Miese Masche – BKA schlägt Alarm

65.000 Euro! Rentner von Gaunern ausgenommen

München - Es ist die eiskalt einstudierte Rhetorik, die diese Anrufe so gefährlich macht. Denn dieser bedrohlichen Überzeugungskraft haben gutgläubige Senioren nichts entgegenzusetzen

 Ein einziger Anruf aus einem Betrüger-Callcenter in der Türkei hat einen Münchner 65.000 Euro gekostet. Weitere 100.000 Euro rettete ihm die Polizei.

Am 11. Juni bekam der 75-Jährige einen Anruf von einer Frau, die er für eine Amtsperson hielt. Sie kündigte ihm eine Pfändung an, die er nur durch eine Zahlung von 5000 Euro abwenden könne. Der ehemalige EDV-Spezialist erschrak so sehr, dass er nichts mehr hinterfragte und noch am selben Tag per Western Union 5000 Euro in die Türkei überwies.

Kurz darauf bekam er einen weiteren Anruf – diesmal von einem Mann. Es laufe bereits ein Strafverfahren, das der Rentner nur gegen Zahlung von weiteren 60 000 Euro stoppen könne. Der Rentner eilte zur Bank. Kurz darauf kam ein Bote und holte das Geld. Erst danach kam der Betrogene zur Besinnung – und schaltete die Polizei ein.

Zwei Wochen später versuchten es die Betrüger ein drittes Mal, forderten nunmehr 100.000 Euro. Bei der Geldübergabe wurde der Bote (35) und kürzlich auch ein in Rüsselsheim lebender Mittelsmann (25) der aus der Türkei agierenden Betrüger-bande festgenommen. Die 65.000 Euro sind allerdings verloren.

So viel Mut wie der Münchner Rentner haben die wenigsten Senioren, die sich von diesen bestens vernetzten und hochprofessionellen Betrügern einschüchtern ließen. Zehn bis 20 Versuche werden allein der Münchner Polizei jede Woche bekannt. Und Hauptkommissar Tobias Molnar und Oberkommissar Henning Frank erlebten selbst, „wie manch gut situierte Senioren darüber zu Sozialfällen wurden.“

Tipps zum Schutz

In der Präventionsarbeit gegen den sogenannten Callcenter-Betrug greift das Bundeskriminalamt zu drastischen und sehr einprägsamen Mitteln: Es wurde eine fingierte Anzeige entworfen, in der auf die bösartigen Tricks der Betrüger hingewiesen wird. Darüberhinaus gilt:

  • Glauben Sie fremden Anrufern nichts – auch nicht, wenn Sie sich als Staatsanwälte, Polizisten, Glücksfeen, Gerichtsvollzieher, Anwälte oder Inkasso-Büros ausgeben. Legen Sie einfach auf!
  • Leisten Sie niemals Vorauszahlungen – schon gar nicht ins Ausland oder an Boten. Diese Gelder sind garantiert weg!
  • Geben Sie niemals Bankdaten preis.

Eine Münchner Telefonnummer bedeutet nicht, dass der Anruf auch aus München kommt. Internet-Telefonnummern sind sehr leicht manipulierbar.

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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