Kurioser Streit vor Gericht

88-Jähriger traktiert Sohn (65) mit Besen

Maisach - Alter schützt vor Torheit nicht: Diese Binsenweisheit hat sich am Montag vor dem Landgericht München II wieder einmal bewahrheitet.

Auf der Anklagebank saß ein 88-jähriger Rentner aus Maisach, der im August vergangenen Jahres seinen Sohn, 65 Jahre, ebenfalls Rentner, mit einem Besen traktiert haben soll.

Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck hatte den Senior heuer im Dezember zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte er Berufung ein. Versuchte gefährliche Körperverletzung lautete der Schuldvorwurf. Der 88-Jährige bestritt ihn vehement, gab aber im gleichen Atemzug zu, dass er seinen Sohn mit dem Besen sehr wohl angestubst hatte, quasi als Notwehr, weil er angeblich zuvor vom Buben gewürgt worden war.

Familienleben fand in seinem Haus in Maisach schon seit Jahren auf ganz besondere Art und Weise statt. Während der Angeklagte „unten“ wohnte, lebte seine Frau „oben“, irgendwo dazwischen der Sohn. Es wurde praktisch nur gestritten, selten miteinander geredet.

So passierte es auch in der Verhandlung. Die Vorsitzende Richterin Michaela Welnhofer musste zweimal „Hallo“ in den Gerichtssaal rufen, um die Streithähne zur Ruhe zu bringen. „Ich würde mich schämen, mit so einem Schmarrn zu Gericht zu kommen“, sagte sie schließlich.

Angeblich hatte der Alte dem „Jungen“ schon die Wohnung gekündigt, doch der weigert sich auszuziehen, um seine halbwegs pflegebedürftige Mutter nicht im Stich zu lassen. Und worum es überhaupt ging im Rechtsstreit? Um Gartendreck, den seine Frau ins Haus gebracht hatte.

Der Senior kam dann doch noch zur Vernunft. Er nahm die Berufung zurück. (wal)

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