Eine tz-Serie zum Jubiläum

25 Jahre Flughafen München: Wir stellen den Tower vor

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Zentral und hoch: Dieser Turm ist quasi das Auge des Flughafens.

Vor 25 Jahren zog der Münchner Flughafen von Riem ins Erdinger Moos. Anlässlich dieses Jubiläums stellen wir Ihnen so einiges vor. Heute an der Reihe: der Tower.

München - Es ist ein XXL-Jubiläum – und wir zeigen Ihnen die XXL-Bilder dazu: 25 Jahre ist es jetzt her, dass der Münchner Flughafen von Riem ins Erdinger Moss zog. Es war am 16. Mai 1992 um Mitternacht, als in Riem die Lichter ausgingen. Am nächsten Morgen begann dann die Geschichte des Flughafens München Franz Josef Strauß. Vermutlich nicht einmal die kühnsten Optimisten konnten sich damals ausmalen, was in der Folge alles passieren würde, was für eine Entwicklung da folgen sollte… 

Verkehrsknotenpunkt der Superlative: der Flughafen im Erdinger Moos.

Schon rund 30 Jahre zuvor war die Idee entstanden, dass München einen neuen Flughafen brauche – nicht zuletzt unter dem Eindruck des schrecklichen Unglücks mit 52 Toten am 17. Dezember 1960. Allerdings war das Projekt von Anfang an umstritten: 5724 Klagen hatte es allein gegen den Planfeststellungsbeschluss gegeben. Verhindert haben sie den Bau nicht. Eröffnet wurde der Flughafen feierlich am 11.Mai 1992 – und nach mehreren Tagen Probebetrieb kam die Nacht der Nächte: Zwei Jahre hatten die Vorbereitungen für den Umzug gedauert. In rund 16 Stunden war er absolviert, alles klappte wie am Schnürchen. 

Ein Blick hinter die Kulissen

Zum Jubiläum des Flughafens wollen wir in den nächsten Ausgaben der tz hinter die Kulissen schauen und einige der wichtigsten Bestandteile von MUC vorstellen. Wir erklären, wie der Flughafen funktioniert, welche Geheimnisse sich in den Bereichen verstecken, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglichsind. Und wir stellen auch die Menschen vor, die am Flughafen arbeiten und ohne die kein Flieger abheben könnte.

Heute starten wir mit dem Tower, der höchsten Instanz am Flughafen. In dem 78 Meter hohen zentral gelegenen Bauwerk haben Lotsen und Vorfeldkontrolleure alles im Blick und im Griff. Es ist kein einfacher Job – und vor allem einer mit sehr viel Verantwortung, denn pro Stunde starten und landen bis zu 90 Maschinen hier am Münchner Airport.

Flugsicherung

Auf der obersten Ebene des Towers arbeiten tagsüber zeitgleich je ein sogenannter Platz- und ein Rolllotse pro Start- und Landebahn, dazu zwei Platzkoordinatoren sowie ein Supervisor. Ihre Arbeit beginnt lange,bevor der Flieger mit bloßem Auge zu sehen ist: Wenn dieser noch rund 18 Kilometer von der Landebahn entfernt ist, wird die anfliegende Maschine vom Fluglotsen begrüßt. Die Piloten bekommen Windrichtung und -stärke mitgeteilt und werden aufgefordert, in die reduzierte Anfluggeschwindigkeit zu wechseln. Die Betreuung durch die Flugsicherung endet für abfliegende Maschinen,sobald sie in ihre Routenrichtung abdrehen.

Fast beschaulich wirkt der alte Flughafen Riem.

Wetterbeobachtung

Das Tower-Büro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf der Ebene 92 ist rund um die Uhr besetzt. Jeweils ein Meteorologe absolviert eine Zwölf-Stunden-Schicht. 32 Sensoren, die an verschiedenen Stellen auf dem Flughafengelände aufgestellt sind, messen Windstärke, Wolkenbedeckung und andere Daten, die für den Flugverkehr wichtig sind. Alle 30 Minuten verschickt der Wettertechniker die wichtigsten Beobachtungen und Messergebnisse als Wettermeldung. Sind auffällige Veränderungen zu erwarten, informiert er den DWD-Wetterberater im Büro im Munich Airport Center.

Vorfeldkontrolle

Pro Schicht lenken auf Ebene 90 zwei Kontrolleure den Verkehr der ankommenden und abfliegenden Maschinen auf den Vorfeldern. Sie dirigieren die Piloten in den Flugzeugen und entscheiden, in welcher Reihenfolge und auf welchen Wegen sie ans Terminal rollen und wer wann abheben darf. Die Reihenfolge beim Start erfolgt nicht zwingend nach der Wartezeit. Entscheidend sind Sicht, eventuell anfliegende Maschinen und wie schnell ein Flieger starten kann. Zwischen zwei Flugzeugen, die auf gleicher Route fliegen,muss beispielsweise mehr Abstand eingehalten werden.

Der Vierkant-Tower am Flughafen Riem.

Schwindelfreier Saubermann

Ab und zu verstellt ein bärtiges Gesicht den Blick auf Vorfeld sowie Start- und Landebahn. Die Lotsen im Tower freuen sich dann über den Mann mit dem Wischer und grüßen – schließlich sorgen Zikret Kameric und seine Kollegen dafür, dass die Flugsicherung immer den Durchblick behält. In schwindelnder Höhe stehen die Experten für die sauberen Scheiben in einem kleinen Drahtkorb an der sogenannten Befahranlage, die rings um den Tower fährt,damit jede Scheibe geputzt werden kann. 

Einer der Fensterputzer: Ziket Kameric (hinten).

Man gewöhne sich mit der Zeit daran, dass der Boden 70 bis 80 Meter tiefer ist, meint Kameric, „aber es ist jedes mal eine kleine Überwindung, in den Korb zu steigen“. Höhenangst kenne er aber nicht. Er selbst ist per Gurt gesichert, ebenso ist die gesamte Arbeitsausstattung an einem Seil befestigt – „runterfallen kann nichts!“ Der Objektleiter und seine Kollegen lassen sich nur durch extremen Wind oder starke Niederschläge bremsen, ansonsten wischen sie bei jedem Wetter. Wenn es klar ist, hat Kameric dann den besten Blick auf das Alpenpanorama, „das ist sensationell“.

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