Schon wieder ein Horror-Unfall

A95: Die Autobahn des Todes

Starnberg - In der Polizeistatistik zählt die landschaftlich reizvolle Autobahn A95 zwischen München und Garmisch-Partenkirchen eigentlich zu den eher ruhigen Autobahnen in Oberbayern – mit wenigen Tempobeschränkungen.

 „Die A95 ist im Gegensatz zu den extrem befahrenen Nord-Süd-Achsen mit zahlreichen Einsätzen kein Unfallschwerpunkt“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Doch darin verborgen liegt die große Gefahr: Denn die A95 suggeriert trügerische Sicherheit und verleitet mangels Tempobeschränkungen zur hemmungslosen Raserei. Fünf Menschen haben bei schwersten Unfällen in den letzten drei Jahren hier ihr Leben verloren – und die Überlebenden und Hinterbliebenen werden ein Leben lang unter den Folgen leiden. In fast allen Fällen spielten kaum noch beherrschbare Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr die Hauptrolle. Ein Tempo, bei dem der geringste Zwischenfall zur Katastrophe führen kann. Am frühen Freitagabend ist es wieder geschehen. Und wieder hat der Temporausch ein junges Leben ausgelöscht:

Das Drama am Freitagabend

Ein Fahrfehler bei hohem Tempo auf noch dazu regennasser Fahrbahn wurde am Freitagabend zwei Freunden aus München in einem Porsche Boxster zum Verhängnis. Um 18.40 Uhr überholte der 29-jährige Fahrer zwischen Sindelsdorf und Murnau mehrere Fahrzeuge. Plötzlich geriet der Porsche ins Schleudern, durchpflügte den rechten Grünstreifen und schoss die ansteigende, untermauerte Böschung hinauf. Wie von einem Katapult hob der Sportwagen ab, drehte sich in der Luft und krachte mit dem Dach voran zurück auf die Autobahn. Dort rutschte der Wagen quer über alle Fahrspuren und blieb auf dem linken Fahrstreifen liegen. Der Fahrer überlebte den Unfall schwerst verletzt. Der Beifahrer († 32) wurde in dem völlig deformierten Fahrzeug eingeklemmt und musste von der Feuerwehr regelrecht herausgeschnitten werden. Kurz nach seiner Einlieferung ins Unfallkrankenhaus Murnau erlag er seinen schwersten Verletzungen.

Polizisten hatten die traurige Aufgabe, den Familien in München die schlimme Nachricht zu überbringen. Das Unfallauto wurde beschlagnahmt, ein Gutachter zur Rekonstruktion des Unfalls beauftragt. An dem Porsche entstand Totalschaden. (27 000 Euro). Die Autobahn nach Garmisch-Partenkirchen blieb bis 0.30 Uhr gesperrt. Der Verkehr wurde abgeleitet. Alle anderen Fahrzeuge mussten unter Feuerwehraufsicht an der Unfallstelle drehen und zur Ausfahrt Sindelsdorf zurückfahren.

3. August 2013: Eine Tote beim AK Starnberg

Mit etwa 255 (!) km/h raste der Fahrer (51) eines Porsche GT3 (475 PS, Neupreis 200 000 Euro) am 3. August 2013 auf das Autobahnkreuz Starnberg zu. Dabei platzte ein Reifen. Der Sportwagen wurde aus der langen Rechtskurve getragen, rammte den Toyota Yaris der Rentnerin Hannelore G. (67). Sie starb kurz darauf. Vor Gericht kam heraus, dass der Super-Porsche für den Rennsport umgebaut worden war und auf öffentlichen Straßen nicht mehr hätte gefahren werden dürfen. Der Fahrer wurde zu 27 000 Euro Geldstrafe und dreimonatigem Fahrverbot verurteilt.

7. Juni 2012: Cindy T. (33) stirbt bei Icking

Bei Höhenrain verunglückte am 7. Juni 2012 (Fronleichnam) ein Motorrad-Pärchen aus Geretsried. Auf trockener Fahrbahn stürzten die beiden um 17.30 Uhr nahe Icking (Landkreis Bad-Tölz/Wolfratshausen) auf den Pannenstreifen. Beide wurden gegen die Leitplanke geschleudert. Cindy T. (33) starb noch am Unfallort. Ihr Freund, ein Banker (35), überlebte den schweren Sturz lebensgefährlich verletzt.

17. August 2014, Höhenrain

Mit Vollgas raste der Münchner Top-Jurist Dr. Christoph R. († 45) am frühen Morgen des 17. August 2014 zwischen Schäftlarn und Höhenrain in den Tod. Er war auf der Fahrt zu seiner Familie gewesen. Auf der leicht feuchten Fahrbahn geriet der Porsche ins Schleudern, als Rittweger versuchte, den Sportwagen voll auszufahren. Ein anderer Autofahrer, der selbst 200 gefahren war, berichtete, dass er von dem Porsche in einem Wahnsinnstempo überholt worden war.

1. April 2015 bei Penzberg: Rentner stirbt, Rettungsassistent schwer verletzt

In einem Graupelschauer schlittert ein Rentner (61) am Abend des 1. April dieses Jahres mit seinem Fiat nahe Penzberg in die Leitplanke. Nicht weiter schlimm. Ein Rettungswagen hält an, die Besatzung will helfen. Da rast von hinten ein 20-jähriger am Steuer eines Audi RS4 (450 PS) auf Sommerreifen heran. Auch er gerät ins Schleudern, rast in die Unfallstelle. Der Rentner stirbt, ein Rettungsassistent (51) wird schwer verletzt.

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © Gaulke Thomas

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