Plastiktransportwannen zwischengelagert, die momentan nicht im System benötigt werden. Insgesamt sind im Terminal 2 rund 7400 solcher Wannen im Umlauf.

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