80-Jährige im Friedhof eingesperrt: Seniorin muss über Mauer klettern

Fürstenfeldbruck - Sie war am Grab ihres Mannes. Doch als die 80-Jährige den Friedhof verlassen wollte, waren alle Tore zu. Sie musste über die Mauer klettern.

Freitag, später Nachmittag. Die 80-Jährige hat wie jeden Tag auf dem alten Friedhof bei St. Magdalena das Grab ihres verstorbenen Mannes besucht. „Es liegt ganz nah am Theresianum, deshalb wollt’ ich gleich hinten zur Tür raus gehen“, erzählt die Bruckerin. Schließlich wird der Friedhof im Winter um 17 Uhr geschlossen. Doch als die Seniorin die Klinke nach unten drückt, lässt sich das Tor nicht öffnen. „Ich habe eine Türe nach der anderen probiert, und es waren alle zu“, erzählt sie. „Das war ein Schock.“

Sie ist eingeschlossen, ganz alleine auf dem Friedhof, in der Eiseskälte. „Ich habe gefroren, bin immer hin- und hergelaufen“, erinnert sich die 80-Jährige. Zuerst überlegt sie fieberhaft, was sie tun soll. Als draußen auf dem Gehweg Menschen vorbeispazieren, ruft sie um Hilfe. „Doch die Leute haben nur mit den Achseln gezuckt.“ Keiner kümmert sich um die frierende alte Frau. Die versucht in ihrer Verzweiflung sogar, sich an der Friedhofsmauer hochzuziehen. „Doch das habe ich einfach nicht geschafft.“

Erst nach einer geraumen Zeit fällt der Seniorin in ihrer Aufregung ein, dass sie ihr Handy dabei hat. Sie will gerade den Notruf 112 anrufen, da läuft wieder ein Ehepaar vorbei. „Die haben gar nichts gesagt und sind in die Kirche gegangen“, erzählt die Frau. „Da habe ich schon gedacht, ich muss noch lange weiter warten.“

Doch dann kommt der Mann aus dem Gotteshaus zurück. In jeder Hand trägt er einen Stuhl - die Rettung. Einen reicht er der 80-Jährigen über die Mauer, den anderen stellt er auf seiner Seite ab. Die Eingesperrte steigt auf den Sitz und schafft es so auf die Mauer. Rüstig wie sie ist, kraxelt sie über die Wand und klettert über den zweiten Stuhl in die Freiheit. „Ich war so überglücklich und habe mich vor den beiden verneigt.“ Und dann hört sie, wie die Kirchturmuhr fünf schlägt.

Die 80-Jährige hat Glück gehabt und sich in der Eiseskälte nicht verkühlt. Was sie nicht versteht: „Der Schließdienst hätte doch schauen müssen, ob noch jemand dort ist, wenn er schon früher absperrt. Es gibt ja auch Leute, die unbeholfener sind als ich.“

Friedhofsleiter Detlev Kollmannsberger ist der Fall ein Rätsel. „Das war für die Dame sicher nicht schön“, gibt er zu. Aber er versichert: „Der Friedhof wird nie früher abgeschlossen.“ Zudem schaue der Schließdienst sogar extra in der Aussegnungshalle und den Toiletten nach, ob noch jemand auf dem Gelände sei. Seine Vermutung: „Wahrscheinlich waren die Türen eingefroren.“ Das sei nämlich in diesem strengen Winter schon öfter passiert.

Die Bruckerin kann inzwischen über die Geschichte lachen. „Das war schon ein Krimi.“ Und auch wenn der alte Friedhof im Winter tatsächlich bis 17 Uhr offen ist, die Zeit will sie künftig nicht mehr bis zum Ende ausschöpfen. „Des riskier’ i nimmer.“

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