400.000-Euro-Lamborghini geschrottet

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Gefühlte Geschwindigkeit: Ein Lamborghini dieses Typs wurde bei einem Unfall bei Purfing zerstört.

Vaterstetten - Der Mechaniker sagt: es war wohl ein Bremsdefekt. Der Gutachter sagt: Es war wohl eher das Gas. Fest steht: Nach fünf Minuten Probefahrt war der Spaß in einem Lamborghini zu Ende für einen Griechen und einen Serben. Vor Gericht wurde es jetzt richtig Ernst.

Gefahren hatte das Auto der 32 Jahre alte Luan N. Er arbeitet für einen Anzinger Nobelkarossenservice - „als Hol- und Bringdienst“. Im Wagen saß auf dem Beifahrersitz der vier Jahre jüngere Kosta K. (beide Namen geändert). Nach dem Unfall hatte der Fahrer einen Strafbefehl über 1200 Euro erhalten - unter anderem wegen Körperverletzung. Beide Insassen waren zwischen Purfing und Neufarn bei einem Ausritt ins Gelände incl. Überschlag erheblich verletzt worden. Der Lambo LP 670 SV wurde total demoliert. In seinen Resten stocherten anschließend zwei Gutachter nach einem möglichen Defekt. 400 000 Euro war das Auto mal wert. Der Unfallfahrer erhob Einspruch gegen den Strafbefehl.

Luan N. schildert den Hergang so: „Es gab plötzlich einen Schlag. Dann ist das Auto ausgebrochen.“ Vorher hatte er beteuert, dass er sehr untertourig gefahren sei, „weil das Auto noch kalt war“. Kosta K. hatte eine „persönliche Einladung des Chefs zum Tag der offenen Türe“ der Servicefirma erhalten. Er durfte deshalb in dem Boliden auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. „Die Wiese ist plötzlich von oben gekommen“, schilderte der Grieche seine Fahreindrücke. Vorher hatte er sich noch ganz entspannt mit dem Fahrer unterhalten. Kurz bevor der Sportwagen abhob, hatte er schon ein Gefühl im Bauch „wie in einem Flugzeug“. Zu schnell sei man aber nicht unterwegs gewesen - „rein subjektiv“.

Objektiv Licht in den Unfallhergang bringen wollte ein Sachverständiger der Firma Audi. Hinten links war nämlich die Bremsscheibe des Autos gebrochen. Vor Gericht ging es jetzt um die Frage, ob das unfallursächlich war. Damit wäre die Anklage gegen den 32-jährigen Fahrer gegenstandslos geworden. Der Verletzte hatte eigener Auskunft nach bereits Schmerzensgeld erhalten. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass die Bremsscheibe bei der Gewalteinwirkung durch den Überschlag in der Wiese gebrochen war. Seine Theorie untermauerte er damit, dass das ausgebrochene Stück in der Kontur genau dem Bremssattel der Handbremse entsprach. Den vom Angeklagten geschilderten „Schlag“ führte er darauf zurück, dass das Auto nach einer Kuppe abgehoben und wieder in die Federn gekracht sei. Das schilderte der Beifahrer genauso. Verteidiger Gerhard Steffen warf der Staatsanwaltschaft vor, sie habe versäumt, den Wagen zur Begutachtung beschlagnahmen zu lassen. Nach einer langatmigen, zweimaligen Besprechung mit dem Angeklagten wurde schließlich der Strafbefehl akzeptiert. „Sonst wird’s noch teurer“, meinten Richter Peter Hayler und Staatsanwalt Philipp Hildebrand warnend.

Von Michael Seeholzer

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