57-Jähriger verzweifelt

Er wohnt seit einem Jahr im Auto: „Sehne mich nach einem Bett“

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Erst fahren, dann schlafen: Rashied Eltanbashawy verbringt mehr Zeit in seinem Auto als ihm lieb ist.

Eine Nacht im Auto – was für Partygänger nach einem feucht-fröhlichen Abend oder Urlauber auf dem Weg ans Meer schon mal als Notlösung taugen kann, ist für Rashied Eltanbashawy inzwischen die Regel. Seit knapp einem Jahr wohnt der 57-Jährige in seinem vierrädrigen Untersatz. Obwohl er am Flughafen fest angestellt ist, verlief die Wohnungssuche bislang erfolglos.

Neufahrn Eltanbashawy kam 1989 von Ägypten nach Deutschland. Er studierte an der Universität in Dortmund Sozialpädagogik und lernte dann seine künftige Frau kennen, wegen der er nach München ging. Nach Abbruch des Studiums arbeitete er als Maler und Lackierer, zog mit seiner Gattin in eines kleines Dorf im südlichen Landkreis um, wo das traute Eheglück Anfang 2000 ein Ende nahm. „Es hat einfach nicht mehr funktioniert – da muss man dann auch mal einen Schlussstrich ziehen“, sagt der 57-Jährige rückblickend. Rashied Eltanbashawy verließ daraufhin das gemeinsame Anwesen und zog in die Wohnung einer örtlichen Gastwirtschaft um.

Dort wurde er bestens aufgenommen. Neben seinem regulären Job in Aschheim half der gebürtige Ägypter auch immer wieder am Ausschank des Gasthofs aus – und gehörte somit irgendwann zum Inventar. Doch Anfang 2016 teilte ihm der Wirt mit, dass dieser die Wohnung für ein Familienmitglied brauche. Kündigung wegen Eigenbedarf. „Gefreut hat mich das natürlich nicht, aber andererseits muss man für sowas Verständnis zeigen. Ich habe mit den Wirtsleuten bis heute ein gutes Verhältnis.“

In der Zwischenzeit war der 57-Jährige beruflich an den Flughafen gewechselt, wo er zunächst als Gepäckabfertiger und jetzt bei einem Security-Untnehmen arbeitet. Doch obwohl er einen Job hat, gestaltete sich die Wohnungssuche für Eltanbashawy als äußerst schwierig. Meistens scheitert es schlicht am nötigen Geld. Die Flughafen-Region ist nicht billig. Eine Rolle spielt dabei zweifelsohne auch die Privatinsolvenz, die er 2013 durchmachen musste. Eine schwierige Phase, in der er ein Jahr lang ohne Job war und gerichtlich gegen die Leihfirma vorging, die ihn als Gepäckabfertiger eingestellt hatte. Die hatte mal eben seinen Stundenlohn von elf auf acht Euro gesenkt. Hinzu kam, dass in der Zeit seine Eltern, die in Ägypten wohnten, verstarben. Eltanbashawy: „Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen.“ Er bekam Magenprobleme und musste wegen innerer Blutungen sogar ins Krankenhaus. Parallel dazu stritten Arbeitsamt und Krankenkasse über die Kostenübernahme – „und jetzt darf ich für Monate die Krankenversicherung nachzahlen.“

Sein größtes Problem aber bleibt: Rashied El Tanbashawy ist obdachlos. In Unterschleißheim hat er sich zwar einen Container gemietet, alllerdings ist dieser gerade mal so geeignet, seine Möbel unterzubringen. Versuche, dort zu übernachten – besonders im Winter – erwiesen sich als fast schon lebensgefährlich. Erfrierungen an Händen und Füßen erlitt er ebenso wie Entzündungen an Gelenken. „Die Schmerzen spüre ich jede Nacht im Auto.“ Dort hat er zwar, wenn der Motor läuft, immerhin eine Heizung, „aber ich will so schnell wie möglich da raus.“ Wen wundert’s: Keine Dusche, keine Toilette, kein Waschbecken – ganz zu schweigen von einer Küche. „Das ist kein Leben.“

So pendelt er durch die südlichen Landkreisgemeinden. In Neufahrn hat er vergeblich versucht, einen Platz in einer Notunterkunft zu bekommen. Seitens der Gemeinde wird ihm vorgeworfen, sich selbst nicht intensiv genug bemüht zu haben, seine Obdachlosigkeit zu beenden. „Da ist man nur noch sprachlos“, sagt Eltanbashawy. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Über das Landratsamt und die Gemeinde Eching hat er jetzt eine Sozialwohnung in Aussicht. Ab Mitte August könnte ihm diese zur Verfügung stehen. Was den 57-Jährigen tröstet: Jetzt kommen die warmen Monate, in denen er es zumindest von der Temperatur her in seinem 20 Jahre alten Kleinwagen aushalten könnte. „Aber ich sehne mich nach einem richtigen Bett.“ Diesbezüglich bahnt sich zumindest eine Übergangslösung an: Rashied Eltanbashawy ist auf ein für ihn bezahlbares Ein-Zimmer-Appartement gestoßen. Das könnte er bis zum Sommer nutzen. Sieht so aus, als ob die Nächte im Auto bald der Vergangenheit angehören.

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