35-Jähriger zeigt sich unsittlich

Sex-Triebe in Forum für Rezepte ausgelebt

Ampertal - Für seine Vorlieben hat sich ein 35-Jähriger aus dem Ampertal das falsche Internetforum ausgesucht: Anstatt sich über Backrezepte auszutauschen, ging er seinen sexuellen Trieben nach - ganz öffentlich.

Die Nutzer eines Internetforums waren entsetzt: Eigentlich wollten sie sich gegenseitig Tipps geben, wie man Steuern sparen könne. Auch leckere Backrezepte wollten sie austauschen. Stattdessen mussten sie auf dem Bildschirm live zusehen, wie ein 35-Jähriger vor ihnen masturbierte. Insgesamt sechs Mal, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll er sein unbekanntes Publikum mit seinen Aktivitäten belästigt haben. Dabei war sich der Mann wohl sicher, in der Unendlichkeit des World Wide Web anonym zu bleiben. Doch da hatte er seine unfreiwilligen Zuschauer unterschätzt: Einem missfiel ganz gehörig, dass ihm statt neuen Backrezepten nun eine Gratis-Show aufgedrängt wurde. Er berichtete der Polizei davon. Über die IP-Adresse des Computers wurde der 35-Jährige schließlich ermittelt. Wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses musste er sich nun vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Alle Beteiligten waren zur Verhandlung erschienen - nur der Angeklagte nicht. Richter Urs Drescher entschied daraufhin, ins Strafbefehlsverfahen überzugehen. Will heißen: Dem 35-Jährigen wird ein schriftliches Urteil in Form eines Strafbefehls zugehen. Das Gericht verständigte sich auf eine sechsmonatige Freiheitsstraße, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte 80 Sozialstunden ableisten. Akzeptiert er das Urteil, ist die Sache für ihn erledigt. Nur bei einem Einspruch seinerseits käme es doch noch zu einer öffentlichen Hauptverhandlung.

Die Entscheidung des Gerichts, sich und dem Angeklagten eine weitere öffentliche Verhandlung zu ersparen, ist ungewöhnlich. Denn: Normalerweise werden Angeklagte für ihr Fernbleiben nicht noch belohnt. Allerdings sei das Vorgehen im Sinne der Prozessökonomie zu vertreten, so der Richter. Zudem berichtete der Verteidiger, dass sein Mandant die Vorwürfe einräume. Ein umfassendes Geständnis ist Vorraussetzung für die Eröffnung eines Strafbefehlverfahrens. Das Urteil darf zudem eine Strafe von zwölf Monaten nicht überschreiten.

Darüberhinaus konnte dem Mann nicht nachgewiesen werden, den Prozess bewusst versäumt zu haben. Zwar dürfte ihm der Termin über seinen Anwalt bekannt gewesen sein. Die schriftliche Ladung konnte ihm nach Information des Gerichts jedoch nicht zugestellt werden.

Wie zu erfahren war, ist der Angeklagte mehrfach aber nicht einschlägig vorbelastet. Außerdem steht er bereits unter offener Bewährungsaufsicht, die sich auf ein Verkehrsdelikt bezieht. Eine weitere Bewährung sei deshalb ausgeschlossen.

Rubriklistenbild: © dpa

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